Superbanner

Die einzigartige Landschaft der Kurischen Nehrung

Die einzigartige Landschaft der Kurischen Nehrung

    • recommendbutton_count100
    • 6
    • 0

Burgs Partnergemeinde Neringa verzaubert mit ihren wunderschönen Dünen und Stränden

Blick auf die einzigartige Dünen-Landschaft auf der Kurischen Nehrung. Foto: Heiko Witt

Von Heiko Witt aus Neringa, erschienen im FT am 9. April 2002

BURG • Ehrfürchtig und doch freudig erregt nähert man sich der „Didzioji kopa“, der „Hohen Düne“. Gerade hätte man meinen können, durch eine Wüstenlandschaft gestapft zu sein. In wohl 60 Metern Tiefe schimmert schwer das Haff und schlägt am Ufer flache, kurze Wellen. Keine Fata Morgana. Die „Didzioji kopa“ auf der Kurischen Nehrung ist eine der höchsten Dünen Europas, und eine kleine Wanderschaft zu ihr das Vordringen in eine einzigartige Landschaft. Vom Hafen aus macht man sich immer am Haff entlang auf den Weg. Schon aus der Ferne beeindruckt der gewaltige Dünenkamm. Ein bisschen anstrengend sind die über 100 Stufen hinauf zur „Parnidzio kopa“, der „Parniddener Düne“. Vom Aussichtsturm hat man einen wunderschönen Ausblick auf Nida und die Umgebung. Man wandert weiter in das „Tal des Schweigens“, wer vom Weg abkommt, gelangt an die russische Grenze, die die Nehrung durchschneidet. Dahinter liegt das Königsberger Gebiet, doch der Grenzposten weist den Weg zurück. Also noch ein Blick von der „Hohen Düne“ auf das Haff.

„Heimweh-Tourismus“

Die Natur der Kurischen Nehrung hat große Anziehungskraft. Beliebt ist die Anreise mit der Fähre von Kiel nach Klaipeda, dem früheren Memel. Die „Petersburg“ mit „Heimathafen“ Monrovia, also unter liberianischer Flagge fahrend, braucht dafür 28 Stunden. Die Frachtfähre hat auch Kabinen für Passagiere. „Heimwehtouristen und junge Familien, die nicht soviel Geld haben“, sagt Kapitän Claus Süßmann. Gebürtige Memelländer und Naturliebhaber, die das für sie noch Unentdeckte lieben. Klaipeda ist der einzige Seehafen Litauens, die Silhouette besteht ausschließlich aus Kränen, die Kirchen wurden im 2. Weltkrieg zerstört. Es ist eine lebendige Stadt mit 200000 Einwohnern aus 41 Nationen, darunter 60000 Russen und 10000 Deutsche. Zwei Fähren verbinden Klaipeda mit der Kurischen Nehrung. Erst seit kurzem ist die zehnminütige Überfahrt mit der staatlichen Linie kostenlos, dafür hatte Neringas Bürgermeister gekämpft.

Neue Gebühr durch die Hintertür?

Neringa selbst ist Naturschutzgebiet. Das war ursprünglich auch der Grund, warum man nur nach Zahlung einer Mautgebühr durchgelassen wurde. Man wollte den Pkw-Verkehr und damit die Belastung der Umwelt begrenzen. Heute ist die Gebühr eher gesenkt worden, sie beträgt für Touristen 15 Litas pro Auto, das sind rund 4,50 Euro. Nun hat die Stadt Klaipeda zum 1. Mai ebenfalls eine Gebühr beschlossen – für das Nordstück der Nehrung, das nicht zu Neringa gehört. Als Titelstory auf der Seite 1 der aktuellen „Klaipeda“-Ausgabe berichtet darüber die freie Journalistin Raimonda Norkiene. „Sollen nun Besucher, die nach Juodkranté oder Nida fahren, zweimal zahlen?“, hinterfragt sie. Das wäre ja wohl ein Wegezoll. Die Stadt Neringa ist über die Entscheidung offenbar noch gar nicht informiert worden. „Wir wissen nichts Genaues, es gibt noch keine Schriftstücke“, wird der Stadtvertreter Vigantas Giedraitis zitiert. Die Neringischkiai wundern sich nur, dass es eine neue Gebühr geben soll, wo doch gerade der Fährpreis erlassen wurde. Verwandte würden womöglich auf einen Besuch verzichten, weil er zu teuer kommen könnte. Und für den Touristen wäre es wohl überhaupt nicht mehr nachzuvollziehen, wenn die Überfahrt frei wäre, jedoch zwei Mautstellen folgen würden. Es sieht vorerst nicht nach der notwendigen Einigung zwischen Klaipeda und Neringa aus.

Welt-Naturerbe oder ein Flugplatz?

Auf der Nehrung, insgesamt 98 Kilometer lang und 400 Meter bis 3,8 Kilometer breit, fährt man durch herrliche Kiefernwälder, in denen noch 20 Elche leben – und Wildschweine. Nach rund 50 Kilometern erreicht man Nida, das frühere Nidden. Es ist Hauptort und Verwaltungssitz der Stadt Neringa mit ihren 2700 Einwohnern, zu der noch Juodkranté (Schwarzort), Pervalka (Perwelk) und Preila (Preil) gehören. Die vier Orte wurden 1961 zusammengeschlossen. Neringas Dörfer sind herausgeputzte, kleine Schmuckkästchen. Anspruchsvolle, exklusive Kurorte. Nur sehr gut verdienende Litauer können sich einen Urlaub auf der Nehrung leisten. In Nida erinnern die Fischerhäuschen, die meist vermietet werden, ein bisschen an Schweden, jedoch leuchten sie oft in blau und nicht in rot. Wenn man als Urlaubsgast Glück hat, bekommt man ein Häuschen direkt am Haff. Den prächtigen Ostseestrand erreicht man in wenigen Minuten mit dem Fahrrad. Das Frühjahr lässt zur Zeit noch auf sich warten. Es scheint zwar meist die Sonne, doch es ist noch sehr kühl.

Wie Thomas Mann Nidden sah

„Wir waren von der unbeschreiblichen Eigenart und Schönheit dieser Natur, der phantastischen Welt der Wanderdünen, der von Elchen bewohnten Kiefern- und Birkenwälder zwischen Haff und Ostsee, der wilden Großartigkeit des Strandes so ergriffen, dass wir beschlossen, an so entlegener Stelle einen festen Wohnsitz zu schaffen.“ Der das sagte, war der Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann. Die Sommer von 1930 bis 1932 verbrachte er mit seiner Familie in dem Haus auf dem Schwiegermutterberg in Nidden, heute eine Gedenkstätte, und schwärmte von dem „Italienblick“ auf das Haff. Er soll jedoch zurückgezogen gelebt und viel geschrieben haben und wird sich wohl auch nur selten getroffen haben mit den vielen, vielen Malern, die in Nidden ihre künstlerische Heimat gefunden hatten. Als eine „Kulturlandschaft, die ein Beispiel der harmonischen Koexistenz von Natur und Mensch darstellt“, wurde die Kurische Nehrung Ende 2000 in die UNESCO-Liste für Weltkultur- und Naturerbe eingetragen. Eine ganz sicher berechtigte Anerkennung und zugleich eine hohe Bürde.

Brücke und Ausbau der Straße?

Man versucht eine Düne zu erhalten, die sich eigentlich ständig verändert, in früheren Zeiten gar immer wieder die Dörfer zugeschüttet hat. Durch künstliche Strandfors-ten hat man die „Hohe Düne“ befestigt, doch sie verliert nun nach und nach an Höhe und wandert in das Haff hinein. Schon desöfteren war die Rede von einer Brücke über das Haff und einem Ausbau der Straße. Sehr undurchsichtig erscheint der Bau der Fluglandebahn auf der Nehrung. Vor drei Jahren wurde bereits der Flugplatz feierlich eröffnet, obwohl nicht einmal ein Terminal errichtet war. Bis heute floss kein weiteres Geld, es steht immer noch kein Gebäude und so ist der Platz auch noch nicht in Betrieb.

Zaghafte Demo der Grünen

Bei der „Eröffnung“ gab es eine Protestdemonstration, immerhin. Das ist noch nicht üblich in der jungen Demokratie nach 50 Jahren Sowjetherrschaft. Doch demonstriert haben nur einige wenige mutige Grüne, die politisch noch keine große Rolle spielen. Dabei lehnt wahrscheinlich die Mehrheit der Neringischkiai einen Flughafen entschieden ab. Zumal die Reaktion der UNESCO wohl eindeutig ausfallen würde. Es gab einen Aufschrei hoher Persönlichkeiten. Gewicht könnten die Bilder des bekannten Malers Eduardas Jonusas haben. Er drückte seine „Horrorvision der Nehrung“ in seinem Bild „Via baltica“ aus, in dem er aus der Nehrung eine breit ausgebaute Autobahn machte mit einem Flugzeug und einer Brücke und darunter schrieb: „Kaliningrad-Leningrad“.

zurück zur Übersicht: Reportagen

  • BlinkList
  • del.icio.us
  • Folkd
  • Furl
  • Google
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • oneview
  • Yahoo MyWeb
  • YiGG
  • Webnews
Diese Seite bookmarken bei...

Kommentare

Alles über Fehmarn/Heiligenhafen

Erfahren Sie hier noch mehr über Fehmarn: Aktuelles, wie auch Vergangenes.

Bundesliga-Countdown

Lokales Fehmarn

Wer gewinnt die "Fehmarn-Rund"?

Wer gewinnt die "Fehmarn-Rund"?

FEHMARN - Von Heiko Witt - Fast 50 Boote sind am Sonnabend (19. Mai) bei der 53. Fehmarn Rund dabei. Die Regatta unterteilt sich in fünf OSC-Klassen. Erstmals gibt es auch eine eigene Klasse für Cruiser, also für Fahrtensegler, die bislang noch keine Regatta-Erfahrung haben. Die Teilnehmer kommen in erster Linie aus dem Raum Lübecker Bucht. Die Fehmarn-Rund ist Teil der Ostsee-Cup-Serie. Veranstalter ist die Burger Seglervereinigung.Mehr...

Tolles Programm beim Rapsblütenfest

PETERSDORF - joh -  Der Raps steht in voller Blüte, das Gelb der Blüten bestimmt zurzeit das Landschaftsbild. Und das bedeutet, dass das Rapsblütenfest vor der Tür steht. In Petersdorf wird von Freitag bis Sonntag zum 28. Mal gefeiert. Und auch in diesem Jahr ist das Programm mit vielen bunten Attraktionen gefüllt.Mehr...

Lokales Heiligenhafen

Förderung des Wassersports

HEILIGENHAFEN · An der ganzen Küste prägen die Segler, Surfer und Kiter das Urlaubsimage. Nun gibt das Wirtschaftsministerium Geld aus für eine Marktanalyse. So soll unter anderem geklärt werden, ob das bestehende Angebot konkurrenzfähig ist, wo in der Zukunft Handlungsbedarf herrscht oder welche Potenziale noch erschlossen werden können.Mehr...

Das Eichholz – eine vergessene Thingstätte

Das Eichholz – eine vergessene Thingstätte

HEILIGENHAFEN · Harald Loose (88), bekannt für seine Recherchen in Heiligenhafener Geschichte, hat jetzt eine kleine Chronik über die Historie des „Eichholz“ geschrieben und berichtet hier über ein Heiligenhafener Kleinod, das in der heutigen, schnelllebigen Zeit fast schon in Vergessenheit geraten ist. Altertumsforscher wollen im Eichholz eine alte wendische Burg entdeckt haben. Die Zeichnung von der Thingstätte im Eichholz zeigt, dass hier in früherer Zeit ein Versammlungsplatz war, wo die Menschen sich trafen.Mehr...

Kontakt

Redaktion Fehmarn

Gertrudenthaler Straße 3
23769 Burg auf Fehmarn
Telefon 04371 / 8675-16
Fax 04371 / 501112
redaktion@fehmarnsches-tageblatt.de

Artikel lizenziert durch © fehmarn24
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.fehmarn24.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper