Man nehme die Kulissen des 2. Aktes, schiebe sie unter die Kulissen des 1. Aktes und verfahre ebenso beim 3. Akt - so könnte die Gebrauchsanleitung für die auch optisch in die Jahre gekommene Inszenierung der Oper „Tristan und Isolde“ bei den Bayreuther Festspielen lauten. Regisseur Christoph Marthaler setzt auf Minimalismus und stellt lediglich die Wände für die drei Räume der Handlung übereinander - mehr nicht. Dass die Aufführung am Donnerstag vom Publikum dennoch umjubelt wurde, lag gewiss nicht an dieser Schlichtheit. Die Sänger, allen voran Iréne Theorin als stimmgewaltige Isolde, waren der Garant des erfolgreichen Abends.
Auch die Ausstattung ist karg: Stühle, Plüschsessel, im 3. Aufzug Tristans und Isoldes Sterbebett, gelegentlich flackern Neonröhren auf. Anzug, Kostüm, Uniform und ein viel zu enger Trenchcoat für Tristan - da ist der Schottenrock des Kurwenal noch das originellste Kleidungsstück in der Inszenierung des berühmten Liebesdramas von Richard Wagner. Doch Tristan darf Isolde nicht lieben, sie ist schon König Marke versprochen. Am Ende stirbt das Paar.
In den weiteren Rollen überzeugten Michelle Breedt als Isoldes Vertraute Brangäne, Kwangchul Youn als König Marke und Jukka Rasilainen als Tristans Gefährte Kurwenal. Auch das macht Bayreuth aus: Dass die Partien neben den Hauptrollen so konstant gut besetzt sind.
Routinier Peter Schneider am Pult führte Solisten und Orchester sicher durch die opulent ausgestattete Partitur des beinahe viereinhalbstündigen Werkes. Allerdings hätte er das Orchester vor allem im 3. Akt mitunter dämpfen müssen, um Tristan auf der Bühne nicht zuzudecken. Erwähnung verdienen die brillant gespielten Soli auf dem Englischhorn. Am Ende gab es stürmische Ovationen für Sänger und Dirigent - am lautesten trampelten die Zuhörer verdientermaßen immer dann mit den Füßen, wenn Iréne Theorin vor den Vorhang trat.
Die wenig geglückte Marthaler-Inszenierung ist am Donnerstag in ihre letzte Runde gestartet. Sie wird nach fünf weiteren Aufführungen bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen - letztmals am 26. August - aus dem Spielplan genommen. Das Festival hatte am Mittwoch mit der Neuinszenierung der Oper „Der fliegende Holländer“ durch Jan Philipp Gloger begonnen. Am Freitag stand „Lohengrin“ auf dem Spielplan. Bis zum 28. August erleben die Anhänger der Opern Richard Wagners auch Aufführungen von „Tannhäuser“ und „Parsifal“.
dpa








