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FT-Sportredakteur Lars Braesch „in action“, Teil 2. Er testet besondere Sportarten, heute: Inlinehockey

Mit Vollgas durch die Halle „West“

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FEHMARN - Von Lars Braesch Sportarten gibt es viele, doch nicht alle sind dem Breitensport zuzuordnen oder überall bekannt. Mit dieser Serie wollen wir, die FT-Sportredaktion, zeigen, was es für Möglichkeiten auf Fehmarn gibt, die fit und gesund halten.

© Fehmarn24/Janina Ohrtmann

Ich müsste eigentlich von Skaterhockey sprechen, da wir mit einem Ball gespielt haben

Bewusst haben wir uns in der Serie für Exoten entschieden, die nicht so oft in unserer Berichterstattung vorkommen. Im zweiten Teil war unser Sportredakteur Lars Braesch („Lars in action“) zu Gast bei den Inlinehockeyspielern des SV Fehmarn:

Mit Inlinehockey betrete ich kein Neuland, so, wie beim Skat im ersten Teil der Serie. Ganz im Gegenteil.

Seit der Jugend, das darf ich wohl so sagen, brenne ich für den Eishockeysport. Ich bin Fan der Kölner Haie und des EHC Timmendorfer Strand 06, kurz genannt die Beachboys. Dort bin ich auch Mitbegründer eines Fanradios, bei dem ich die Spiele des EHCT 06 fürs Internet kommentiere. Ebenfalls spiele ich hobbymäßig Eishockey. Und diese Bewegungen ähneln natürlich dem Inlineskaten.

Ende 2001 legte ich, nachdem ich seit 1989 die Fußballschuhe für die SpVgg Putlos geschnürt hatte, eine Pause in Sachen Fußball ein. Eine neue Sportart musste her. Mein Freund Carsten Horn hatte das Inlinehockeyspielen für sich in Flensburg entdeckt und es, wenn er am Wochenende zu Hause war, mit nach Oldenburg gebracht. Die Grundausrüstung war also vorhanden. Was fehlte, waren die Inliner, doch auch dies war schnell gelöst.

Zuerst spielten wir auf Supermarktplätzen und nutzten Einkaufswagen als Tore. Später haben wir dann eine Heimat auf dem Panzerparkplatz am Oldenburger Bahnhof gefunden. Dort nutzten wir Autoreifen (der Platz wird auch zum Kartfahren genutzt) als Tore. Bis wir als Mannschaft zusammengelegt hatten und uns ein Satz Tore aus Plastik kauften, die dann irgendwann gegen richtige Tore aus Metall ausgetauscht worden sind.

Carsten war es auch, der mir den Kontakt zu den fehmarnschen Inlinehockeyspielern herstellte, da er bereits öfter mitgespielt hatte. So packte ich meine große Tasche, nahm meine zwei Schläger mit und begab mich in die Halle „West“, wo mich Spartenleiter Oliver Röper und seine Mannschaft erwarteten. Dort wird jeden Mittwoch von 20 bis 22 Uhr gespielt und am Sonnabend von 8 bis 10 Uhr. Damit der Interessierte nicht umsonst zur Halle fährt, verfügen die Inlinehockeyspieler über ein ausgeklügeltes Online-System. Auf einer Internetseite können sich die Spieler anmelden. Ab sechs Teilnehmern wird definitiv gespielt. Doch es gibt auch ein paar Hartgesottene, die auch schon mal zu viert die Halle unsicher gemacht haben.

Bereits in der Bauphase der Halle „West“ im Jahre 2005 hatte der 44-jährige Diplom Sportwissenschaftler Röper bei der Stadt Fehmarn angefragt, ob der Hallenboden für Inlineskates geeignet sei. Beim SV Fehmarn ist der Presener noch als Basketballtrainer tätig. Nachdem er die Genehmigung durch die Stadt Fehmarn erhalten hatte, spielte er mit seiner Mannschaft Inline-Basketball als Zusatztraining.

„Das war der Beginn der bewegungsintensivsten Sparte des SVF“, blickte Röper zurück auf die Anfänge im Jahre 2006. Dazu wurde zuerst ein ordentliches Fahrtraining absolviert. Die Basketballer fanden dann immer mehr Gefallen an der Hockeyvariante. Sie wird in zwei Arten unterschieden: Es gibt Inlinehockey und Skaterhockey. Bei Inlinehockey wird mit einem Puck, aber ohne Körperkontakt gespielt, beim Skaterhockey mit einem kleinen Ball, dafür aber mit Körperkontakt.

Streng genommen müsste ich also von Skaterhockey sprechen, doch jeder sagt Inlinehockey. International scheint Inlinehockey die immer noch etwas größere der beiden Varianten zu sein, national gesehen ist Skaterhockey in Deutschland aber mit Abstand besser aufgestellt. Es gibt beim Skaterhockey ein funktionierendes Ligensystem mit 1. und 2. Bundesligen, darunter Regional- und Landesligen, die von Landesverbänden organisiert werden, funktionierende Nachwuchsarbeit, Nationalmannschaften.

© Fehmarn24/Janina OhrtmannEin rassiger Zweikampf hinter dem gegnerischen Tor. An die kleinen Tore musste ich mich noch gewöhnen.

Da stehe ich also. In voller Ausrüstung und top motiviert. Es haben sich 13 Spieler eingefunden. Die werden auf zwei Viererteams und ein Fünferteam aufgeteilt. Da die anderen Spieler über keinen Helm und Brustschutz verfügen, verzichtete ich darauf. Ich erwische das Team Schwarz, welches als einziges mit fünf Spielern bestückt ist. So können wir leichter kontern, denke ich mir – doch schon im ersten Spiel wird mir klar, dass die Taktik nicht aufgeht. Die Gegner, Team Blau, verfügen mit Christian Schulzeck über einen oberligaerfahrenen Eishockeyspieler, der meiner Mannschaft und mir reihenweise die Bälle um die Ohren schießt. Treffsicher bringt Schulzeck, der das Eishockeyspielen bei Tornado Niesky erlernt hatte, nach tollen Zuspielen seiner Mitspieler den Ball in unserem kleinen Tor unter. Hierauf muss ich mich erst einmal einstellen. Ich war bislang durch die großen Tore immer verwöhnt gewesen. Hier konnte ich, wenn ich nicht wusste, wohin ich den Ball spielen sollte, einfach einmal draufhalten, in der Hoffnung, dass der Goalie das Spielgerät durchrutschen lässt. Oder zumindest nach vorne abwehrt, sodass meine Teamgefährten sich den Abpraller schnappen konnten.

Doch gegen die rote Mannschaft, die mit Frank Neumann ebenfalls über einen eishockeyerfahrenen Spieler verfügte, gelingt mir ein Tor. Meine Mannschaft macht tolle Abwehrarbeit und überläuft die roten Angreifer. Mit einem genau getimten Pass ist der Weg zum Tor frei und ich brauche den Ball nur noch einschieben. Mein persönliches Tagesziel ist erreicht. Ebenfalls muss ich mich darauf einstellen, dass der Ball in der Halle immer im Spiel ist. Draußen fliegt er mal ins Gebüsch, sodass durchgeatmet werden kann. Die Halle kostet viel Kraft.

Beim Inlinehockey kommt als Nachteil die Verdopplung dazu: Seit die „Sommer-Disziplin“ des Eishockeys in den Neunzigern immer populärer geworden ist, sahen sich zwei internationale Verbände berufen, Inlinehockey unter ihre Fittiche zu nehmen: der Eishockey-Weltverband IIHF und der Rollsport-Weltverband FIRS. Beide mit guten Argumenten: Inlinehockey ist – auch wenn es kleinere Regelabweichungen gibt – nun einmal aus dem Eishockey entstanden.

 So gibt es auch Weltmeisterschaften bei beiden Verbänden, die seit 1995 bzw. 1996 ausgetragen werden. Bei der IIHF konnte Deutschland schon viermal Bronze gewinnen. Beim FIRS ist das Abschneiden unter fernerliefen. Bei der Version der IHHF starten tendenziell die besseren Teams. Auch auf deutscher Ebene gibt es diese Doppelung. Der Deutschen Eishockey-Bund organisiert die Deutsche Inlinehockey-Liga (DIHL), die in Gruppenform mit wenigen Spielen und anschließender Endrunde einen Meister ermittelt, und die IHD-Bundesliga des Deutschen Rollsport- und Inlineverbandes (DRIV; IHD ist die Sportkommission Inlinehockey Deutschland im DRIV). 2008 hatten sich beide Verbände darauf geeinigt, den Deutschen Meister nur im Rahmen der DIHL zu ermitteln – das verlief jedoch nach dem ersten Jahr im Sande. Auch auf internationaler Ebene gibt es immer mal wieder Gespräche, aber einen Weg zu einer gemeinsamen Weltmeisterschaft scheint es bislang nicht zu geben.

© Fehmarn24/Heiko WittLars in action

Die Bremse wird beim Inlinehockey abgebaut. Das hört sich für Anfänger erst einmal schlimm an, doch gibt es in der Halle keinen Rollwiderstand. Auch das Hinfallen tut weniger weh. „Bisher sind wir mit wenig Schutzausrüstung und ohne schwere Verletzung ausgekommen. Natürlich gibt es hier und da mal einen blauen Fleck“, erklärt mir Röper. Doch in der Mannschaft wird derzeit diskutiert, ob die Helmpflicht eingeführt werden soll. Ich kann dies aus eigener Erfahrung nur empfehlen. Einmal während wir auf dem Panzerparkplatz gespielt haben, blockierte eine Rolle meiner Skates. Ich bin dann voll mit dem Kopf auf den Beton geknallt. Meine Platzwunde musste im Krankenhaus mit sieben Stichen genäht werden.

Mit 52 Jahren ist Gerd Köppe der älteste Spieler. Die Altersspanne reicht demnach von 20 bis 52 Jahren. Auch ist der Materialverschleiß in der Halle nicht so gravierend. Mein Team in Oldenburg brauchte jedes Jahr mindestens einen Satz Rollen und eine neue Kelle. 2011 veranstaltete die Sparte erstmalig eine Weihnachtsfeier. „Wir passen gut zusammen, es harmoniert. Alle Spieler haben sich verbessert“, so der Spartenleiter weiter. Der Mittwoch und der Sonnabend sind fest bei den Spielern im Alltag verankert. „Die freuen sich alle darauf, unsere Frauen können ein Lied davon singen“, scherzt Röper. Es ist 23.30 Uhr, als wir die Halle glücklich verlassen.

Am Montag lesen sie unseren dritten Teil und erleben Sportreporter Lars Braesch bei den Sportschützen des ESV Insel Fehmarn.

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