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Hochwasser in den Häfen Fehmarns

In Orth und Lemkenhafen schwappte das Wasser über die Kaimauern – Burgstaaken eher ruhig

Hochwasser in den Häfen Fehmarns

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FEHMARN - joh -  Und wieder hat Mutter Natur gezeigt, wie schnell es oftmals gehen kann. Wasserstände von mehr als 1,30 Meter über Normalnull waren am Freitag (6. Januar 2012) in den Häfen der Insel zu verzeichnen. In Orth und Lemkenhafen lief das Wasser über die Kaimauern. Auch der Hafen Burgstaaken war betroffen, allerdings blieb die Lage dort deutlich entspannter als im Inselwesten.

© Fehmarn24/Witt

In den Hafen-Imbiss „Kap Orth“ in Orth lief das Wasser.

Im Großen und Ganzen lief zwar alles glimpflich ab, doch beeindruckend war dennoch, wie schnell das Wasser anstieg. Schon in den frühen Morgenstunden des 6. Januars, gegen 6.30 Uhr, war der Wasserpegel im Orther Hafen leicht erhöht. Erstaunlich schnell wurde die Lage im Orther Hafengebiet immer surrealer. Dort, wo man kürzlich noch problemlos spazieren gehen konnte, stand nur kurze Zeit später alles unter Wasser. In den Hafen-Imbiss „Kap Orth“ drang das Wasser, auch der Kinderspielplatz und mehrere Bootsstege standen unter Wasser. Der Seglerschuppen wurde nur um wenige Zentimeter vor dem Hochwasser verschont.
Der ganze Hafenbereich in Lemkenhafen, einschließlich Kurt-Kolbaum-Platz, Hafenwinkel und der angrenzenden Straße Am Hafen, stand unter Wasser. Wer mit dem Auto diesen Bereich passieren wollte, musste sich durch die Wassermassen kämpfen. Eine Dusche für die angrenzenden Grundstücke war hier vorprogrammiert. Die Straße nach Westerbergen war nicht mehr passierbar.
Im Hafen Burgstaaken war die Situation längst nicht so kritisch. Auch hier war der Wasserpegel zwar deutlich höher, doch das Wasser war noch nicht über die Hafenmauern getreten. Dennoch war der Uferbereich, auf dem die Fischer Tonnen und weitere Arbeitsmaterialien lagern, überschwemmt. Tonnen, Kisten und eine Kühltruhe dümpelten im Wasser. Zahlreiche Urlauber wollten sich von der Situation dort vor Ort ein genaueres Bild machen und hielten ihre Eindrücke oftmals mit dem Fotoapparat fest. Ein Phänomen, das auch am Südstrand zu beobachten war. Dort war der Strandabschnitt deutlich schmaler als üblich. Der Burger Binnensee war im Vergleich zu Mittwoch erheblich voller, hier waren einige Stege überspült.
Feuerwehren und Polizei mussten aufgrund des Hochwassers nicht ausrücken.

Der höchste Pegel war am Freitag  in der Mittagszeit zu verzeichnen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt stellte gegen 12.30 Uhr einen Spitzenwert von 1,34 Meter über Normalnull für den Bereich Heiligenhafen fest. Auch in Lemkenhafen und Orth wurden solche Werte erreicht.

Doch bereits am Nachmittag nahmen die Wasserpegel deutlich ab.

Doch was muss passieren, dass dieses Phänomen eintritt ? Mittwoch noch konnte auf Fehmarn Niedrigwasser beobachtet werden. Grund hierfür war das Tiefdruckgebiet „Ulli“ mit starken Winden aus südwestlichen Richtungen, die das Wasser von der Küste weg auf die freie See drückten. Dass die Ostsee durch häufige Winde aus Südwest „momentan sehr voll“ ist, erklärte Bärbel Weidig, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesamt für Seeschifffahrt. Da die Ostsee eher ein Binnenmeer ist, könne diese Wassermenge nicht schnell ablaufen. Nach dem Tiefdruckgebiet flaut der Sturm dann sehr schnell ab und der sogenannte „Rückschwappeffekt“ oder „Badewanneneffekt“ tritt ein. Das auf die See gedrückte Wasser schwappt mit viel Kraft zurück, hervorgerufen durch zumeist rasch abnehmende Winde aus westlichen Richtungen (in unserem Fall aus nordwestlicher Richtung).

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag lag der Spitzenwert des Nordwest-Windes um 4.07 Uhr bei acht Windstärken; gegen Mittag wurden auf Fehmarn nur noch höchstens sechs Windstärken erreicht. Danach nahm der Wind weiter an Stärke ab und drehte auf West und später auf Südwest.
Richtig verheerend wird ein Ostsee-Hochwasser, wenn ein Tief von Westen kommend zunächst West- oder Nordweststurm bringt. Sollte dieses Tief dann aber weiter nach Süden ziehen, dann dreht der Wind über der westlichen Ostsee rasch auf Nord bis Nordost. Durch solch eine rasante Winddrehung von West auf Nordost kommt es nicht nur zu dem „Rückschwappeffekt“, sondern der Nordostwind treibt das Wasser auch noch verstärkt von der freien See in Richtung Küste. Dadurch ereignen sich besonders hohe Wasserstände von über drei Metern über Normalnull. Ein berühmtes Beispiel ist hier die Sturmflut von 1872.
Beim letzten brenzligen Ostsee-Hochwasser auf der Insel Fehmarn Anfang November 2006 wurde hier ein Wasserstand von 1,78 Meter über Normalnull erreicht. Besonders betroffen waren damals die Ortschaften Lemkenhafen, Fehmarnsund, Wallnau und Westerbergen.

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