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Der Mann, der die Frauen vergrub

Der Mann, der die Frauen vergrub

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Der Mordfall Imiela war wochenlang das "Topthema" im Tageblatt und erschütterte nicht nur die Insel

An der Ludergrube bei Gahlendorf, in der die beiden Frauenleichen von Arwed Imiela vergraben wurden, steht Tankwart Hans Grunst (Mitte), der die Polizei auf die Spur führte. Rechts der Bild-Reporter Wieland Sandmann, links ein Kripobeamter.

Es war das Kommunalwahl-Wochenende auf Fehmarn. „Man sollte auf jeden Fall zur Wahl gehen“, riet das Fehmarnsche Tageblatt in der Überschrift seinen Lesern. Auch Chefredakteur Henning Wolff kandidierte. Er wollte erneut für die Freie Wählervereinigung in den Kreistag. Doch in den nächsten Tagen und Wochen sollte ihn etwas ganz anderes beschäftigen. Am Sonnabend, dem 25. April 1970, ist der FT-Chefredakteur dabei, als eine Karawane von 15 Fahrzeugen der Kriminalpolizei Richtung Gahlendorf rollt. Zuvor hatten Kripobeamte nach einem Hinweis des fehmarnschen Tankwarts Hans Grunst eine grausige Entdeckung gemacht. Sie finden in einer so genannten Ludergrube zerstückelte Teile von zwei Frauenleichen. Die Kommunalwahlergebnisse werden auch am Montag ausführlich analysiert, jedoch auf hinteren Seiten. Die Freien Wähler verpassen übrigens mit 4,8 Prozent knapp den Einzug in den neuen ostholsteinischen Kreistag. Hauptthema sind die Leichenfunde. „Die ersten Leichenteile werden geborgen – allen stockt der Atem“, heißt eine Überschrift in der gleichen Ausgabe. Das Foto zeigt die Leichenteile nicht, ist aber dennoch schockierend. Gefunden wurden die Rümpfe zweier Frauen, es fehlten die Köpfe und Hände. Täglich berichtet Henning Wolff ausführlich über das „scheußlichste Kapitalverbrechen der Nachkriegszeit“. Bei den toten Frauen handelt es sich um die 47-jährige Ilse Evels und ihre 19-jährige Tochter Urte aus Westercelle in Niedersachsen. „Die Hintergründe der Mordserie auf Fehmarn – Wie viel Frauen hat Arwed Imiela umgebracht ...?“ – lautet die Balkenüberschrift im FT an jenem 27. April. So erfahren die Fehmaraner, dass der 40-jährige Arwed Imiela verdächtigt wird. Er war in Reinbek bei Hamburg zwei Tage vor dem Fund der Leichenteile verhaftet worden. Mit ihm festgenommen wurde seine Verlobte Ulrike Roland. Ilse und Urte Evels sind ihre Tante und Cousine.

Bankangestellter alarmierte die Polizei

Man beschuldigte Imiela, ein Heiratsschwindler zu sein und sich durch Urkundenfälschungen Gelder erschlichen zu haben. Ein Bankangestellter aus Celle hatte sich geweigert, das Wertpapiervermögen der Ilse Evels an ihn auszuhändigen und die Polizei alarmiert. Imiela war Astrologe, offenbar lockte er per Zeitungsannoncen gut betuchte Damen, ihnen zunächst nur die Sterne zu deuten. Und er war ein passionierter Jäger. Auf Fehmarn hatte er sich für die Wochenenden ein Jagdrevier und einen Bungalow in Marienleuchte gemietet. Imiela war ein stattlicher und charmanter Mann. Dass die Frauen nur so auf ihn flogen, nutzte er mehr und mehr aus. Das war die Voraussetzung für die kriminelle Energie, die er entwickelte. Die Kripo findet die Spur auf die Insel durch eine kleine Kleiderbürste mit einer Werbeaufschrift einer Tankstelle in Burg in Imielas Auto. Sie sucht den Tankwart Hans Grunst auf, der Imiela persönlich kannte. Der „Millionär“, wie Grunst ihn nannte, kam regelmäßig am Freitagabend in die Tankstelle. Hans Grunst pflegte die sportlichen Wagen des Wochenend-Fehmaraners, während seine Frau Ingrid ihn mit Kaffee und Mettwurstbrötchen versorgte. Man lernte sich auch privat kennen. „Er war immer sehr großzügig und eine ganz vornehme Erscheinung“, sagt noch heute Ingrid Grunst. Fast am Ende des Gespräches erzählt seinerzeit Hans Grunst den ermittelnden Kripobeamten, dass er Anfang Dezember 1969 eine Ludergrube ausgehoben hatte für Imiela, der Füchse fangen wollte. Da werden die Polizisten hellhörig und lassen sich die Stelle zeigen. Schnell stoßen sie auf die Leichenteile. Der Fall Imiela hat eine neue Dimension. Es ist Samstag kurz vor Mittag. Um zwölf Uhr hätte der Staatsanwalt Imiela wieder aus der Untersuchungshaft entlassen. Hans Grunst rast, angefeuert von den Kripobeamten, zur Burger Polizeistation. Gerade noch rechtzeitig wird die Staatsanwaltschaft informiert, Imiela bleibt in Haft.

Wo sind die beiden anderen Frauen?

Imiela war vielen Fehmaranern bekannt, er gehörte unter anderem dem Schützenverein an. Nach dem entsetzlichen Fund bei Gahlendorf herrscht natürlich helle Aufregung auf Fehmarn. Wo waren die anderen Leichenteile? Hatte Imiela womöglich noch weitere Frauen auf dem Gewissen? Tatsächlich wurde Imiela später beschuldigt, bereits im November 1968 und im Januar 1969 auch die 75-jährige Anna-Maria Kieferle und die 47-jährige Tochter Annemarie Schröder aus Frankfurt getötet zu haben, mit denen er ebenfalls längere Zeiten auf Fehmarn verbrachte. Er soll sie umgebracht haben, nachdem er sich als „Finanzberater“ in den Besitz des Vermögens der Frauen gesetzt hatte. Aus denselben Motiven habe er Ilse Evels und Tochter Urte umgebracht, so die Anklageschrift. Durch zahlreiche Fälschungen von Urkunden und Briefen, die zum Teil seine Ex-Frau aus Stockholm und London abschickte, habe Imiela das Weiterleben der verschwundenen oder bereits getöteten Frauen vorgetäuscht, um an ihr Geld zu kommen. Noch am 23. Dezember 1968 will Ingrid Grunst den Alfa Romeo der Annemarie Schröder gewaschen haben. Am Heiligen Abend habe die Burger Elektrofirma Überall noch schnell eine Tiefkühltruhe in den Marienleuchter Bungalow geliefert, angeblich, weil Imiela so viel Wild geschossen hatte. Am 1. Weihnachtstag sagte Imiela einen geplanten Besuch beim Ehepaar Grunst wieder ab. Danach wurde Annemarie Schröder nie mehr gesehen, ihre Mutter war schon seit längerem verschwunden. Es ist ein spektakulärer Prozess. An jedem der 55 Verhandlungstage in den acht Monaten ist der Gerichtssaal überfüllt. Es werden 250 Zeugen gehört, 20 Sachverständigengutachten vorgelegt. Es ist ein reiner Indizienprozess und in zwei Fällen gibt es gar keine Leiche. Imiela sei im Falle Evels genauso vorgegangen wie bei den Frauen Kieferle und Schröder. Jeweils der Tochter habe er die Heirat versprochen, die Mutter könne zu ihnen ziehen – im Falle Kieferle/Schröder nach Fehmarn, im Falle Evels nach Reinbek. Insgesamt hätten die vier Frauen Imiela 340000 Mark eingebracht. Das Gericht sieht es als bewiesen an, dass Imiela alle vier Frauen ermordet hat. Imiela äußert sich zu den Vorwürfen nicht und beteuert seine Unschuld. „Aufrecht, mit erhobenem Kopf, die Arme nur vor dem Leib verschränkt und ohne eine Miene zu verziehen, nahm er den Schuldspruch entgegen“ schrieb das FT am 25. Mai 1973. Das Lübecker Schwurgericht verurteilte Arwed Imiela zur vierfachen lebenslangen Freiheitsstrafe. Das Mord-Motiv sei „Streben nach Gewinn um jeden Preis“ gewesen, hieß es in der Urteilsbegründung. Arwed Imiela starb am 3. Juni 1982 in seiner Zelle an Herzversagen. Er gab nie ein Geständnis ab. Die Leichen von Anna-Maria Kieferle und Annemarie Schröder wurden nie gefunden.

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