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Drogeriekette Schlecker ist insolvent

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Ehingen/Ulm - Gerüchte über eine finanzielle Schieflage gibt es seit Monaten. Jetzt ist eine Zwischenfinanzierung geplatzt und der Drogerieriese Schlecker sieht keinen anderen Ausweg mehr als die Planinsolvenz.

© dpa

Erst rote Zahlen, jetzt das Aus: Die Drogeriekette Schlecker ist insolvent.

Der Drogeriekonzern Schlecker geht in die Planinsolvenz. Das bestätigte das Unternehmen am Freitag. Der Insolvenzantrag werde „kurzfristig“ eingereicht. Ziel sei der Erhalt eines großen Teils des tausende Läden umfassenden Filialnetzes und damit auch der etwa 30 000 Jobs in Deutschland. Der Geschäftsbetrieb werde unverändert weiterlaufen. Ein Insolvenzantrag werde spätestens am Montag eingereicht, erfuhr dpa. Ein Sprecher des Amtsgerichts Ulm sagte, noch seien keine Unterlagen eingetroffen.

Aktuell habe eine geplante Zwischenfinanzierung nicht sichergestellt werden können, erklärte Schlecker. Daher könnten die weiteren Maßnahmen der aktuell laufenden Restrukturierung nicht so umgesetzt werden, wie geplant. Um welchen Betrag es geht, wollte ein Sprecher nicht sagen. Nach dpa-Informationen kam die geplatzte Geldspritze für die Geschäftsführung sehr überraschend.

Auf diese Marken vertrauen die Deutschen

zurück

vor

In seinem Insolvenzantrag will Schlecker nun auch direkt den Gläubigern Vorschläge unterbreiten, wie es mit dem Konzern weitergehen kann. Die Mitarbeiter wurden ebenfalls am Freitag informiert. „Wir glauben an die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens“, sagte der Sprecher.

Berichte über Lieferengpässe und Zahlungsschwierigkeiten hatte Schlecker zuletzt immer wieder dementiert. Die Unternehmenserben Meike und Lars Schlecker hatten auch daran festgehalten, nach jahrelang roten Zahlen dieses Jahr wieder Gewinn machen zu wollen.

Schlecker war in den vergangenen Jahren immer stärker unter Druck geraten. Zuletzt hatte das Unternehmen über 1000 Filialen zugemacht und begonnen, sein altes Filialnetz zu sanieren. Ziel ist es, mit attraktiveren Läden mit den Konkurrenten dm und Rossmann mithalten zu können.

Im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz um rund 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Für 2011 rechnete der schwäbische Familienkonzern erneut mit sinkenden Erlösen. Neuere Zahlen hatte Schlecker bisher nicht genannt. Angaben zum Gewinn oder Verlust macht die Kette traditionell nicht. Die Mitarbeiterzahl lag Ende 2011 bei über 30 000 in Deutschland und weiteren rund 17 000 im Ausland.

Zuletzt hatte Schlecker noch rund 7000 Läden in Deutschland und etwa 3000 weitere in Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Tschechien, Polen und Portugal. Im Wettbewerb hatten die Konkurrenten dm und Rossmann zuletzt aufgeholt.

Experte: Schlecker reagierte zu spät auf Trends

Schlecker hat nach Experteneinschätzung viel zu spät auf neue Wünsche der Verbraucher und moderne Ladenkonzepte der Konkurrenz reagiert. „Schlecker hat erst gegengelenkt, als es längst zu spät war. Die Wettbewerber wurden mit jedem Tag stärker und Schlecker täglich schwächer“, sagte der Discountexperte Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail am Freitag in Frankfurt am Main der Nachrichtenagentur dpa.

„Anton Schleckers Konzept funktionierte nur da ganz ordentlich, wo er konkurrenzlos war. Doch die Konkurrenz ist inzwischen überall. Auch in jeder Kleinstadt“, schildert Queck den harten Wettbewerb. Nirgendwo sonst gebe es so viele Drogeriemärkte pro Einwohner wie in Österreich und Deutschland. Außerdem mischten zunehmend große Lebensmittelhändler in Deutschland wie das Lidl-Schwesterunternehmen Kaufland beim Geschäft mit Babynahrung, Shampoo und Waschmitteln mit.

„Schleckers System basierte im Wesentlichen darauf, immer neue Filialen zu eröffnen und sich das von den Lieferanten mitfinanzieren zu lassen“, erläutert Queck. Dieses System müsse aber irgendwann zusammenbrechen, weil nicht ohne Ende in Deutschland neue Filialen eröffnet werden könnten. Außerdem habe Schlecker mit der zunehmenden Konkurrenz durch andere Drogerieketten an Marktmacht verloren. Das habe ein Gezerre mit Lieferanten um Konditionen heraufbeschworen.

Ein weiterer Grund seien die kleinen Filialen mit niedrigen Umsätzen. „Die Umsätze müssen nur geringfügig nachgeben, und der Laden ist in die roten Zahlen gerutscht“, verdeutlicht der Discountexperte. Wenn dies an vielen Standorten geschehe, sei es schwer, dagegen zu halten. „Zu viele Stellschrauben, die von Meike und Lars Schlecker auf einmal angegangen werden mussten.“ Die Konkurrenz punkte bei den Verbrauchern mit großflächigen Läden.

Schlecker-Mitarbeiter am Freitag informiert

Die Nachricht der Schlecker-Insolvenz erreichte auch die rund 30 000 Mitarbeiter des Drogeriekonzerns erst am Freitag. Einem Schlecker-Sprecher zufolge gab es eine hausinterne Mitteilung. Wie ein Verdi-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa sagte, erfuhren die Beschäftigten die schlechte Nachricht aber zunächst aus den Medien.

In verschiedenen Stuttgarter Filialen der Drogeriekette wollten sich die Mitarbeiter nicht zu der angekündigten Insolvenz äußern. „Kein Kommentar“ oder auch „Fragen Sie meine Bezirksleiterin“, hieß. In einer Filiale im Stuttgarter Westen sagte die Kassiererin: „Ich weiß von nichts. Wir wissen nicht einmal, ob wir geschlossen werden.“

Kalt erwischt von der Nachricht wurde die Kassiererin einer Schlecker-Filiale in der Frankfurter Innenstadt: „Das überrascht mich total.“ Angst um Ihren Arbeitsplatz habe sie jedoch nicht. Ein paar Meter weiter gibt sich die Angestellte einer anderen Filiale betont ruhig. „Ich mache mir um das Personal in unserem Bezirk keine Sorgen.“ Sie vertraue auf die Beschäftigungssicherung und hoffe noch darauf, „dass irgendwann alles besser wird“.

dpa

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