KIEL/FEHMARN - dpa - Nicht jeder ist begeistert, wenn in der Nähe seines Hauses Windräder gebaut werden. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister de Jager glaubt aber, mit mehr Bürgerbeteiligung alle Widerstände gegen den massiven Ausbau der Windenergie überwinden zu können. Er ruft die Schleswig-Holsteiner auf, die Energiewende mitzugestalten. „Der Preis der Wende hin zu mehr erneuerbaren Energien sind mehr Stromleitungen und Windanlagen“, sagte der CDU-Politiker im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

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Wirtschaftsminister Jost de Jager ruft die Schleswig-Holsteiner zur Energiewende auf.
„Insgesamt ist die Akzeptanz der Bürger dafür sehr hoch.“
Trotz des Widerstandes in einigen Gemeinden gebe es sogar häufiger Ärger mit Kommunen, die mehr Flächen für Windanlagen gemeldet hätten, als genehmigt werden könnten. „In Nordfriesland wurden achtmal mehr Flächen beantragt, als am Ende ausgewiesen werden können.“ Auch in Ostholstein und auf Fehmarn ist der Flächenbedarf deutlich höher als im Regionalplan vorgesehen. Deshalb drängt Landrat Sager auf weitere Ausweisungen.
Wo Gemeinden etwa per Bürgerentscheid Nein zu neuen Windparks sagten, sei das absolut in Ordnung, sagte de Jager. „Es geht nicht darum, etwas aufzuoktroyieren.“
Weitgehend reibungslos läuft der Ausbau der Windenergie dort, wo die Bürger selbst beteiligt sind. „90 Prozent der Windparks in Nordfriesland sind Bürgerwindparks“, sagte de Jager. Er unterstützt auch die Idee, Bürger-Stromnetze zu schaffen. Solche Bestrebungen gibt es in Dithmarschen.
„Das ist auch eine Form der Bürgerbeteiligung, die ich für richtig und wichtig halte“, sagte de Jager.
Der Ausbaubedarf bei Strom aus Windkraft ist enorm: 9000 Megawatt an Land - bisher sind 4000 MW installiert - und 3000 Megawatt auf dem Meer sollen in den nächsten Jahren in Schleswig-Holstein hinzukommen. 500 Kilometer hochleistungsfähige 380-kV-Leitungen werden benötigt und knapp 200 Kilometer 110-kV-Leitungen.
„Ohne mehr Windstrom aus Schleswig-Holstein wird die Energiewende nicht funktionieren“, sagte de Jager. Immerhin soll erneuerbare Energie aus dem Norden bis 2020 acht bis zehn Prozent des gesamtdeutschen Strombedarfs decken und bis 2050 den kompletten Stromverbrauch im nördlichsten Bundesland.
Widerstand gegen unverzichtbare Vorhaben will der Minister mit „vorauslaufender Bürgerbeteiligung“ begegnen. Gemeint sind frühzeitige Regionalkonferenzen und in späteren Stadien Dialogforen mit den Bürgern wie bei der Fehmarnbeltquerung. Eines sei aber klar, betonte de Jager: „Große Infrastruktur-Anlagen wird es künftig nicht nur an einzelnen größeren Standort geben, sondern auch dezentral.“
Als Problem sieht auch der Minister die Ausgleichsflächen, die beim Bau neuer Windparks, Stromleitungen oder Straßen geschaffen werden müssen. Mit wachsender Größe eines Windparks nimmt übrigens der Umfang der geforderten Ausgleichsflächen überproportional zu. Folglich verschärft sich die Flächenkonkurrenz zur Landwirtschaft.
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