„Von Degen, Segeln und Kanonen – der Untergang der Prinzessin Hedvig Sofia“

Schloss Gottorf zeigt dunkle Seite des Barock

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Eine Reproduktion des Bildes „Allianzbildnis der Könige – Dreikönigstreffen 1709“ von Samuel Theodor Gericke ist in der Ausstellung „Von Degen, Segeln und Kanonen – Der Untergang der Prinzessin Hedvig Sofia“ zu sehen. Die Schau wird heute auf Schloss Gottorf in Schleswig eröffnet.

Schleswig - „Die Frau und das Schiff“ – darum geht es. Um Prinzessin Hedvig Sofia, Tochter des schwedischen Königs Karl XI. und Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf, geboren 1681, gestorben 1708. Und um das nach ihr benannte Kriegsschiff, der Stolz der schwedischen Flotte, 1692 vom Stapel gelaufen, untergangen vor Kiel 1715, wiederentdeckt 2008. Zweieinhalb Jahre haben Wissenschaftler an einer Ausstellung gearbeitet, die alles zusammenbringt: die Frau, das Schiff und ihre Zeit, die Zeit des Großen Nordischen Krieges zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Mit Leihgaben von Museen in Schweden, Finnland, Deutschland, Dänemark und Norwegen wurde eine internationale Ausstellung auf Schloss Gottorf in Schleswig entwickelt, deren Schirmherrin die Unesco ist. „Das werden Sie so im Ostseeraum nicht mehr sehen“, sagt Hauptkurator Joachim Krüger bei einem Rundgang durch die heute öffnende Schau „Von Degen, Segeln und Kanonen – der Untergang der Prinzessin Hedvig Sofia“. Für die Ausleihe einiger Exponate musste der schwedische König seine Erlaubnis geben. Modernste Technik kommt hinzu: Unter anderem auf Russisch und Finnisch werden Informationen zu Exponaten auf Tablets geliefert.

„Wie bekommt man die ganze Familie in die Ausstellung?“ – das sei die Frage gewesen, sagt Krüger. Gerade die Jüngeren sollen mit der neuen Technik angesprochen werden. Sie sehen nun unter anderem eines der ältesten Kleider aus schwedischen Sammlungen, ein Harlekinkleid für den Maskenball aus dem 17. Jahrhundert, das die Mutter von Hedvig Sofia anfertigen ließ. Ein 16-teiliges silbernes Ensemble, mit dem sich die Prinzessin zurechtmachte. „Sie war eine lebenshungrige, gut gebildete Frau“, berichtet Krüger – und starb schon mit 28 Jahren an den Pocken. Ironie der Geschichte, dass Funde vom Wrack des nach der einstigen Gottorfer Herzogin benannten Kriegschiffs auf Gottorf präsentiert werden. Diese und Funde von anderen Wracks zeigen die dunkle Seite des glanzvollen Barocks.

„Brutale Politik hinter Gegenständen erfahren“

Gewaltige Kanonenkugeln zum „Entmasten“ feindlicher Schiffe, ein sogenannter Traubhagel, der 30 kleinere Eisenkugeln enthielt, die auf schlimmstmögliche Verletzungen der gegnerischen Mannschaft ausgelegt waren. „Es war ein grausames, blutiges Geschäft“, kommmentiert Krüger und spricht von einer „Kriegs- und Tötungs-Maschinerie“. Erinnerungen einfacher Seeleute „geben einen Einblick in das, was der kleine Mann dachte. Das war eine lakonische Sicht auf den Tod.“

Ganz anders dagegen lebten die Monarchen im Großen Nordischen Krieg. August der Starke etwa, sächsischer Kurfürst und König von Polen, der sich unter anderem mit dem dänischen König und dem russischen Zaren Peter dem Großen gegen den schwedischen Monarchen verbündet hatte. Sein Galarock, Leder mit Golddrähten bestickt, aus dem die gegnerischen Schweden ein Stück herausschnitten, sowie ein Schild, den er für den dänischen König anfertigen ließ, um ihn für seine Sache zu gewinnen, sind zu sehen – „die brutale Politik hinter diesen Gegenständen“ erfährt der Besucher über Tablet-Infos.

„Wir wollen dazu beitragen, dass vieles, was vergessen wurde, ins Bewusstsein zurückgeholt wird“, betont Krüger. „Das ist große europäische Politik, die absolut aus den Köpfen der Menschen verschwunden ist.“ Die Ausstellung wolle erreichen, „Unterwasser-Fundplätze als Kulturgut zu begreifen“.

dpa

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