FEHMARN - Von Lars Braesch Sportarten gibt es viele, doch nicht alle sind dem Breitensport zuzuordnen oder überall bekannt. Mit dieser Serie wollen wir, die FT-Sportredaktion, zeigen, was es für Möglichkeiten auf Fehmarn gibt, die fit und gesund halten.

© Fehmarn24
Ich versuche mich auf dem Schießstand des ESV Insel Fehmarn mit der Luftpistole. Nach zwei „Fahrkarten“ treffe ich endlich die Scheibe. Das Schießen mit der Pistole gehörte bei der Marine nicht gerade zu meinen Stärken.
Bewusst haben wir uns in der Serie für Exoten entschieden, die nicht so oft in unserer Berichterstattung vorkommen. Im dritten Teil war unser Sportredakteur Lars Braesch („Lars in action“) zu Gast bei den Sportschützen des Eisenbahnersportverein (ESV) Insel Fehmarn:
Auch beim Schießen habe ich einige Vorkenntnisse, da ich während meiner Schulzeit in Oldenburg bei der Kyffhäuser Kameradschaft geschossen habe. Durch meine Bundeswehrzeit ist mir der Umgang mit Waffen nicht fremd. So begebe mich nach Puttgarden ins Vereinsheim des ESV Insel Fehmarn. Dort treffe ich mich mit Abteilungsleiter Olaf Grimm.
Seit der Vereinsgründung am 17. November 1966 gehört die Sparte zum Verein. Derzeit schießen auf dem vereinseigenen Schießstand zwölf Erwachsene und vier Jugendliche. Während unseres Gesprächs gehört der Stand den Jugendlichen, die ihren Vereinsmeister ermitteln. Als Standaufsicht steht dabei Claus-Dieter Scheel (48) zur Verfügung. Beim ESV wird mit der Luftpistole und dem Luftgewehr geschossen. Dabei schießen die Schützen freistehend. Ab dem 36. Lebensjahr darf das Gewehr aufgelegt werden. Geschossen wird beim ESV montags von 19.30 bis 22 Uhr und freitags von 20 bis 22 Uhr. Davor geben die Jugendlichen in der Zeit von 19 bis 20 Uhr ihre Schüsse ab. „Ein zweiter Trainingstag für die Jugendlichen lohnt sich derzeit nicht“, erklärt mir Grimm.
Der 54-jährige Abteilungsleiter hat mit 13 Jahren beim SV Fehmarn mit dem Schießsport angefangen. Als die Familie und das eigene Haus in trockenen Tüchern waren, habe er mit 39 Jahren nach einer längeren Pause beim ESV wieder angefangen, berichtet er mir. Der Verein nimmt an Wettkämpfen auf Kreis- und Landesebene teil. „Der Kreisschützenverband legt sogenannte Limitzahlen fest, wenn die auf den Vereinsmeisterschaften erreicht wurden, darf der Schütze zu den Kreismeisterschaften fahren. Das haben wir bisher immer geschafft“, so Grimm weiter. Die Limitzahlen beim Kreis seien human. Sich für die Landesmeisterschaften zu qualifizieren, sei weitaus schwieriger. So war der Fehmaraner 2011 Zweiter im Kreis, erhielt jedoch kein Startrecht für die Landesmeisterschaft. Auf Kreisebene werden im Winterhalbjahr die Rundenwettkämpfe ausgetragen. Hier schickt der ESV zwei Teams ins Rennen. Eine Damenmannschaft und eine Herrenmannschaft. Die Damen belegen nach zwei Rundenwettkämpfen den vierten Platz in der C-Klasse. Vier Zehntel fehlen zu Platz drei. Das Herrenteam findet sich nach zwei Wettkämpfen auf Platz acht, also im gesunden Mittelfeld wieder. In beiden Klassen gehen 15 Mannschaften an den Start. Einmal im Jahr geht es zu den Bezirksmeisterschaften der Eisenbahnersportvereine. Die letzte Meisterschaft wurde im Herbst 2011 in Stade ausgetragen. „Wir konnten mehrere Bezirksmeister hervorbringen, wir haben sehr gut abgeschnitten“, freut sich Grimm zurückblickend. Die Grundlage schaffen die ESV-Schützen im Sommer. „Wir machen keine Sommerpause, ähnlich wie die Biathleten. Die Beteiligung ist dabei relativ gut. Einige von uns arbeiten im Schichtdienst“, erläutert Grimm weiter. Ebenfalls nehmen die Schützen unter dem Jahr an Pokalschießen von befreundeten Vereinen teil. Für das Gildepokalschießen sei es immer schwierig eine Mannschaft zusammen zu bekommen.
Auch die gesellige Seite wird bei den ESV-Schützen gepflegt. So wird ein Grillabend im Sommer veranstaltet. Im Winter richtet die Sparte ein Weihnachtsessen aus. Die Jugendlichen nehmen an der jährlichen Vereinsfahrt teil. Ebenfalls begeben sie sich beim Spielenachmittag mit Kegeln auf der vereinseigenen 4-Bahnen Anlage auf ungewohntes Terrain.
Dann präsentiert mir der Abteilungsleiter die Waffen. Zuerst legt Grimm einen Seitenspanner mit Federdruck auf den Tisch. Bei diesem Luftgewehr verdichtet ein Kolben die Luft, die sich dann durch eine enge Öffnung in die Munitionskammer presst und das Geschoss beim Auslösen des Schusses aus der Waffe befördert. „Für das Sportschießen ist dieses Gewehr einen Tick zu alt“, erfahre ich von dem erfahrenen Schützen. Jedoch fangen Anfänger mit den vereinseigenen ESV-Waffen an, um ein Gefühl für den Schießsport zu bekommen. Anschließend wird mir ein Luftgewehr der heutigen Generation präsentiert. Auf dem Tisch liegt eine Waffe mit einem Pressluftsystem. Unterhalb des Laufes befindet sich eine Stahlkartusche. Diese kann man bis zu 300 Bar mit Pressluft füllen. Da der ESV nur über zugelassene 200 Bar-Flaschen verfügt, wird die Kartusche auch nur bis 200 Bar befüllt. Aus der Kartusche wird die Luft für den nächsten Schuss entnommen. Das Ventil schließt. Nachdem der Abzug betätigt wurde, wird das Ventil geöffnet und die Pressluft entweicht schlagartig in die Munitionskammer und treibt das Geschoss durch den Lauf aus der Waffe. Es werden bei beiden Waffen sogenannte „Diabolos“ verschossen. Die Schützen nennen ihre Munition auch liebevoll Eierbecher. Das Gewehr der neuen Generation ist rückschlagfrei. Die Schulterstütze ist verstellbar und in alle Richtungen kippbar.
Nun wird es ernst. Wir gehen auf den Schießstand. Dort lade ich zuerst den Seitenspanner mit Federdruck. Für meine ersten Schüsse darf ich das Gewehr auflegen. So wie ich es an der Marineversorgungsschule gelernt habe, bringe ich das Ringkorn ins Ziel. Das Schwarze der Scheibe muss dabei genau in der Mitte sein. Am Abzug der Waffe muss ich den Druckpunkt der Waffe suchen und überwinden. Bei einem Luftgewehr müssen 60 bis zu 80 Gramm Druck überwunden werden. Bei der Luftpistole beträgt der Druck bis zu 500 Gramm. Würde der Schütze zu schnell den Abzug betätigen, läuft er Gefahr, die Waffe zu verreißen. Ich drücke ab, mein erster Schuss auf dem ESV-Schießstand bricht. Ich bemerke einen leichten Rückschlag in meiner Schulter. Ich hole den Scheibenspiegel aus zehn Meter Entfernung zurück. Eine Neun zum Auftakt. Danach darf ich mit dem Pressluftgewehr des Abteilungsleiters schießen.
Doch nach dem persönlichen Erfolgserlebnis wird mir anders. Ich soll mit der Luftpistole schießen. Das Pistolenschießen war bei der Marine nicht gerade meine Stärke. Die Zielvorrichtung ist dort anders. Mit Kimme und Korn muss bei der Pistole gearbeitet werden. Ich schieße erwartungsgemäß zwei „Fahrkarten“. Dann stellt mir Claus-Dieter Scheel seine Hightechpistole zur Verfügung. Abteilungsleiter Grimm scherzt: „Wir lassen hier keinen weg, der nicht mindestens einmal mit der Pistole die Scheibe getroffen hat.“ Ich schaffe es und treffe die Eins. Das reicht mir allerdings noch nicht, ich probiere es noch einmal. Eine Neun. Sichtlich zufrieden verlasse ich den Schießstand. Mir wird ein gewisses Talent durch die Schützen bescheinigt.
Voraussichtlich am Donnerstag lesen sie unseren vierten Teil und erleben Sportreporter Lars Braesch beim Badminton.



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