Femern A/S berichtet auf der eigenen Homepage:
"Grund für die Verzögerung ist die Tatsache, dass sich der Genehmigungsprozess für ein so großes grenzübergreifendes Bauprojekt in Deutschland und Dänemark als noch komplexer erwiesen hat als zunächst angenommen.
Die Feste Fehmarnbeltquerung ist das größte Verkehrsinfrastrukturprojekt in Nordeuropa und wird Deutschland und den europäischen Kontinent enger mit Skandinavien verbinden. Die bevorzugte technische Lösung ist ein Absenktunnel mit elektrifizierter zweigleisiger Bahnstrecke und vierspuriger Autobahn.
Sowohl die Dimensionen als auch der grenzüberschreitende Charakter des Vorhabens zwischen Deutschland und Dänemark stellen Neuland dar. Der Bau des Fehmarnbelttunnels muss in Übereinstimmung mit den europäischen Vorschriften sowie den in Deutschland und Dänemark geltenden Gesetzen und Verfahrensordnungen genehmigt werden. Obwohl die nationale Gesetzgebung weitgehend auf einheitlichen EU-Richtlinien beruht, bestehen erhebliche Unterschiede in der Umsetzung dieser Richtlinien in den beiden Staaten. Um diesem Umstand Rechnung tragen zu können, wird mehr Zeit benötigt als ursprünglich angenommen.
„Der Bedarf an Koordinierung und Detailplanung ist höher als wir erwartet haben“, sagt Leo Larsen, Vorstandsvorsitzender von Femern A/S. „Wir arbeiten sehr konstruktiv und partnerschaftlich mit den Behörden in Deutschland und Dänemark zusammen. Dennoch müssen wir anerkennen, dass diese Aufgabe für alle Beteiligten eine große Herausforderung ist. Teilweise ist dies den erheblichen Unterschieden geschuldet, die zwischen der deutschen und der dänischen Gesetzgebung und Verfahrensordnung bestehen. Wir befinden uns in einer Situation mit vielen unbekannten Faktoren, die im Zuge der Erstellung der Antragsunterlagen an die jeweiligen Behörden berücksichtigt werden müssen. Das braucht seine Zeit.“
Der revidierte Zeitplan wirkt sich unmittelbar nur auf die gegenwärtige Planungsphase aus. Die eigentliche Bauzeit für den Absenktunnel wird nach wie vor auf sechseinhalb Jahre veranschlagt. Mit dem neuen Zeitpunkt für Auftragserteilung und Baubeginn im Sommer 2015 wird die Eröffnung der Festen Fehmarnbeltquerung nunmehr gegen Ende 2021 erwartet.
Es ist unwahrscheinlich, dass der neue Zeitplan Auswirkungen auf die Gesamtkosten des Projekts haben wird, da die Kosten für die Planungsphase innerhalb des vorgesehenen Etats von 376 Mio. Euro (Preisstand 2008) verbleiben.
Die Baukostenschätzung für den Absenktunnel beläuft sich unverändert auf rund 5,5 Mrd. Euro (Preisstand 2008), und auch die Rückzahlungsdauer für das gesamte Fehmarnbeltprojekt einschließlich der dänischen Hinterlandanbindung bleibt unverändert bei 39 Jahren."
Dass sich Bau und Fertigstellung der Festen Fehmarnbeltquerung um ein weiteres Jahr verzögern, ist nach Ansicht des Aktionsbündnisses „keine Überraschung“. Die Bürgerinitiative vermutet, dass neben dem von Femern A/S als Begründung angegebenen stockenden Genehmigungsprozess auch weiterhin geologische Schwierigkeiten im Fehmarnbelt eine gewichtige Rolle spielen würden. Die Tonschicht auf deutscher Seite drohe sich durch Baggerarbeiten für den Absenktunnelgraben aufzulösen. Das sei nach Ansicht des Aktionsbündnisses ein erhebliches Problem für die Stabilität des Tunnelprojektes. Gelöste Sedimente hätten dagegen unabsehbare Auswirkungen auf die Ostsee. Die Badewasserqualität in einer touristisch wichtigen Region drohe sich ebenso zu verschlechtern, wie die Situation für die äußerst sensible marine Flora und Fauna. Nicht mehr nur über Nutzer finanzierbar?
Aktionsbündnis Fehmarn: "Ausstieg ist verantwortungsvolles Handeln"
„Wir sind davon überzeugt, dass auch das Datum ,Ende 2021` noch nicht das Ende der Fahnenstange ist und weitere Verzögerungen kommen werden“, so Malte Siegert, Vorsitzender des Aktionsbündnisses gegen eine Feste Fehmarnbeltquerung.
Allein die Baukosten gingen durch natürliche Preissteigerungen kontinuierlich nach oben, während die prognostizierten Verkehrsströme auf ihrem niedrigen Niveau von zukünftig nicht einmal 15000 Fahrzeugen täglich verharrten.
„Somit stellt sich die Frage, um wie viel das Vorhaben insgesamt teurer wird und ob die finalen Gesamtkosten von wahrscheinlich sechs Milliarden Euro allein für den Absenktunnel überhaupt seriös refinanzierbar sein werden“, so Siegert.
Es käme der Punkt, an dem das Vorhaben nicht mehr allein über Nutzer und Maut bezahlt werden könne. Dänische Staatsgarantien kämen zum Tragen und würden automatisch den dänischen Steuerzahler belasten.
Siegert: „Das wird zwar von der dänischen Projektgesellschaft Femern A/S und der dänischen Regierung immer wieder ausgeschlossen. Wegen der anhaltenden wirtschaftlich schwierigen Situation Dänemarks muss dieser Fall aber von den politisch Handelnden beiderseits des Beltes ernsthaft diskutiert werden.“
Wie in Artikel 22 des Staatsvertrages vorgesehen, fordert das Aktionsbündnis Deutschland und das Königreich Dänemark angesichts der veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu Verhandlungen über den Ausstieg aus dem Vorhaben auf. Ein Ausstieg sei, auch mit Blick auf die nationalen Schuldenbremsen, verantwortungsvolles politisches Handeln.


© Heiko Witt/F 24Der große Belttunnel-Planer: Leo Larsen, Vorstandschef von Femern A/S.


