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Der Geist von Jimi Hendrix lebt am Flügger Strand, 1. Teil

Die letzten Konzertfotos

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FEHMARN - Von Heiko Witt - „Wir sind damals hergekommen, um Hendrix zu sehen.“ Sicher, das Musikprogramm an den drei Septembertagen 1970 am Flügger Strand hatte noch viel, viel mehr zu bieten. Doch Jimi Hendrix war die Ikone. Die eigentliche Motivation für Wolfgang Gau, sich mit seinen drei Freunden in Salzgitter in den Opel Kapitän zu setzen, um nach Fehmarn zu fahren zum „Love and peace Festival“.

© wi/f24

Wolfgang Gau stellt am Wochenende die Fotos aus, die er vor 40 Jahren beim letzten Konzert von Jimi Hendrix, das am Flügger Strand stattfand, machte.

„Du musst Dir vorstellen, die Gesellschaft war damals noch reglementiert von vorne bis hinten. Die Musik von Jimi Hendrix war da bahnbrechend“, erzählt Wolfgang Gau heute, 40 Jahre später.

Er ist wieder nach Fehmarn gekommen, diesmal um das Fehmarn Open Air und die Festival Group zu unterstützen. Gemeinsam mit seiner Frau Sylke, Tierärztin, und einigen jungen Studenten aus dem Vorharz ist der heute 61-jährige Galerist angereist und packt kräftig mit an beim Aufbau des Festivalgeländes. „Einmal im Jahr mit geilen Leuten zusammen sein.“ Am Wochenende ist Jubiläums-Open-Air. Erstmals an zwei Tagen.

Damals, 1970, hatte Wolfgang Gau eine Pentax-Fotokamera mit Zoom dabei. Er hatte sich vorgenommen, viel zu fotografieren. Er kaufte fünf Ilford-Filme, bei denen das Haltbarkeitsdatum überschritten war, weil er sich mehr nicht leisten konnte als junger Mann. Wie als Beweis zeigt er seine Fotos von damals, um zu untermauern, dass das Festival keinesfalls so chaotisch verlaufen sei, wie es in manchen Medien dargestellt worden sei: „Ich muss der negativen Berichterstattung einfach widersprechen.“

Gegen den Orkan und den Regen konnte doch niemand etwas machen, sagt Wolfgang Gau. „Doch die Leute haben sich darauf eingestellt und haben in den Zelten ausgeharrt.“

Natürlich habe es zunächst auch einige Buhrufe gegeben, als Jimi Hendrix am Sonntagmittag endlich die Bühne betreten hatte. Denn es hatte sich herumgesprochen, dass er bereits am Samstag angereist war. Spielen wollte er bei dem Wetter nicht mehr. Hendrix verbrachte die Nacht trocken im Hotel Dania in Puttgarden.

Kaum allerdings ließ Hendrix seine Gitarre schwingen, waren die Fans begeistert, erinnert sich Wolfgang Gau, der mit seiner Kamera 30 Meter von der Bühne entfernt stand. Höhepunkt war für ihn die zehnminütige Version von „Red House“. Hendrix spielte seine großen Songs von „Purple Haze“ bis „Freedom“.

Was mag in dem 27-jährigen genialen Ausnahmekünstler vorgegangen sein in diesen Tagen ? Sein Konzert erntete keine überragenden Kritiken und er soll ausgebrannt gewesen sein von den vielen Auftritten der letzten Jahre, die ihn an äußerste Grenzen geführt haben müssen.

Diese Frage ist es, die Wolfgang Gau beschäftigt. Mehr als die, warum das Love and peace Festival dann doch noch in Flammen aufging. Als am Flügger Strand das Veranstaltungszentrum brannte, saßen die vier Freunde aus Salzgitter längst in ihrem Kapitän und befanden sich „mit einem Hochgefühl“ auf der Rückreise. Wie die meisten der 25 000 Festivalbesucher übrigens.

„Ich setze Jimi Hendrix gleich mit Beethoven, Bach und Mozart“, meint Wolfgang Gau. Sein Name werde nie verblassen. In der gesamten Rockszene sei niemand so experimentierfreudig gewesen wie Hendrix, der „Ikarus des Blues“, wie ihn der Konzertveranstalter Fritz Rau einmal genannt habe.

Ja, ausgebrannt sei Jimi Hendrix gewesen, darauf deute einiges hin. Er habe Musik studieren wollen, weiß man heute. „Er wollte einfach seine Ruhe“, glaubt Wolfgang Gau. Er starb zwölf Tage später in einem Hotel in London. Er hatte offenbar Schlaftabletten genommen und viel Alkohol getrunken und ist im Schlaf an seinem Erbrochenen erstickt.

Wolfgang Gau kann das bestätigen, denn er ist im Besitz einer beglaubigten Kopie der Todesurkunde von Jimi Hendrix, die das St. Mary Abbots Hospital in Kensington am 18. September 1970 ausgestellt hat. Ach ja, einige Minuten waren sie doch noch geblieben, die vier Freunde aus Salzgitter nach dem letzten Auftritt von Jimi Hendrix.

Als plötzlich einige Leute im Blumenkinder-Stil eine riesige Show vor der Bühne abzogen. „Doch das war alles nur ein Fake von Journalisten der Regenbogenpresse, die barbusigen Mädchen waren gekauft“, ist sich Wolfgang Gau sicher.

Seine Bilder, darauf legt er wert, sind authentisch. Dass es die letzten sein würden, die Jimi Hendrix auf einem Konzert zeigen, konnte er damals noch nicht ahnen. Er zeigt sie im Rahmen des Fehmarn Open Airs von Freitag bis Sonntag auf dem Festivalgelände. Fortsetzung folgt.

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