OLDENBURG - Nicole Rochell - Schwerpunkt Ausbau B 207. Die Arbeitsgruppen des Dialogforums, das am Mittwochabend (30. November) zum zweiten Mal tagte (wir berichteten), hatten ihre Hausaufgaben gemacht.

Mit einer Straße, die eine Stauerscheinung von drei bis vier Monaten aufweise, könne man keine vernünftige Verkehrsplanung Kopenhagen-Hamburg machen, so Otto-Uwe Schmiedt.
Eine zweite Querung zur Entschärfung des Nadelöhrs Sundbrücke und die Verlegung der Schiene aus der Ortschaft Großenbrode an die Straße waren einige Themen, die Wirtschaftsvertreter und Landesregierung auf der einen Seite sowie Gegner der Festen Fehmarnbeltquerung auf der anderen Seite im Dialogforum diskutierten.
„Mit so einem Gestümper kann man keine vernünftige Verkehrsplanung Kopenhagen-Hamburg machen“, so Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt. Das Ergebnis des durch den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) in Auftrag gegebenen Stresstestes – Grundlage der Simulation war das prognostizierte Verkehrsaufkommen zwischen Puttgarden und Heiligenhafen im Jahr 2025 – hatte Schmiedt zu seiner Einschätzung geführt: Ein prognostizierter Stau in der Ferienzeit, der sich aufgrund des Nadelöhrs Sundbrücke auf einer Länge „von maximal 1,6 Kilometern“ ballen könnte – das beunruhigte nicht nur Otto-Uwe Schmiedt (parteilos) und seinen Bürgermeister-Kollegen Klaus Reise (BfG) aus Großenbrode. Eine Straße zu planen, die eine Stauerscheinung von drei bis vier Monaten aufweise, das erschloss sich Schmiedt nicht. Er appellierte, dass Gelder bereitgestellt werden, um eine zweite Lösung über den Sund, einen Tunnel, zu ertüchtigen.
Die Messungen für den Stresstest wurden werktags durchgeführt. Das bemängelte Ulrich Rüder für den Kreis Ostholstein, da das Verkehrsaufkommen am Sonnabend und Sonntag noch einmal größer sei. 1 386 Fahrzeuge werden im Stresstest in Richtung Hamburg, 1 438 in Richtung Fehmarn prognostiziert. In der Ferienzeit wird in Richtung Hamburg mit 2 300 Fahrzeugen pro Stunde und in Richtung Fehmarn mit 2 400 Fahrzeugen gerechnet.
Das Dialogforum wendet sich an die Landesregierung, sich mit Nachdruck für eine zweite Querung des Sundes – bevorzugt als Tunnellösung – einzusetzen und in den nächsten Bundesverkehrswegeplan und die Bedarfspläne für die Bundesfernstraßen und Bundesschienenwege als vordringlichen Bedarf aufzunehmen.
Nach der Teilsperrung erkundigte sich Allianz-Sprecher Malte Siegert. Kein unerheblicher Aspekt, wie er fand, da es vor allem um die Verbindung von zwei großen Metropolregionen mittels Güterverkehr und somit auch Lkw gehe. 300 Stunden war die Fehmarnsund-Brücke seit Bestehen der Windwarnanlage bereits teilweise gesperrt, was einige Mitglieder des Dialogforums wohl doch überrascht zur Kenntnis nahmen.
Das Ergebnis des Belastungstestes der Sundbrücke lässt weiterhin auf sich warten. Ute Plambeck von der Deutschen Bahn AG stellte sie für Mitte nächsten Jahres in Aussicht. Die Resultate an 251 Messstellen müssten ausgewertet werden, das brauche seine Zeit. „Und das nicht, weil irgendetwas vertuscht werden soll“, so Ute Plambeck.
Dass das Dialogforum sich wünscht, dass die Planung des Straßenbaus mit denen der Schienenhinterlandanbindung „zumindest intensiv aufeinander abgestimmt werden“, wie das Gremium formulierte, ist mehr als nachvollziehbar. Die Straßenbaumaßnahme B 207 befindet sich bekanntlich im Planfeststellungsverfahren, die Beltquerung auf dem Weg dorthin und die Schienenhinterlandanbindung im Raumordnungsverfahren. Die unterschiedlichen Bearbeitungsstände machen auch den Großenbrodern das Leben schwer. Wenn eine parallele Planung gewünscht ist, müsste die zeitliche Veränderung durch den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr herbeigeführt werden. Doch eine „abwartende Haltung“ des Landesbetriebes würde sich dann mit den Wünschen derjeniger beißen, die am liebsten sähen, dass der Straßenbau so schnell wie möglich realisiert werde, um vor Beginn der Arbeiten an der Beltquerung fertig zu sein. Seit Jahren fordere Großenbrode die Verlegung der Bahn aus der Ortschaft heraus an die B 207, so Bürgermeister Klaus Reise. Seine Befürchtung ist, dass, wenn der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr sein Planfeststellungsverfahren abschließe, es schwierig werden könnte, die Bahntrasse aus Großenbrode herauszubekommen. „Daher würde ich einfordern wollen, dass die Planungen so schnell wie möglich aufeinander abgestimmt werden“, so Reise.
Technisch sei es möglich, die Bahn an die Schiene heranzuführen, es seien aber, wenn das Thema Straßen im bisherigen Zeitfenster realisiert werde, Änderungen erforderlich, so der LBV. Kurzform: Erst wird gebaut, danach wieder abgerissen, um wieder neu zu bauen. Im Fall von Großenbrode müssten Rampen umgebaut werden, sodass der Verkehrsteilnehmer von der Bundesstraße gleich hochfahren könnte zur Kreisstraße. Eine Frage des Geldes. Wie so oft in der Beltquerungsdiskussion. Da doch aber große Metropolregionen derart von der Beltquerung profitierten, so Malte Siegert ein wenig süffisant, müssten doch auch solche Dinge wie eine Erleichterung für Großenbrode oder eine Behelfsbrücke (Amalienhof) drin sein.
Komme die Bahnverbindung oder komme sie nicht ? – Eine Option wäre erst einmal, den Plan auszusetzen und eine vorläufige Planung zu erstellen, so Hendrick Kerlen (Allianz). Mit dem Ausbau von Heiligenhafen bis Großenbrode könnte vor der jetzigen Anschlussstelle Großenbrode erst einmal Schluss sein. Der Abschnitt über die Fehmarnsund-Brücke bis Strukkamp könnte so belassen werden, wie er ist: „Dann wartet man ab, wir warten ja sowieso ab mit dem Nadelöhr Sundbrücke.“
Das Thema Klassifizierung des Streckenabschnitts von Heiligenhafen bis Großenbrode, das bereits in der Arbeitsgruppe kontrovers und ohne Votum diskutiert wurde, stellten die Teilnehmer nach ausführlicher Beratung auch im Dialogforum zurück. Während die Bürgermeister von Fehmarn und Großenbrode, Otto-Uwe Schmiedt und Klaus Reise, eine autobahnähnliche, vierspurige Bundesstraße mit Standstreifen bevorzugten, plädierte Peter Wolf vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) für eine Autobahn. „Dann hat Großenbrode die Bahn raus, dafür fahren dann sämtliche Trecker und Mähdrescher durch die Ortschaft“, warnte Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt. Auch der langsam fahrende Verkehr solle die Möglichkeit erhalten, direkt nach Heiligenhafen fahren zu können und nicht Großenbrode und Lütjenbrode mit zusätzlichem Verkehr belasten.



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