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FT-Sportredakteur Lars Braesch „in action“, Teil 1. Er testet besondere Sportarten, heute: Skat

Reizen, Ramsch und Revolution

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FEHMARN - Von Lars Braesch Sportarten gibt es viele, doch nicht alle sind dem Breitensport zuzuordnen oder überall bekannt. Mit dieser Serie wollen wir, die FT-Sportredaktion, zeigen, was es für Sportmöglichkeiten auf Fehmarn gibt, die fit und gesund halten.

© Fehmarn24

Viele Karten. Doch welche Spielwerte haben diese Karten ? Nicht einfach für einen Anfänger.

Bewusst haben wir uns in der Serie für Exoten entschieden, die nicht so oft in unserer Berichterstattung vorkommen. Zum Start ließ Sportredakteur Lars Braesch es ruhig angehen. Er mischte sich unter die Montags-Skat-Spieler im „Magic Pool“:

Skat, seit meiner frühesten Jugendzeit böhmische Wälder für mich. Auch die lange Zeit bei der Marine hat daran nichts geändert. Viele meiner Freunde versuchten mir Skat beizubringen, sind jedoch schier daran verzweifelt. Auch in den Dienstpausen versuchten es viele Kameraden von mir, doch es nützte nichts. Keine besonders guten Voraussetzungen also für einen Skat-Abend.

Die Skat-Spieler im „Magic Pool“ treffen sich jeden Montag und spielen ab 19 Uhr das sehr beliebte Kartenspiel. „Skat ist sehr vielfältig und umfangreich, sodass ich selbst nach 40 Jahren noch Fehler mache“, erklärt mir Gründungsmitglied Alfred Weber. Ich bin ein wenig beruhigt, dass selbst noch alte Hasen Fehler machen. Die innere Aufregung löst sich. Gemeinsam mit Klaus Ehrhardt und dem bereits verstorbenen Helmut Fendel gründete Weber die Interessengemeinschaft am 19. Dezember 2008. Damals wurde noch im „Juliska-Eck“ in Landkirchen gespielt. Doch schnell wurde die Interessengemeinschaft größer, sodass nach rund einem halben Jahr der Umzug ins „Magic Pool“ erfolgte. Um die 20 Teilnehmer, im Sommer etwas mehr, spielen regelmäßig. Auch gibt es Stammgäste von den fehmarnschen Campingplätzen. „Wir sind über jeden Gast froh, der kommt“, meint Weber. Auch Spieler vom Festland machen sich jeden Montag auf den Weg nach Fehmarn. Jeder Spieler bezahlt ein Startgeld von fünf Euro in den Topf, der am Ende des Abends wieder voll an die Spieler mit den meisten Punkten ausgezahlt wird. „Wir sind kein Verein und dürfen keinen Gewinn machen“, erläutert Weber weiter. Jeden zweiten Montag im Monat wird Preisskat um Fleischpreise gespielt. Hier beträgt das Startgeld acht Euro und die Hälfte aller Spieler bekommt einen Preis. Auch machen Mitglieder der Interessengemeinschaft Gegenbesuche und so geht es zum Schützenverein Großenbrode oder zur Feuerwehr Neuratjensdorf. So wird am kommenden Freitag zunächst in Neuratjensdorf gespielt, dann am Sonntag in Großenbrode und am Montag Preisskat auf der Insel.

„Skat ist ein Hobby, bei dem das Gedächtnis trainiert wird“, erklärt mir der gelernte Drucker Alfred Weber weiter. Er habe es in den Pausen im Betrieb gelernt. Weber räumt ein weiteres Klischee aus: „Skat ist kein Kneipensport mit besoffenen Männern, denn trinkt der Skatspieler Alkohol, verlässt ihn die Konzentration.“ 16 Spieler haben sich inzwischen eingefunden. Das Teilnehmerfeld geht dabei quer durch die Berufsgruppen. So verfügt die Skat-Gemeinschaft zum Beispiel über einen Doktor, zwei Fischer und einen Fahrlehrer. Auch ist mit Bernd Herbst ein Turnierspieler dabei. Das sei nur in einem Verein möglich. Der SCG Puttgarden spielt in der Oberliga und belegte dort 2011 den achten Platz. „Skatspieler sind Fanatiker, so spielen einige von uns zwei- bis dreimal in der Woche Skat“, so Weber weiter. Doch plagen die Interessengemeinschaft auch Nachwuchssorgen. Das liege am heutigen Computerzeitalter, sind sich die Skat-Spieler einig. Die Jugendlichen bekämen das Skat-Spiel nicht mehr beigebracht. Nun wird es ernst: Die Zusammensetzung der Tische wird anhand der Spielkarten ausgelost. Es werden zwei Runden gespielt. Die Spieler mit den meisten Punkten bilden im zweiten Durchgang Tisch eins. Beim Skat geht es darum, das eigene Spiel einzuschätzen und die meisten Punkte zu erzielen. Bei vier Mitspielern erhält der Kartengeber keine Karten. Aktiv spielt ein Alleinspieler gegen die beiden Mitspieler (die Gegenpartei). Nach dem Geben der Karten wird durch das sogenannte Reizen bestimmt, welcher der drei Spieler der Alleinspieler wird. Sobald das Spiel beendet ist, wird ausgezählt, ob der Alleinspieler oder die Gegenpartei gewonnen hat. Die Punkte werden notiert und man geht zum nächsten Spiel über.

© Fehmarn24/Heiko WittLars in action.

Gespannt schaue ich dem regen Treiben zu. Die Interessengemeinschaft spielt nach den Deutschen Skatregeln. Danach ist das Ausgeben der Karten streng reglementiert: Mit dem Geben der Karten beginnt der Mitspieler auf Platz 1. Sein rechter Nachbar muss stets das letzte Spiel jeder Runde geben. Der Kartengeber hat die Karten gründlich zu mischen, sie vom rechten Nachbarn einmal abheben zu lassen, den dabei liegen gebliebenen Teil auf den abgehobenen zu legen und danach die Karten von oben zu verteilen. Werden vom Kartengeber die Karten beim Mischen gestochen oder geblättert, so mussvor dem Abheben noch einmal durchgemischt werden. Abheben ist Pflicht! Es hat so zu erfolgen, dass mindestens vier Karten liegen bleiben und abgehoben werden. Ist bei mehr als drei Mitspielern der Abheber vorübergehend abwesend, darf der rechts neben ihm sitzende Mitspieler abheben – vorausgesetzt, der eigentliche Abheber hat sich das nicht ausdrücklich vorbehalten. Bei längerer Abwesenheit eines Mitspielers entscheidet ein Schiedsrichter über die Fortsetzung des Spiels. Es müssen beim linken Nachbarn beginnend jedem Spieler zunächst drei Karten gegeben werden. Dann sind zwei Karten gesondert als Skat zu legen. Schließlich werden jedem Spieler vier und zuletzt drei Karten gegeben. Jeder Spieler hat zu überprüfen, ob er die richtige Zahl der Karten erhalten hat. Noch bevor die erste Karte ausgespielt wird, muss durch das sogenannte Reizen bestimmt werden, welcher Spieler als Solist gegen die beiden anderen spielt. Das Reizen ist eine Art Punktauktion, bei der der Höchstbietende das Spiel „bekommt“, also Alleinspieler wird. Das Reizen ist für Anfänger der komplizierteste Teil, da die Spielwerte auswendig gekannt (oder im Kopf berechnet) werden müssen. Hieran ist auch meine Skat-Karriere gescheitert. Beim Reizen nennt der sagende Spieler dem hörenden immer höhere mögliche Spielwerte, bis einer der beiden passt (üblicherweise indem er „weg“ sagt). Der Sagende kann auch von vornherein passen. Die Vorhand hört zunächst die Gebote der Mittelhand. Derjenige von den beiden, der nicht gepasst hat, hört als nächstes die Gebote von der Hinterhand. Wenn schließlich einer von diesen gepasst hat, ist damit der andere zum Alleinspieler bestimmt. Er spielt gegen die beiden anderen (Gegenpartei), die nun ein Team bilden, sich im Spielverlauf aber nicht absprechen dürfen. Der Alleinspieler erhält den Skat und darf die Art des Spiels bestimmen.

Im Allgemeinen versucht ein Spieler, der ausreichend gute Karten erhalten hat, also zum Beispiel alle Buben und viele Asse und 10er oder hohe Buben und eine Farbflöte (= alle Karten einer Farbe), Solist zu werden, um entsprechend Punkte zu gewinnen (ein verlorenes Spiel wird andererseits mit den doppelten Minuspunkten bewertet). Der Wert des Spiels muss mindestens so hoch sein wie das Reizgebot, mit dem der Alleinspieler das Reizen gewonnen hat. Der Spielwert richtet sich nach der Art des Spiels, nach den Karten, die der Alleinspieler hat (einschließlich der Karten im Skat, auch wenn dieser beim Reizen noch nicht bekannt ist), und nach der angesagten und der erreichten Gewinnstufe. Wenn sich nach dem Spiel herausstellt, dass das Reizgebot nicht erreicht wurde, was sich zum Beispiel durch ungünstige Karten im Skat ergeben kann, hat der Alleinspieler überreizt und sein Spiel verloren. Wenn keiner der Spieler ein Reizgebot abgeben will, gilt das Spiel als eingepasst. Es wird entsprechend notiert, und der nächste Geber gibt für das nächste Spiel, das heißt das eingepasste Spiel wird nicht wiederholt. Beim Freizeitspiel wird häufig in diesem Fall ein Ramsch mit den ursprünglich ausgeteilten Karten gespielt. Der Ramsch ist aber nicht Bestandteil der offiziellen Skatregeln. Den Ramsch hat die Interessengemeinschaft intern geregelt.

In der Pause zwischen den beiden Runden versuche ich mich an einer Runde Skat. Doch mir ist es zuviel Theorie. Um 23 Uhr stehen die Sieger fest. Sie erhalten ihre Geldpreise gestaffelt nach den Teilnehmern. Bei 16 Skat-Spielern werden 80 Euro wie folgt ausgeschüttet: 28 Euro erhält Benno Österreich, 22 Euro streicht Alfred Weber ein. Über 14 Euro darf sich Bernd Herbst freuen. Stefan Waldeck gewinnt elf Euro. Waldemar Drawski hat mit fünf Euro sein Startgeld wieder raus.

Am Freitag lesen sie unseren zweiten Teil und erleben Sportreporter Lars Braesch beim Inlinehockey.

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