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Der Traum von der grenzenlosen Freiheit

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"Love and peace‘"-Festival auf Fehmarn endete im totalen Chaos

Jimi Hendrix auf der Bühne beim "Love and peace"-Festival 1970. Der geniale Gitarrist spielte in der Mittagszeit des 6. September am Flügger Strand. Es war sein letztes Konzert. Er starb zwölf Tage später in London.

Flower power. Love & peace. Fehmarn war plötzlich Teil einer Bewegung. Das ist der Kult des großen Pop-Festivals am Flügger Strand von 1970. Es war der letzte Auftritt des legendären Gitarrenvirtuosen Jimi Hendrix. Das Open air mit seinen 25000 Besuchern versank zunächst im Dauerregen und ging dann in Flammen auf. Viele Fehmaraner waren beunruhigt, was da für Typen in den ersten Septembertagen ‘70 auf ihre Insel zogen. Und auch die Heimatzeitung hatte so ihre Schwierigkeiten mit der Berichterstattung über die „Blumenkinder“. „Die ersten sind schon da“, schreibt das FT am 26. August 1970, „sie freuen sich auf die großen Meister ihrer Zeit, auf den Amerikaner Jimi Hendrix, der indianischer Abstammung sein soll und seine Gitarre dermaßen in Schwingungen bringen soll, dass das Gerät von selbst singt.“ Am 1. September schreibt das FT: „Fehmarn hat sich in ein Heerlager der Beatfans verwandelt. Die Straße von Püttsee nach Flüggerstrand gleicht einem Pilgerweg von langmähnigen Hippies (...). Der leichte Regen vermag den Mut und die Erwartung der Festivalteilnehmer nicht zu beeinträchtigen. Zu wissen, dass Jimi Hendrix, der legendäre Jimi Hendrix, Kultsymbol einer ganzen Generation, stündlich eintreffen kann, hält bei Laune. Die meist abenteuerlich gekleideten Mädchen und Jungen liegen in ihren Zelten oder in Kombiwagen oder auch Pkws, die improvisiert mit Schlafstätten ausgerüstet sind.“

Es war der Wunsch nach grenzenloser Freiheit, der die Menschen auf die Insel geführt hatte. Organisiert hatten das Event Helmut Ferdinand (damals 33, Ingenieur), Christian Berthold (damals 28, Gastwirt) und Tim Sievers (damals 30, VWL-Student). Der Regen wurde immer stärker. Es zog ein kalter Ostwind auf, der die Musik zerfetzte. Einige Auftritte mussten abgesagt werden. Ten Years After und Procol Harum spielten nicht, das waren besondere Enttäuschungen für die Fans. Unter anderen traten folgende Bands aber tatsächlich auf: Canned Heat, Mungo Jerry, Embryo, Frumpy, Rod Stewart & Faces, Ginger Bakers Airforce, Sly and the Family Stone. Es moderierte Alexis Korner, der immer wieder das Publikum vertrösten musste. Denn alle Festivalbesucher warteten auf den großen Jimi Hendrix, der am Samstag auf Fehmarn eintraf und im Hotel Dania in Puttgarden einquartiert wurde. Am Sonntag, dem 6. September 1970, um die Mittagszeit, wohl gegen 13 Uhr, kam er endlich auf die Bühne und besserte mit seinem Konzert die Stimmung schlagartig auf. Er spielte Hits wie Hey Joe, Purple Haze und Voodoo Chile, aber auch Freedom. Viele waren begeistert. Auch sein Auftritt litt jedoch unter dem Wind. Hendrix erhielt 70000 Mark. Hinter den Kulissen nahm das Chaos längst seinen Lauf. Aus ungeklärter Ursache fehlten den Veranstaltern die Gelder, um die „Bloody devils“, Rocker aus Hamburg, die man merkwürdigerweise als Aufpasser für das „Love and peace“-Festival engagiert hatte, auszuzahlen, so heißt es.

Sie sollen am Ende das Organisationszentrum angezündet haben. Da waren die Veranstalter schon mit der Kasse getürmt. Doch es ist auch möglich, dass Hippies aus dem Publikum dann doch aggressiv wurden. Denn als letzte Band trat „Ton Steine Scherben“ (damals noch Rote Steine) auf. Es war ihr erster großer Auftrtt. Bandleader Rio Reiser, der spätere „König von Deutschland“, sprach seine Botschaft laut ins Mikrofon: „Hauen wir die Veranstalter ungespitzt in den Boden.“ und spielte den Song "Macht kaputt, was Euch kaputt macht." Am Ende stand alles in Flammen. „Das Liebes- und Friedensfest endete mit Brandstiftung und Unruhe am Flügger Strand“, hieß die Überschrift am 7. September 1970 im Fehmarnschen Tageblatt. Andere Überschriften lauteten: „Die Rassige tanzte oben ohne“, „17-Jährige lebte mit Männern im Zelt“, „Berge von Dreck“. Zwölf Tage nach seinem Fehmarn-Konzert starb Jimi Hendrix in London. Die genauen Umstände des Todes sind bis heute nicht geklärt. Hendrix soll neun Schlaftabletten genommen haben und an seinem Erbrochenen erstickt sein. „Fehmarn“ hat mit dem weltberühmten „Woodstock“ von 1969 gemein, dass es einmalig blieb. Doch wie in Woodstock, so kam es auch auf Fehmarn 25 Jahre später zu einem Revival. Das Fehmarn Open Air „umsonst und draußen“ findet seither mit zunehmendem Erfolg statt. Seit 1997 erinnert ein Gedenkstein am Flüggerstrand an den letzten Auftriff von Jimi Hendrix.

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