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Schutz gegen Rost: Profi-Behandlung schlägt Unterbodenwäsche

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Von: Marcus Efler

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Wenn die feuchte Jahreszeit und Streusalz am Auto zehren, schützt eine gute Konservierung. Nicht nur wertvolle Oldtimer profitieren von professioneller Pflege.

Eigentlich fährt man ins bayerische Chiemgau, um sich zu erholen. „Das bayerische Meer“ – der Chiemsee – und die Alpen locken. Grassau kennen Fußballfans, weil die Profi-Fußballer des FC Bayern dort trainieren und die DFB-Schiedsrichter sich auf die Saison vorbereiten. Ansonsten ist der 7.000-Einwohner-Ort einer wie viele andere in der Gegend auch.

Für Oldtimer-Fans ist Grassau ebenfalls eine Reise wert. Etwas versteckt in einem verwinkelten Eck betreibt Thomas Blecker gemeinsam mit seiner Tochter Claudia eine Kfz-Werkstatt, die sich auf das Konservieren von Autos spezialisiert hat. Vor allem Mercedes-Fans bringen ihre Preziosen gerne zu dem Mann mit den wachen Augen. Auf der Hebebühne thront eine weiße S-Klasse der Baureihe W 108, wir schauen uns den gut 50 Jahre alten Klassiker genauer an. Der Unterboden ist tipptopp. „Schauen Sie mal hier“, sagt Thomas Blecker und schrammt mit der Spitze seines Schraubenziehers an einem weiß lackierten Bauteil unterhalb des Kühlers entlang. Der Lack blättert sofort ab, wie die Krusten eines frischen Croissants. „Eine Konservierung auf Bitumenbasis hält auf PVC nicht, da ist Wachs viel besser“, weiß der Karosseriebaumeister, der sich seit 40 Jahren mit Rost herumschlägt und Autos vor dem Verfall rettet.

Schutz gegen Rost im Winter: Was besser hilft als Unterbodenwäsche

Mercedes W108 auf Hebebühne
Klassiker in Behandlung: Ein Mercedes W108 auf der Hebebühne. © press-inform

Für den Besitzer eines Veteranen bringt eine solche Konservierung weitere Vorteile: „Oldtimer-Versicherungen setzten einen gepflegten Gebrauchszustand voraus. Alte, nicht gepflegte Fahrzeuge haben selten eine Chance, eine günstige Police zu bekommen. So gesehen wirkt sich eine Fahrzeugkonservierung positiv auf den Geldbeutel aus“, erklärt Markus Neser, Leiter Kraftfahrt-Betrieb, Old- und Youngtimer bei der Württembergischen Versicherung.

Wer glaubt, dass der braune Blechfresser nur bei Oldtimern (die im WInter ohnehin meist eingemottet werden) zuschlägt, irrt. Auch junge Autos sind von Korrosion befallen, da die Konservierung aus Kostengründen nur sehr rudimentär ausfällt. Wie das aussieht, hat Thomas Blecker am eigenen Leib erfahren, als er sich dem SUV seiner zweiten Tochter annahm. „Die Achsträger waren komplett vergammelt“, erzählt er. Es handelte sich um ein Produkt eines deutschen Premiumherstellers. Eine Konservierung ergibt also schon bei drei Jahre alten Fahrzeugen Sinn.

Lackmängel an einem Auto-Fahrwerk
Der Lack ist ab: Bei falscher Behandlung hat Korrosion freie Fahrt. © press-inform

Schutz gegen Rost im Winter: Trockeneis sprengt Dreck weg

Profis behandeln das Fahrzeug zunächst mit Trockeneis, das mit einer Temperatur von minus 90 Grad den Dreck und Verkrustungen weggesprengt, ohne dass die Dichtungen, Gummis der Manschetten oder auch die empfindlichen Steuergeräte in Mitleidenschaft gezogen werden. Danach wird das Vehikel genau inspiziert, die Roststellen werden abgeschliffen und dann mit Epoxidharz behandelt, das den Rost und ihn versiegelt.

Danach werden noch eine dauerhaften Zwei-Komponenten-Versiegelung und ein Unterbodenschutz aufgetragen. Und eben auch Wachs für die PVC-Teile. Wer sein Auto so vor Korrosion schützen will, muss mit gut 1.000 Euro rechnen. Das ist aber gut investiertes Geld, da man sich viel Ärger mit Reparaturen erspart – und beim Wiederverkauf einen höheren Preis erzielt.

Schutz gegen Rost im Winter: Beweisaufnahme per Spezialkamera

Die Königsdisziplin beim Erhalt eines Autos ist die Hohlraumversiegelung. Wie beim Unterbodenschutz werden sämtliche Winkel der Karosserie genauestens inspiziert, vor allem auch die schwer zugänglichen. Mit einer Spezialkamera durchsuchen die Experten den Fahrzeugrahmen, die Türinnenräume oder die Einstiegsholme und dokumentieren Rostschäden sofort mit Fotos und Videos. Nur so ist eine exakte Behandlung der betroffenen Bereiche möglich. Diese „Beweise“ werden nach der Behandlung dem Kunden vorgelegt, der sich auch so ein Vorher-nachher-Bild machen kann. Allerdings hat so ein aufwendiger Maßnahmenkatalog auch mit rund 3.000 Euro seinen Preis.

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Einen Rat hat Thomas Blecker noch für alle Autofahrer: „Sparen Sie sich im Winter die Unterbodenwäsche in der Waschstraße. Die ist sinnlos, da sie nicht an die sensiblen Stellen kommt und beruhigt nur die Nerven. Besser ist es, mit dem Dampfstrahler direkt in die Radhäuser zu gehen.“ (Wolfgang Gomoll/press-inform)

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