HEILIGENHAFEN · Der demografische Wandel zeige in Deutschland schon seine ersten Auswirkungen mit einer steil nach oben gehenden Alterspyramide, berichtet Christoph Andreas Leicht; hinzu kämen Geburtenrückgänge. Schon heute klage die Wirtschaft über zuwenig qualifizierte Arbeitnehmer. Das Szenario des Arbeitskräftemangels werde in den nächsten Jahren noch mehr an Bedeutung bekommen, sagte der Präsident der IHK-Lübeck auf dem „keinen Wirtschaftsgipfel“ voraus, zu dem der SPD-Ortsverband und die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) Ostholstein des SPD-Kreisverbandes am Dienstag in das Restaurant am Yachthafen eingeladen hatten.

© Peter Foth
Über gleichen Lohn für gleiche Arbeit und die demografischen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt diskutierten am Montag Andreas Sankewitz vom Deutschen Gewerkschaftsbund, der SPD-Ortsvorsitzende Dr. Theodor Siebel, IHK-Präsident Christoph Andreas Leicht, die AfA-Vorsitzende Inke-Marie Jaschinski und der SPD-Landtagskandidat Lars Winter (v.l.n.r.).
„Wer heute einen sicheren Arbeitsplatz haben will, braucht eine gute Ausbildung. Hier müsse die Politik die Rahmenbedingungen schaffen und schon im Kindergarten und in den Schulen ansetzen“, forderte Leicht. Jeder fünfte Geringqualifizierte in Deutschland sei arbeitslos. 45 000 Arbeitssuchende hätten eine schlechte Ausbildung, so der IHK-Präses. Trotz der Finanzkrise sei die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in den letzten drei Jahren angestiegen. Zuwächse gebe es im Gesundheitswesen und in der Tourismuswirtschaft, sagte Christoph Andreas Leicht. In den kommenden Jahren würden noch mehr gut ausgebildete Arbeitnehmer gebraucht werden. Deshalb sei es wichtig, die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss, Ausbildungs- und Studienabbrecher zu reduzieren. Menschen über 55 Jahre müssten durch gezielte Weiterbildung weiter in den Arbeitsprozess eingebunden und langzeitlich beschäftigt werden.
Schon heute sei abzusehen, dass die Arbeitskräfte in den nächsten Jahren knapp werden. Wer gut ausgebildet und mobil sei, nutze seine Chance in den Großstädten. Die Löhne in Ostholstein seinen niedriger als in Lübeck und Hamburg. Das merke man besonders in der Gastronomie und den Pflegeberufen, sagte der IHK-Präses.
Mit Blick auf die Privatisierung im Gesundheitswesen stellte die AfA-Vorsitzende Inke-Marie Jaschinski die Frage in den Raum: „Wo gibt es hier noch eine gerechte Bezahlung?“ Die Privatisierung von Krankenhäuser, Uni-Kliniken und Altenheimen sorge für Druck auf die Arbeitnehmer durch schlechtere Bezahlung. Auch seien Leiharbeiter und Geringverdiener gefragt. Inke-Marie Jaschinski forderte auch hier eine gerechtere Bezahlung, damit die Menschen wieder Freude an ihrer Arbeit haben.
Für Gerhard Poppendiecker gehören Unternehmen wie die Deutsche Post zu den Lohndrückern. Hier würden – ebenso wie im Gesundheitswesen – Menschen zu Niedriglöhnen eingestellt. Auch die Gewerkschaften seien machtlos bei Argumenten wie „wenn ihr nicht zustimmt, werden 30 000 Briefträger durch Leiharbeiter ersetzt“, ärgerte sich Poppendiecker. Er zeigte sich nicht als Gegner der Leiharbeit, wenn es denn gleichen Lohn für gleiche Arbeit gebe. Auf die Forderung aus dem Saal, doch jedem Schulabgänger einen Ausbildungsplatz zu garantieren, erinnerte IHK-Präses Christoph Andreas Leicht an den „Pakt für Ausbildung der Wirtschaft“. Hier hätten insbesondere die mittelständischen Betriebe Zeichen gesetzt. Dr. Siebel machte noch einmal deutlich, dass die Politik die Rahmenbedingungen schaffe. So brauche Deutschland gute Schulen und Kindergärten, in denen sich professionelle Erzieher um den Nachwuchs kümmern. Demokratie lebe davon, wertschöpfend miteinander umzugehen, mahnte der Sozialdemokrat. · ft
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