Grenzen dicht - Tausende kommen nicht raus

Auch diese Berliner Familie sitzt in Gaza fest

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Nabel El Shorafa steht in Gaza-Stadt zwischem seinen beiden Söhnen, mit denen er am Mitte Oktober nach Gaza reiste, am 29. Oktober sollte es zurückgehen. Der 46-jährige Berliner wollte seine Familie besuchen. Nachsehen, ob nach dem Konflikt mit Israel im Sommer alles in Ordnung war. Jetzt sitzt auf gepackten Koffern im Gazastreifen. Nachdem Israel alle Grenzübergänge schloss, steht in den Sternen, wann sie nach Deutschland zurückkehren können.

Gaza-Stadt - Gefängnis Gaza: Nach Wochen des Konflikts mit Israel hatten die Palästinenser im Gazastreifen wieder Hoffnung geschöpft. Doch nach einem Mörserangriff sind alle Grenzübergänge hermetisch abgeriegelt.

Nabegh El Shorafa sitzt auf gepackten Koffern im Gazastreifen. Der 46-jährige Berliner wollte seine Familie besuchen, nachsehen, ob nach dem Krieg mit Israel im Sommer alles in Ordnung sei. Mit seinen zwei Söhnen reiste er Mitte Oktober nach Gaza, am 29. Oktober sollte es zurückgehen. Doch wann sie nach Deutschland heimkehren können, steht in den Sternen.

Denn Israel hat nach einem Raketenangriff alle Grenzübergänge geschlossen; auch die Grenze zu Ägypten ist dicht. Gaza ist von der Außenwelt abgeschlossen. „Wir kommen nicht raus“, sagt El Shorafa der Nachrichtenagentur dpa.

„Ich fühle mich machtlos“, sagt der Bankangestellte. „Ich habe überhaupt keine Möglichkeiten.“

Wie ihm geht es Tausenden, die ebenfalls von der Schließung der Grenzübergänge überrascht wurden. Unter ihnen sind Studenten und Ausländer. Sie alle sitzen nun in dem nur 360 Quadratkilometer großen Streifen Land mit 1,8 Millionen Einwohnern fest.

Es gibt nur drei Grenzübergänge in Gaza. Zwei sind an der Grenze zu Israel, Kerem Schalom für Waren und Eres für Personen. Dazu kommt Rafah an der ägyptischen Grenze. Über diesen Übergang reiste El Shorafa ein, doch Rafah wurde Ende Oktober von Ägypten nach einem Terroranschlag auf dem Sinai ebenfalls geschlossen.

Ja, er wisse, dass es eine Reisewarnung für Gaza gebe, sagt El Shorafa. „Aber dann würde ich meine Familie überhaupt nicht mehr sehen.“ Seine Eltern sowie drei Brüder und eine Schwester leben in dem Landstreifen am Mittelmeer. Er selbst ist seit seinem 17. Lebensjahr in Deutschland.

„Ich habe keine Ahnung, wann wir ausreisen können“, seufzt er. „Diese Ungewissheit macht mich fertig.“ Sein Chef in Berlin sei sehr verständnisvoll gewesen. „Er hat gesagt: „Mach Dir keine Sorgen“, aber natürlich tue ich das.“

Sein jüngerer Sohn finde den unfreiwilligen Aufenthalt toll, erzählt El Shorafa. Der 13-Jährige freue sich, dass für ihn die Schule ausfalle. „Aber der Älteste muss sich auf das Abitur vorbereiten. Das ist wichtig, er darf nichts verpassen.“

Offene Grenzen sind auch für viele andere wichtig. Für Fatima Hassan sind sie sogar eine Frage des Überlebens. Sie muss regelmäßig zur Krebstherapie ausreisen. Doch nun erhält die 56-Jährige keine Genehmigung mehr, Israel erlaubt dies nur in dringenden Fällen.

„Die Situation wird immer schlimmer. Es gibt Hunderte Patienten, die zur Behandlung nach Israel, Ägypten oder ins Westjordanland müssen“, sagt Hassan. „Gaza wurde zu einem großen Gefängnis, und nun wird es zu einem riesigen Friedhof.“

Mohammed Darweesch dagegen fürchtet um seine Arbeit. Auch er war auf Familienbesuch, als die Grenzen dicht gemacht wurden. Eigentlich lebt und arbeitet er im Oman. „Wenn Rafah lange geschlossen bleibt, kann ich meine Arbeitserlaubnis nicht rechtzeitig verlängern. Dann verliere ich meinen Job“, sagt er.

Zudem naht der Winter und notwendige Wiederaufbauarbeiten sind ins Stocken geraten. Bitter benötigte Baumaterialien hängen an den Grenzen fest, während Tausende Palästinenser obdachlos sind.

„Gleich nach dem Krieg hatten die Menschen große Hoffnung, dass die Übergänge nach dem Waffenstillstand geöffnet werden“, sagt ein Einwohner von Gaza-Stadt. Die Extremisten, die in der vergangenen Woche wieder Israel beschossen hätten, nennt er „bescheuert“. Die Schließung der Grenzübergänge habe die Stimmung im Gazastreifen gedrückt, fügt er hinzu. Hoffnungen wurden enttäuscht. „Nichts hat sich geändert.“

Wann die Grenzen wieder geöffnet werden, weiß niemand. Die israelische Armee hält sich bedeckt. „Es hängt von der Sicherheitslage ab“, sagt eine Sprecherin der Grenzbehörde.

dpa

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