Eine fehmarnsche Schulklasse hatte sich mit ihrem Lehrer auf den Weg zum Gammendorfer Strand gemacht, um zu beobachten, wie das größte Flugboot Deutschlands, die Do X, an Fehmarn vorbeifliegen würde. Die Jugendlichen wurden stattdessen Zeugen eines entsetzlichen Schiffsunglücks. Am 26. Juli 1932 sank vor Fehmarns Nordküste das Segelschulschiff „Niobe“ der Reichsmarine. Es wurde offenbar von einer starken Windbö erfasst und sank in nur vier Minuten. 69 Seeleute starben, 40 konnten gerettet werden. „Großes Schiffsunglück beim Fehmarn-Belt-Feuerschiff“, titelte das Fehmarnsche Tageblatt am nächsten Tag in großen Lettern. Der Bericht begann wie folgt: „Viele Fehmaraner erwarteten gestern Nachmittag den Anblick des Flugschiffs Do X, den Triumph deutscher Wissenschaft und Technik. Keiner von den Vielen konnte ahnen, dass kurz nach der Rückkehr des Flugschiffs sich ganz nahe unserer Insel, nicht weit von dem zwischen Puttgarden und Westermarkelsdorf gelegenen Fehmarn-Belt-Feuerschiff eine furchtbare Schiffskatastrophe ereignete, das Kentern des Schulschiffs ‚Niobe‘, bei dem 69 Mann der Besatzung ihren Tod fanden.“
Die „Niobe“ sei ursprünglich ein gekapertes norwegisches Schiff mit vier Masten gewesen und in dieser Form den Fehmaranern bekannt, da es unter Graf Luckner vor Burgtiefe geankert habe, erinnerte das FT damals. 1924 war es umgebaut worden zur drei-mastigen Schonerbarke. Die „Niobe“ befand sich auf der Fahrt von Kiel nach Warnemünde. Der Seewetterbericht, den der Kommandant der „Niobe“, Kapitänleutnant Ruhfus, um 10 Uhr erhalten hatte, lautete für den Bereich der Insel Fehmarn: „Frische, böige Südost- bis Südwestwinde, zunehmende Bewölkung mit leichten Niederschlägen, mäßige bis gute Sicht.“ Das war nichts Besonderes. Später wurde noch einmal durchgegeben: „Gefahr auffrischender Südwestwinde.“ „Alle Mann an Deck“, hieß es auf der „Niobe“. Den Hergang schildert Autor Uwe Greve in seiner Dokumentation „Glanz und Tragödie des Segelschulschiffes Niobe“. Nicht das in der Ferne bei Fehmarn sich bildende Gewitter war demnach die Ursache der Störung der Mittagspause, sondern ein riesiger, silbrig glänzender Vogel, der in der Nähe in geringer Höhe das Segelschulschiff passierte. Es war die Do X. Die Kadetten blickten dem gewaltigen Vogel mit den sechs auf den Tragflächen montierten donnernden Motoren nach, bis er in der Ferne verschwand. Danach gingen die meisten wieder unter Deck. Auf dem Feuerschiff „Fehmarnbelt“ beobachtete Kapitän Thomsen, wie plötzlich die „Niobe“ von der gewaltigen Fallbö erfasst wurde. Das FT schrieb damals: „Den Hergang des Unglücks kann man sich in Marinekreisen kaum erklären. Es besteht nur die eine Möglichkeit, dass eine plötzlich vom Lande anrollende Gewitterbö die Niobe erfasst hat und niedergedrückt hat.“ Diese These bestätigt damals in dem FT-Bericht auch der Burger Bürgermeister Lafrenz, der 1924 und 1925 Kommandant der „Niobe“ war.
40 Seeleute konnten gerettet werden


