Superbanner

Des einen Leid ist des anderen Freud‘

Schülerwanderung in Oldenburg: Zehntklässler wechseln vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium ans Berufliche Gymnasium

Des einen Leid ist des anderen Freud‘

    • recommendbutton_count100
    • 4
    • 0

OLDENBURG · Wenn die Abiturienten des Jahrgangs 2011/12 am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Oldenburg am 1. Juni ihr Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife ausgehändigt bekommen, dann wird die Zahl der Absolventen überschaubar sein, denn nur 31 Schüler starten am 27. Februar in die schriftliche Abiturprüfung. Hat etwa schon der demografische Wandel zugeschlagen? Nicht unbedingt, denn beim Übergang in die Oberstufe hatten vor zweieinhalb Jahren 18 Stein-Schüler die Möglichkeit genutzt, an das in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Berufliche Gymnasium (BG) zu wechseln, um dort ihr Abi zu bauen.

© Andreas Höppner

Rektor Bernhard Koslowski hat am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium seit geraumer Zeit damit zu kämpfen, dass jährlich zwischen zehn und 20 Schüler nach der 10. Klasse ans Berufliche Gymnasium wechseln.

Studiendirektor Klaus Osterkamp, an der Beruflichen Schule in Oldenburg mit schulartübergreifenden Aufgaben und der Anmeldung betraut, sieht die Attraktivität des BG in der Vielfalt der Wahlmöglichkeiten begründet. So werden mit den Fachrichtungen Ernährung, Gesundheit und Soziales, Technik sowie Wirtschaft vier Zweige angeboten, die zum Abitur und damit zur allgemeinen Hochschulreife führen.

© Andreas HöppnerStudienrat Klaus Osterkamp sieht das Berufliche Gymnasium in erster Linie als Partner der Regional- und Gemeinschaftsschulen, er freut sich aber auch über die Bewerber aus den allgemein bildenden Gymnasien.

In jedem Jahr, so Osterkamp, habe man bis zu 130 Anmeldungen. Überwiegend handelt es sich dabei um Bewerber, die einen Realschulabschluss vorlegen können, denn „wir verstehen uns als Partner der Regional- und Gemeinschaftsschulen“, so Osterkamp zur Hauptklientel, auf die das BG ausgerichtet ist. Darüber hinaus können auch Schüler von allgemein bildenden Gymnasien aufgenommen werden. Laut Osterkamp habe die Aufnahmequote aus Gymnasien in den letzten vier Jahren bei höchstens 25 Prozent (2009/10) gelegen.

Und der überwiegende Teil stammt hierbei vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. 2010/11 waren es 15 von 27, 2011/12 kamen 17 von 22 Gymnasiasten von der Stein-Schule. Weitere Standorte abgebender Gymnasien sind Neustadt, Fehmarn, Schwartau, Lütjenburg und Kiel, die jedoch kaum ins Gewicht fallen. Noch bis zum 1. März läuft die Anmeldung am BG für das kommende Schuljahr.

Nur zwei Profile im 11. und 13. Jahrgang

„Wir müssen erreichen, dass die Anzahl der wechselwilligen Schüler zurückgeht“, sieht Bernhard Koslowski, Rektor des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, Handlungsbedarf. Das Problem sei nicht nur, „dass uns Schüler verlassen, sondern wir deshalb in der Oberstufe mitunter nur zwei Profile anbieten können“, so Koslowski. Das ist zurzeit in der 13. Jahrgangsstufe (naturwissenschaftlich, gesellschaftswissenschaftlich) und auch im elften Jahrgang (naturwissenschaftlich, sprachlich) mit 34 Schülern der Fall, lediglich die zwölfte Jahrgangsstufe (56 Schüler) verfügt über drei Profile.

Laut Koslowski kommt es sogar vor, dass Schüler, die sich am BG beworben haben, dort auf der Warteliste stehen, bei freien Kapazitäten nachrücken und noch nach Beginn des Schuljahres zum BG wechseln. Auch aufgrund der eigenen Planungssicherheit benötige man dringend eine offizielle Regelung, so Koslowskis Forderung.

Geänderte Aufnahmevoraussetzung

Etwas in dieser Hinsicht hat sich bereits getan, denn für das neue Schuljahr ist die Landesverordnung über das Berufliche Gymnasium dahingehend redaktionell geändert worden, dass es unter dem § 2 „Aufnahmevoraussetzung“ heißt, der Bewerber habe einen „durch Prüfung erworbenen Realschulabschluss“ vorzulegen. Die vorhergehende Regelung hatte nur von „einem Realschulabschluss oder einem gleichwertigen Abschluss“ gesprochen. An einem Gymnasium wird aber keine Prüfung, die zum mittleren Bildungsabschluss führt, abgenommen. Somit ist diese Aufnahmevoraussetzung nicht erfüllt.

Bislang war es hingegen möglich gewesen, sich mit dem Zeugnis der 10. Klasse zu bewerben. Der Notendurchschnitt wurde um 1,0 Punkte gesenkt – und schon hatte der Zehntklässler seinen „gleichwertigen Realschulabschluss“ mit einer vergleichsweise guten Note in der Tasche, und der Aufnahme am BG stand kaum noch etwas im Wege. Bewerber von allgemein bildenden Gymnasien können aber weiterhin aufgenommen werden, Voraussetzung ist die Versetzung in die gymnasiale Oberstufe.

Die Konsequenz daraus sei, so Klaus Osterkamp, dass allen Kandidaten von allgemein bildenden Gymnasien erst einmal eine Absage erteilt werden müsse, da sie derzeit die Aufnahmekriterien nach der geänderten Landesverordnung nicht erfüllten. Sie würden deshalb auf eine Warteliste gesetzt. Er gehe aber davon aus, auch diesen Bewerbern, für die im Juni 2012 die Versetzung in die gymnasiale Oberstufe ansteht, einen Platz anbieten zu können. In den letzten Jahren seien alle Schüler auf der Warteliste am BG aufgenommen worden.

Die von vielen wechselwilligen Schülern vorgebrachte Einschätzung, am BG sei es leichter, zur allgemeinen Hochschulreife zu gelangen, teilt Bernhard Koslowski nicht. Er gibt aber zu bedenken, dass es sich nicht um das gleiche Abitur handelt. Der Schwierigkeitsgrad der in den Kernfächern zentral gestellten Prüfungsaufgaben sei zwar vergleichbar, aber eben nicht identisch.

Koslowski, der die Fachkommission Mathematik für das Zentralabitur an allgemein bildenden Gymnasien in Schleswig-Holstein leitet, will in dieser Hinsicht mit seinen Kollegen aus fünf weiteren Bundesländern bei den zuständigen Landesministerien den Vorstoß unternehmen, die Vergleichbarkeit der Prüfung in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch zu stärken. So könne er sich vorstellen, in diesen Kernfächern für das BG und allgemein bildenden Gymnasien wenigstens einen gemeinsamen Prüfungskern zu entwickeln.

Grundsätzlich sieht Bernhard Koslowski sich und das Kollegium aber in der Verantwortung, die Schüler vom Vorteil einer im Vergleich zum BG breiter angelegten Ausbildung am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium zu überzeugen. Heutzutage gehe es nicht mehr nur um den Numerus Clausus. Für viele Studiengänge seien Aufnahmeprüfungen verbindlich, die reine Abi-Note besitze dann keine große Aussagekraft mehr.

Gleichwohl könnte er Schülern, die über konkrete Vorstellungen über die eigenen beruflichen Ziele verfügten, den Wechsel zum BG auch empfehlen, wenn dort bestimmte, für den späteren Werdegang wichtige Lerninhalte vermittelt würden.

Individuelle Fähigkeiten besser berücksichtigt

Und den Vorteil, am BG das Abi abzulegen, sieht Klaus Osterkamp darin, dass das dortige Angebot an Fachrichtungen häufig die individuellen Wünsche und Fähigkeiten der Schüler besser befriedige als an allgemein bildenden Gymnasien. Grundsätzlich müsse man aber festhalten, dass die Schüler, die vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium an das BG wechselten, „über eine super Grundausbildung verfügen“, lobte Osterkamp die fachliche Qualität der Lehrkräfte an der Stein-Schule, für die es nach HP-Informationen besonders schmerzlich ist, wenn sogar „Einser-Schüler“ zum BG wechselten.

Unabhängig von dieser Wechselproblematik streben das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und das BG eine verstärkte Zusammenarbeit an. Ziel ist es demnach, nach Möglichkeiten zu suchen, sich bei personellen Engpässen zu unterstützen. Er und die Schulleiterin der Beruflichen Schule in Oldenburg, Dr. Annemarie Goos, würden sich ständig austauschen, so Bernhard Koslowski gegenüber der HP. Aktuell gebe es am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium vor allem im Fach Physik einen Engpass, auf der anderen Seite würde man laut Auskunft von Klaus Osterkamp am BG gerne das Angebot durch Musikunterricht erweitern. Derzeit stehe man in engem Kontakt, um eine mögliche Lösung herbeizuführen, so Bernhard Koslowski, der nun erst einmal abwarten muss, mit wie vielen seiner derzeit 79 Zehntklässler er in die gymnasiale Oberstufe gehen kann.

Im kommenden Jahr werden er und sein Kollegium sich dann mit einer neuen Problematik auseinandersetzen dürfen, wenn 2013 der letzte G 9-Jahrgang und der erste G 8-Jahrgang gemeinsam in die Oberstufe wechseln. Ideal wäre es, so Koslowski, wenn für jeden Jahrgang drei Profile angeboten werden könnten. Bei einer zu geringen Anzahl von Interessenten für ein bestimmtes Profil, käme man aber auch um eine Zusammenlegung der Jahrgänge nicht herum. Doch das ist noch Zukunftsmusik, im Mai wolle man sich am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium innerhalb des Kollegiums mit dieser Thematik beschäftigen. · hö

zurück zur Übersicht: Heiligenhafen

  • BlinkList
  • del.icio.us
  • Folkd
  • Furl
  • Google
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • oneview
  • Yahoo MyWeb
  • YiGG
  • Webnews
Diese Seite bookmarken bei...

Kommentare

54.3,10.8833333

Karte wird geladen... Karte wird geladen - Downloadanzeige

Facebook 'Like Box' wird geladen... Inhalt wird geladen - Downloadanzeige

http://www.facebook.com/fehmarn24280falsefalsefalse

Bundesliga-Countdown

Lokalsport Heiligenhafen

Strand 08 II war eigentlich Strand 08 III

Strand 08 II war eigentlich Strand 08 III

OLDENBURG · Wenn der Abstieg schon vor dem Saisonende besiegelt ist, dann fällt es einigen Teams schwer, noch einmal eine halbwegs schlagkräftige Truppe aufs Spielfeld zu schicken. Manche treten gar nicht mehr an, wie gestern der Türkische SV beim TSV Trittau. Andere sind froh, gerade noch einmal elf Leute aufbieten zu können, wie der NTSV Strand 08 II am Sonnabend beim Oldenburger SV. Am Ende gewann die Brunner-Elf in einer Partie ohne jeglichen Unterhaltungswert mit 6:0 (3:0), sodass der als Saisonziel ausgegebene Platz vier in der Verbandsliga Südost durchaus realisierbar scheint, zumal die letzte Partie beim Türkischen SV stattfindet – wenn dieser antritt.Mehr...

Seuchenjahr endet mit Klassenerhalt

Seuchenjahr endet mit Klassenerhalt

SCHÖNWALDE · Der SV Großenbrode kann die Planungen für die kommende Spielzeit vorantreiben, denn seit dem gestrigen Abend steht fest, dass die Grün-Weißen trotz der 1:5 (0:2)-Niederlage beim TSV Schönwalde den Klassenerhalt geschaftt haben. Die zweite Mannschaft, die den FC Riepsdorf in die B-Klasse begleiten muss, ist der SV Schashagen-Pelzerhaken, da die Schashagener beim TSV Heiligenhafen mit 2:7 unterlagen und den vorletzten Platz der A-Klasse nicht mehr verlassen können.Mehr...

TSV nicht fit genug für die Kreisliga?

TSV nicht fit genug für die Kreisliga?

GREMERSDORF · Der TSV Gremersdorf hätte mit einem Sieg über den RSV Landkirchen im Kreisliga-Abstiegskampf das Heft des Handelns wieder in die Hand nehmen können. Doch daraus wurde nichts. Beim 0:2 (0:1) fehlte einfach die Klasse, um einem Gegner, der wahrlich nicht alles geben musste, in Verlegenheit zu bringen. So ist der TSV am kommenden Wochenende auf die Hilfe des MTV Ahrensbök angewiesen, der den FC Scharbeutz bezwingen muss, wobei man selbst beim SV Hansühn zu einem Dreier kommen muss.Mehr...

Alles über Fehmarn/Heiligenhafen

Erfahren Sie hier noch mehr über Fehmarn: Aktuelles, wie auch Vergangenes.

Meist gelesene Artikel

  • Heute
  • 7 Tage
  • 30 Tage
  • Themen

Wachwechsel bei der Bürgergilde

HEILIGENHAFEN · Als Gildebruder Uwe Ottens mit zwei Glockenschlägen und dem Öffnen der Gildelade den diesjährigen Jahrestag der Großen Bürgergilde einleitete, wussten alle Gildebrüder im Saal des Gill-Hus, dass es eine spannende Sitzung geben würde, denn Ältermann Hans-Dieter Eybächer hatte schon im Januar beim Rechnungstag angekündigt, dass er aus gesundheitlichen Gründen als erster Ältermann nicht mehr kandidieren werde. Mit einer überwältigenden Mehrheit von 115 Stimmen wählten die Gildebrüder den amtierenden König Horst Sachau zum neuen ersten Ältermann.Mehr...

Wachwechsel bei der Bürgergilde

HEILIGENHAFEN · Als Gildebruder Uwe Ottens mit zwei Glockenschlägen und dem Öffnen der Gildelade den diesjährigen Jahrestag der Großen Bürgergilde einleitete, wussten alle Gildebrüder im Saal des Gill-Hus, dass es eine spannende Sitzung geben würde, denn Ältermann Hans-Dieter Eybächer hatte schon im Januar beim Rechnungstag angekündigt, dass er aus gesundheitlichen Gründen als erster Ältermann nicht mehr kandidieren werde. Mit einer überwältigenden Mehrheit von 115 Stimmen wählten die Gildebrüder den amtierenden König Horst Sachau zum neuen ersten Ältermann.Mehr...

Wachwechsel bei der Bürgergilde

HEILIGENHAFEN · Als Gildebruder Uwe Ottens mit zwei Glockenschlägen und dem Öffnen der Gildelade den diesjährigen Jahrestag der Großen Bürgergilde einleitete, wussten alle Gildebrüder im Saal des Gill-Hus, dass es eine spannende Sitzung geben würde, denn Ältermann Hans-Dieter Eybächer hatte schon im Januar beim Rechnungstag angekündigt, dass er aus gesundheitlichen Gründen als erster Ältermann nicht mehr kandidieren werde. Mit einer überwältigenden Mehrheit von 115 Stimmen wählten die Gildebrüder den amtierenden König Horst Sachau zum neuen ersten Ältermann.Mehr...

Meist kommentierte Artikel

  • 7 Tage
  • Themen

Marcel Quattek neuer Bauamtsleiter

HEILIGENHAFEN · Bürgermeister Heiko Müller hat auf der Sitzung des Umwelt-, Bau- und Kleingartenausschusses am Donnerstag Marcel Quattek als neuen Leiter des städtischen Bauamtes vorgestellt.Mehr...

Serien

Serien der Heimatzeitungen
Von historisch bis topaktuell

Kontakt

Redaktion Heiligenhafen

Bergstraße 35
23774 Heiligenhafen
Telefon 04362 / 9020-23
Fax 04362 / 9020-33
redaktion@heiligenhafener-post.de

Artikel lizenziert durch © fehmarn24
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.fehmarn24.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper