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Über 200 Geocaches auf Fehmarn

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Ein ausgefallener Cache auf Fehmarn. Er lässt sich hinter den Balken schieben und ist so getarnt. © Fehmarn24/Jana Bergmann

FEHMARN - Von Jana Bergmann Immer häufiger passiert es, dass man an einem bestimmten Ort immer wieder Personen sieht, die scheinbar nach etwas suchen. Oft auch in der Dämmerung oder gar im Schutz der Dunkelheit. Wer bereits an illegale Machenschaften glaubte, dem sei gesagt: Es könnten auch Geocacher sein.

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Bewaffnet mit GPS-Gerät und Taschenlampe: Detlev Timm (r.) gemeinsam mit Sohn Michael beim Geocachen © Fehmarn24/Jana Bergmann

Geocaching ist eine Art elektronische Schatzsuche, bei der der Schatzsucher, genannt Geocacher, Koordinaten erhält, die ihn zum Schatz, dem Geocache oder kurz Cache, führen. Für die elektronische Schnitzeljagd braucht man ein GPS-taugliches Gerät. Es gibt weltweit mehrere Internetseiten für Geocacher. Hier werden die Caches eingestellt, kurz beschrieben und die Hinweise und Koordinaten, die für die Suche erforderlich sind, bereitgestellt. Wenn die Suche erfolgreich war, kann der Cache online geloggt werden, und die Nutzer können ihre Erfahrungen mit der Geocacher-Gemeinde teilen. Wer das allerdings nicht möchte, kann auch nur für sich selbst suchen und finden und sich nur in das Logbuch eintragen, dass sich in jedem Cache befindet. In einfachster Form erhält der Suchende online die Koordinaten des Ortes, an dem sich der Cache versteckt. Die gibt er in sein Gerät ein, das ihn zu der richtigen Stelle navigiert. Vor Ort heißt es dann: Augen aufhalten. Natürlich sind die Caches nicht auf den ersten Blick zu sehen. Schließlich sollen Uneingeweihte sie nicht finden und aus ihrem Versteck entfernen. Menschen, die kein Geocaching betreiben, vielleicht auch noch nie etwas davon gehört haben, werden unter Geocachern „Muggel“ genannt. Der erste Geocache weltweit wurde im Mai 2000 in den USA versteckt. Bei dem größten Geocache-Verzeichnis geocaching.com sind heute fast zwei Millionen aktive Caches eingetragen. Der erste Schatz auf deutschem Boden ließ nicht lange auf sich warten, im Oktober 2000 wurde er platziert. „Auf Fehmarn wurde der erste Cache 2003 gelegt“, verrät einer, der es wissen muss. Detlev Timm (51) aus Hinrichsdorf ist seit über zwei Jahren Geocacher und hat auf Fehmarn schon jeden Cache gefunden. Das seien auf Fehmarn über 200, weiß nicht nur Detlev Timm. Damit wird auch auf der Internetseite des Tourismus-Service Fehmarn geworben. „Lernen Sie mit dieser neuartigen Form der Schnitzeljagd auch sonst wenig besuchte Ecken der schönen Insel Fehmarn kennen und lieben“, heißt es dort. Ein Vorschlag, den viele Urlauber in die Tat umsetzen.

Detlev Timm kann anhand eines Logbuchs belegen, dass ein Cache, den er selbst irgendwo in Burg versteckt hat, innerhalb eines Jahres von rund 1 600 Geocachern geloggt wurde. Rund 50 Schätze verschiedener Größe und Art habe er selbst auf Fehmarn versteckt, sagt Timm, auf einen davon sei er ganz besonders stolz, denn er befindet sich unter den 20 beliebtesten Caches deutschlandweit. Immer wenn einer seiner Schätze online geloggt wird, werde er benachrichtigt. Den Unterschied zwischen Haupt- und Nebensaison spüre man dabei ganz deutlich, berichtet er.

Treffen für Geocacher auf Fehmarn

Detlev Timm organisiert auch Treffen für Geocacher auf der Insel. Einmal im Jahr findet der „Fehmarnsche-Geocacher-Stammtisch“ statt. Wie viele einheimische Geocacher es gebe, könne er nicht genau sagen, weil auf geocaching.com, wo Detlev Timm angemeldet ist, niemand angeben muss, woher er kommt. Beim letzten Stammtisch im Dezember seien es 26 Teilnehmer gewesen. Neben der traditionellen Form des Geocachings gibt es zahlreiche Abwandlungen. Der Geocacher bekommt beispielsweise nur die Anfangskoordinaten und erhält an dem Ort, an den sein GPS-Gerät ihn führt, weitere Koordinaten oder auch nur Hinweise, wo er weiter suchen muss. Manchmal müssen die Koordinaten auch aus einer bestimmten Aufgabenstellung erschlossen werden. So kommen über ein Dutzend Varianten zusammen. Auf Fehmarn seien fünf verschiedene Arten von Caches versteckt, weiß Detlev Timm. Caches gibt es in verschiedenen Größen und Schwierigkeitsgraden. Vom Döschen, kleiner als eine Fotodose, bis hin zur großen verschließbaren Tonne ist alles denkbar. Caches können hoch oben in Bäumen versteckt sein, in einer Felsspalte stecken oder auf dem Grund der Ostsee liegen. Der Beschreibung kann man immer entnehmen, was man für die Schatzsuche braucht und wie die Anforderungen sind. Natürlich werden Standorte auch unter Cachern nicht preisgegeben. Jeder soll schließlich selbst suchen. Nicht nur Größe, auch der Inhalt kann variieren. Der Grundgedanke zu Anfangszeiten des Geocachens war das Tauschen. In jedem Behältnis sollten sich viele kleine Gegenstände befinden, die gegen Objekte, die der Suchende mitbringt, getauscht werden sollten. Mit der Zeit entwickelte sich das Spiel weiter. Heute gibt es sogenannte Trackables, die sich in den Caches befinden und von einem Cache zum nächsten wandern sollen. Sie besitzen eine einmalige Codenummer, über die man die Bewegungen nachvollziehen kann. Wer sie bewegt, registriert das online, so lässt sich nachvollziehen, wo ein Track- able sich befindet und wie weit es schon gereist ist. Einige haben den Auftrag, möglichst viele Kilometer zurückzulegen, andere haben Bestimmungsorte, zu denen sie gelangen müssen.

„Rücksicht auf die Natur nehmen“

Möglich ist alles, und die Geocacher sind sehr findig und voller Ideen. Von Hinweisen, die nur im Dunkeln in Erscheinung treten, über Stein-Nachbildungen mit Geheimfächern bis hin zu komplizierten Rechenaufgaben, für die man an verschiedenen Orten auf Schildern die passenden Zahlen finden muss, um letztlich an die Koordinaten zu kommen; wer eine Steigerung sucht, wird sie finden.

Aber es gebe auch Grenzen, so Timm. „Geocacher wollen nicht nur möglichst wenig Aufsehen erregen, es gibt auch Regeln und Statuten, die eingehalten werden müssen“, sagt er. So dürften sich die Verstecke nicht auf Privatgelände befinden, man müsse so suchen, dass man den „Muggeln“ nicht auffalle und Rücksicht auf die Natur nehmen. Letzteres liegt Detlev Timm sehr am Herzen. Regelmäßig kontrolliert er die Standorte seiner Caches. Wenn er feststellt, dass zum Beispiel eine Hecke „heruntergetrampelt“ wurde, entfernt er den Cache. „Es ist ein schönes Hobby, ich war vorher nie so viel in der Natur unterwegs, aber man muss Rücksicht nehmen“, so der leidenschaftliche Geocacher, der inzwischen schon über 1 000 Caches gefunden hat. An seinem Hobby schätzt er, dass er es ausüben kann wann er will, ohne Stress und Eile, außerdem erlebe man viel und könne viele neue Bekanntschaften knüpfen, so man wolle. Denn man kann seine geheime Schatzsuche auch nur für sich praktizieren, am besten im Schutz der Dunkelheit.

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