"Sturmfluth über Fehmarn"

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    • 23.02.10
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"Sturmfluth über Fehmarn"

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1872 versank ein Drittel der Insel im Meer – Das Schicksal des Fritz Kruse

Der ehemalige Tourismusdirektor Rolf Harenberg weist auf die Tafel an der Festung Glambek, die den Wasserstand von 1872 dokumentiert.

Das zweite historische Ereignis, über das das „Fehmarnsche Wochenblatt“ seinerzeit berichtete, war die gewaltige Sturmflut in der Nacht vom 13. auf den 14. November 1872. Es war auch die besondere Geschichte des 13-jährigen Jungen Fritz Kruse, der den Fluten entkam und später als Seemann auf Samoa das „Hotel Insel Fehmarn“ eröffnete. Die Aufmachung der Zeitung war, gemessen an der Schwere der Katastrophe, äußerst ungewöhnlich. Die Technik ließ es noch nicht zu, flexibel zu reagieren. Auf der Seite 1 fanden sich aus- schließlich Anzeigen. Die Fehmaraner wurden informiert, dass frische Zitronen eingetroffen seien und eine neue Sendung Filzpantoffeln. Im mittleren Teil der Seite 3 stand unter der fast unscheinbaren Überschrift „Locales“: „Unsere Insel wurde in diesen Tagen von einem entsetzlichen Unglück heimgesucht, wie es seit Menschengedenken, und, wenn wir nicht irren, seit dem 16. Jahrhundert hier nicht vorgekommen sein soll.“ Auch der Inhalt des Textes verrät, dass man mit der Verarbeitung des Unglücks offenbar große Probleme hatte. Im Text geht es weiter: „Am Dienstag, den 12. November, erhob sich ein heftiger Sturm aus Nordost, der sich in der Nacht zum 13. zu einem Orkan vermischt mit Schnee und Regen, in so furchtbarer Weise steigerte, dass die Ostsee aus ihrem Bette trat und eine Sturmfluth über Fehmarn hereinbrach, die alle Küstenpunkte wie auch theilweise Ortschaften im Innern der Insel mit einer verheerenden Wassermasse überschüttete und allenthalben Schrecken verbreitete.“ Die Schäden waren katas-trophal. Ein Drittel der Insel versank unter der Flut. Es ist unklar, wie viele Menschen ums Leben kamen. Auf der Tiefehalbinsel, in Lemkenhafen und in Presen ertrank ein Großteil der Kühe, Schweine und Schafe. Unzählige Häuser wurden vollständig zerstört oder gar weggespült. Der Wasserstand erreichte 3,47 Meter über Normalnull. „Der traurigste ergreifendste Akt spielte jedoch auf dem Sunde, der Fährstelle“, schilderte das „Fehmarnsche Wochenblatt“ die Rettung des 13-jährigen Fritz Kruse, Sohn des Lotsen. Vater, Mutter, Bruder und er waren vor den Wassermassen auf den Dachboden des Lotsenhauses an der Fährstelle am Fehmarnsund geflüchtet.

Das Haus hielt den Wellen nicht stand. Fritz Kruse sah, so erzählte er dem Redakteur, wie seine Familienangehörigen von einer Welle weggespült wurden. Das „Wochenblatt“ berichtete: „Noch einmal hätte er sie emportauchen und den Bruder vergeblich nach einem Stück Holz tauchen sehen, dann waren sie verschwunden.“ Der Junge klammerte sich an einem Teil des Dachstuhls fest und trieb hinaus auf hohe See. Eine französische Brigg entdeckte ihn am darauffolgenden Tag und rettete ihn. Das „Wochenblatt“ am 20. November 1872: „Wenn man bedenkt, dass dieser etwas über zwölf Jahre alte Knabe am Mittwochmorgen die letzte Nahrung genoss, und bis zum Donnerstagnachmittag ohne jede Stärkung auf dem Wasser trieb, so muss man staunen über die Ausdauer, mit der er das hat aushalten können.“ Die Zeitung informierte alle Fehmaraner in den folgenden Ausgaben über die Hilfsmaßnahmen. Eine Gruppe von Fehmaranern hatte sich vereinigt, „um durch Herbeischaffung der unentbehrlichen Lebensbedürfnisse für die von der Überschwemmung betroffenen mittellosen Familien die nächste und dringendste Not zu lindern.“ Nur zwei Wochen nach der Flut wurde schon wieder für Tanzvergnügen in Wissers Hotel und bei Kröger geworben. Fritz Kruse wurde Matrose, später Kapitän. Er gründete im Westen Samoas in der paradiesischen Südsee das „Hotel Insel Fehmarn“, das es noch heute gibt. Das Firmenlogo ist die „Goldene Krone im blauen Meer.“

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