FEHMARN - Von Heiko Witt - Um die Sundwiesen in Fehmarnsund wird hinter den Kulissen heftiger gekämpft, als es im Bauausschuss den Anschein machte. Ferienhäuser gegen „Kriechender Scheiberich“ lautet die Auseinandersetzung. Der Eigentümer Martin Specht möchte gern ein ökologisches Feriendorf bauen, die Stadt Fehmarn stellt sich hier ganz klar auf die Seite des Naturschutzes. Es handelt sich um ein FFH-Gebiet. Das FT konnte Einblick nehmen in die gesamte „Beschlusshistorie“. Die Unterlagen liegen der Redaktion vor.

© F24
Die Sundwiesen in Fehmarnsund (links) sind begehrt.
Der Eigentümer, der am 9. Februar mehrere Inselpolitiker anschrieb, pocht darauf, dass es seit 1992 den rechtsgültigen Bebauungsplan Nr. 10 gibt, der die Anlage eines Ferienhausgebietes auf den Sundwiesen vorsieht.
Dieser B-Plan sei zuletzt angewendet worden bei dem aktuellen Hotelbauprojekt „Haus Vogelflug“ (Anm. d. Red.: Das jedoch nicht im FFH-Gebiet liegt). Specht sei bereit, die Anzahl der Ferienhäuser zu reduzieren. Die Fläche umfasse 5,2 Hektar, 1,5 Hektar seien Bauland.
Und dann erklärt der Eigentümer, dass der „Kriechende Scheiberich“, den das Land unbedingt schützen will, gar nicht auf seinen Flächen sondern auf einer Nachbarwiese wachse. Er sei bereit, die 3,7 Hektar zu renaturieren und nur das lasse eine Ausbreitung der seltenen Pflanze zu.
Nicht verstehen könne Martin Specht, warum die Stadtvertretung vor kurzer Zeit in der Splittersiedlung Katharinenhof einen B-Plan für massive Ferienwohnungen durchgeboxt habe und nun einen B-Plan, der nur eine dezente, niedrige Bebauung zulasse, aufheben wolle: „Warum bekommen auswärtige Investoren häufig grünes Licht und wir Fehmaraner machen uns das Leben schwer ?“
Dabei sei ihm von Bauamtsleiter Naß die Unterstützung für eine „moderate Lösung“ in Aussicht gestellt worden. Der Bauausschuss räumte als Reaktion auf das Schreiben dem Eigentümer die Möglichkeit ein, bis zum nächsten Bauausschuss die Naturschutzbehörden zu überzeugen.
Die Stadt Fehmarn indes hat an einer Ferienhausbebauung auf den Sundwiesen kein Interesse. Das hat sie offenbar auch dem Grundstückseigentümer klar und deutlich mitgeteilt.
Naß bittet Schmiedt um Richtigstellung gegenüber den Stadtvertretern. Die zumindest bisher öffentlich nicht erfolgte.
Er vertrete nicht etwa seine eigene Meinung in dieser Frage, sondern eine fachliche, die noch dazu auf Beschlüssen der Inselpolitik basierten.
Für das Bauamt ist entscheidend, dass die ehemalige Gemeinde Landkirchen den Grundsatzbeschluss gefasst habe, keine weiteren Ferienhausgebiete im Küstenraum zu erschließen und dieser Beschluss von der Stadt Fehmarn übernommen worden sei.
Bereits im Bauausschuss vom 14. Juni 2007 ist die Aufhebung des B-Plans 10 einstimmig beschlossen worden. In jüngster Sitzung sollte nochmals eine Teilaufhebung beschlossen werden. Warum, ist unklar. Und schon im Bauausschuss vom 20. September 2005 hatte Bauamtsleiter Naß erklärt, die Ferienhausgebiete in küstennahem Raum brächten nicht mehr Gäste, sondern es entstehe eine Konkurrenz zu den Ferienwohnungen im ländlichen Raum.
Damals war die Rede von einem Investor, der eine Ferienhausanlage mit 100 Wohneinheiten errichten wolle.
Thematisiert wurde in gleicher Sitzung auch, ob man die Sundwiesen als Ausgleichsflächen nutzen könne.
Wie bereits berichtet, hält das Bauamt eine Bebauung für ausgeschlossen, weil die Sundwiesen im Landschaftsplan als Vorrangfläche für den Naturschutz ausgewiesen seien. „Es drängt sich der Gedanke auf, dass meine Fläche als ökologisches und planerisches Bauernopfer für andere Projekte herhalten muss“, so Martin Specht in dem Schreiben an die Politik, das der Redaktion vorliegt.
Er selbst brachte in diesem Schreiben die Vertagung der Abstimmung auf die nächste Sitzung ins Spiel, so dass ein „Schnellschuss“ erspart bleibe und alle Fakten auf den Tisch kämen.
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