HEILIGENHAFEN · Wo sonst 31 Grad warmes Meerwasser wogt, erklangen am Dienstag Stücke von Beethoven, Schumann, Chopin. Die Veranstaltung „Klassik im Pool“ hielt für das Publikum ein Konzert in unkonventioneller Umgebung bereit – denn als Schauplatz diente das wegen Revision trockengelegte Schwimmbecken des Aktiv-Hus Spa.

© Wolfgang Behrends
Arimi Wolfgang Tsuchiya überzeugte mit seinem anspruchsvollen Spiel das im trockengelegten Schwimmbecken des Aktiv-Hus Spa sitzende Publikum.
Das Klassik-Inventar der Warderstadt soll kräftig aufgestockt werden, verriet kurz vor Konzertbeginn Oliver Behnke vom Tourismus-Service Heiligenhafen, der an diesem Abend als Moderator fungierte: Geplant für die kommende Saison sind unter anderem eine Klassikserie auf dem Schwimmponton am Binnensee, die Fortsetzung der Reihe „Klassik im Sand“ im Aktiv-Hus sowie eventuell ein Auftritt mit Tenören auf der neuen Erlebnis-Seebrücke. Kurzum: Die Warderstadt zeigt Ambitionen, zu einer echten Hochburg der klassischen Klänge zu werden.
So entfalteten sich die zwischen unruhigen, schweren Klängen und fili-granen Melodien oszillierenden Sätze der Sonate ebenso im 150 m³ fassenden Spa-Becken wie die folgenden Stücke Robert Schumanns. Arimi Wolfgang Tsuchiya deckte mit seiner Auswahl bewusst sowohl die leichten, unbeschwerten Phasen – besonders präsent beim populären Motiv des „Fröhlichen Landmanns“ – als auch die düsteren, depressiven Facetten aus dem Leben des Komponisten ab und schickte das Publikum auf eine emotionale Berg- und Talfahrt.
So war es auch kein Zufall, dass neben dem Klavier eine Replik des Holzschnitts „Die große Welle vor Kanagawa“ hing; das berühmte Bild spiegelte zum einen die japanischen Wurzeln Tsuchiyas wider und trug zum anderen den bisweilen stürmisch aufbrausenden Musiklandschaften Rechnung. Diese Wassermetaphorik trat besonders wirkungsvoll bei den Schubert-Stücken hervor, die oftmals von harmonischen Passagen unvermittelt in bedrohliche, in sich zusammenstürzende Klanggebilde übergingen. Ähnlich anspruchsvoll geriet auch das anschließende Chopin-Scherzo, dessen Kaskadenstruktur dem Publikum noch einmal alles abverlangte, bevor Tsuchiya mit seiner Zugabe – einem deutlich leichteren Chopin-Walzer – das Klassikkonzert ausklingen ließ und das Publikum lange applaudierte.
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