„Starlink“

SpaceX will Zehntausende Internet-Satelliten ins All schicken - Experten warnen vor den Folgen

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Derzeit umkreisen mehr als 2000 aktive Satelliten (Stand: 3/2019) und unzähliger Weltraumschrott die Erde. Die „Starlink“-Satelliten von SpaceX würden diese Zahlen erheblich erhöhen.

Als im Mai 60 Internet-Satelliten von SpaceX ins All gestartet sind, war der Aufschrei groß. Nun wird bekannt: die Pläne von Elon Musk sind noch größer, als bisher gedacht.

SpaceX, das private Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, hat große Pläne. Nicht nur will das Unternehmen die Menschheit zu einer multiplanetaren Spezies machen und in Zukunft Menschen zum Mars transportieren - SpaceX will außerdem dafür sorgen, dass künftig überall auf der Welt schnelles Internet verfügbar ist. Und wie ginge das besser, als über Satelliten, die das Internet von oben in die entlegensten Winkel der Welt bringen?

Genau das ist der Plan von Elon Musk: Bis zu 12.000 Internet-Satelliten wollte SpaceX ins All schicken. Die Konstellation namens „Starlink“ sollte in einer Höhe von von 340 bis 1300 Kilometern die Erde umkreisen und den Nutzern auf der Erde Hochgeschwindigkeitsinternet zur Verfügung stellen.

SpaceX von Elon Musk will 30.000 weitere „Starlink“-Satelliten ins All schicken

Nun wurde bekannt, dass SpaceX bei der zuständigen Federal Communications Commission (FCC) und der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) den Start weiterer 30.000 „Starlink“-Satelliten beantragt hat. Das ist ein heikles Thema, denn bereits nach dem Start der ersten 60 „Starlink“-Satelliten im Mai gab es einen großen Aufschrei. Damals hatte man eine Kette von Satelliten nächtelang am Himmel beobachten können, während sie sich auf den Weg in ihre Umlaufbahn machten.

Das Video löste im Internet zwiespältige Reaktionen aus: Einerseits Begeisterung über das sichtbare Spektakel, andererseits aber auch Entsetzen über die „Vermüllung“ des Nachthimmels. Der Astronom Alex Parker erklärte beispielsweise auf Twitter: „Die Satelliten sind hell und es wird viele von ihnen geben.“ Starte SpaceX alle 12.000 Satelliten, „werden sie die Zahl der Sterne übertreffen, die mit bloßem Auge sichtbar sind“, so Parker weiter.

SpaceX Starlink objects train 25 May 2019 pass 2 (23:50 UT) from Marco Langbroek on Vimeo.

SpaceX-Gründer Elon Musk sah das dagegen ganz anders: „Möglicherweise Milliarden von ökonomisch benachteiligten Menschen zu helfen ist das wichtigere Ziel“, schrieb Musk auf Twitter und meinte damit, die Versorgung mit schnellem Internet aus dem All. „Wir stellen sicher, dass Starlink keine Auswirkungen auf Entdeckungen in der Astronomie hat“, betonte Musk. „Die Wissenschaft liegt uns sehr am Herzen.“

Experten kritisieren Elon Musk und SpaceX für Pläne mit „Starlink“-Satelliten

Auch die Internationale Astronomische Union (IAU) sieht die Entwicklung hin zu großen Satelliten-Konstellationen kritisch. Man sei „besorgt über diese Satelliten-Konstellationen“, heißt es in einem Statement. Die Organisation begrüße „das Prinzip eines dunklen und funkstillen Himmels“, auch als „Ressource für die gesamte Menschheit und zum Schutz nachtaktiver Tiere“. Man verstehe noch nicht, welche Auswirkungen Tausende sichtbare Satelliten am Nachthimmel hätten. „Trotz ihrer guten Absichten können diese Satelliten-Konstellationen den dunklen Himmel und die nachtaktiven Tiere bedrohen.“

Konkret geht es der IAU um zwei Themen: Die Satelliten reflektieren in der Zeit nach dem Sonnenuntergang und vor dem Sonnenaufgang Sonnenlicht. Auch wenn das mit bloßen Augen möglicherweise nur schwer zu sehen ist - das Licht könnte empfindliche Teleskope stören, warnt die IAU. Außerdem könnten die Funksignale der Satelliten astronomische Beobachtungen mit Radioteleskopen stören. „Aktuelle Forschungserfolge wie das erste Bild eines schwarzen Lochs waren nur durch gemeinsame Anstrengungen zum Schutz des Himmels vor Störungen möglich“, schreibt die IAU in ihrem Statement.

SpaceX und die „Starlink“-Satelliten: Im Erdorbit wird es eng

Dass SpaceX nun insgesamt mehr als 40.000 Satelliten in eine Erdumlaufbahn schießen möchte, dürfte den „Starlink“-Kritikern nicht gefallen. Doch noch ist nichts entschieden: SpaceX hat laut „SpaceNews“ 20 Pakete von je 1500 „Starlink“-Satelliten bei der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) angemeldet. Wann die Satelliten ins Weltall starten sollen, steht demnach nicht in den Unterlagen.

Die ITU ist eine Behörde der UNO, die dafür sorgt, dass Satelliten sich nicht gegenseitig stören. Innerhalb von sieben Jahren nach der Genehmigung muss ein Satellitenbetreiber mindestens einen Satelliten mit der beantragten Frequenz ins All bringen, um diese für sich zu reservieren. Das dürfte auch der Hintergrund für die Anmeldung der 30.000 „Starlink“-Satelliten sein: Die Reservierung von Frequenzen für das geplante Geschäftsmodell mit dem schnellen Internet per Satellit.

„Vermüllt“ SpaceX unseren Nachthimmel mit Satelliten?

Denn im Erdorbit wird es langsam eng. Derzeit umkreisen 2062 aktive Satelliten (Stand: 03/2019) die Erde, dazu kommen unzählige ausrangierte Satelliten und Weltraumschrott. Die geplanten 42.000 Satelliten von SpaceX würden die Anzahl der Satelliten im Erdorbit um ein Vielfaches erhöhen. Und die Konkurrenz schläft nicht: Neben SpaceX bereiten auch andere Unternehmen - beispielsweise Amazon - riesige Konstellationen für die Versorgung mit Internet aus dem Weltall vor. Und SpaceX? Das Unternehmen plant den nächsten „Starlink“-Start noch für dieses Jahr.

Von Tanja Banner

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