Interview: Gemeindewehrführer Delfskamp über Nachwuchssorgen und Tunnelsicherheit

„2021 ist für mich Schluss“

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Gemeindewehrführer Volker Delfskamp schaute beim FT zum Interview vorbei.

Fehmarn – Von Manuel Büchner – Volker Delfskamp ist seit März 2009 Fehmarns Gemeindewehrführer. 2002 war er übrigens der letzte Gemeindewehrführer der Gemeinde Landkirchen. 2021 werden es 40 Jahre sein, die der Hauptbrandmeister*** mit dem wichtigen Ehrenamt verbunden ist. Schon Großvater und Vater waren in der Feuerwehr. Der 59-Jährige trat in ihre Fußstapfen. Längst verkörpert sein Sohn Dennis die Leidenschaft in der vierten Generation. Im FT-Interview spricht der gelernte Koch und Chef von zehn Ortswehren auf der Insel über Nachwuchssorgen, den Feuerwehrbedarfsplan und die Sicherheit im geplanten Belttunnel sowie seine Zukunft in der Feuerwehr.

Herr Delfskamp, vor rund einem Jahr drohte die Wahl der Wehrführung in der Ortswehr Bannesdorf zu eskalieren. Der Wohnort lag nicht im Ausrückbezirk – knapp 400 Meter fehlten. Am Ende lenkte der Kreis ein:

Ein ähnliches Problem bestand in Bannesdorf bereits 2009. Ein Jahr später haben wir im Gemeindewehrvorstand anhand der Mustersatzung des Landes festgelegt, wer wo in eine Feuerwehr gehen kann. Eine Person muss das Feuerwehrhaus innerhalb von vier Minuten erreichen. Daraus ergibt sich ein maximaler Radius von vier Kilometern. Einen Spielraum kann es da eigentlich nicht geben. Es braucht klare Grenzen.

Ist Bannesdorf ein Einzelfall oder nur beispielhaft für fehlende Führungskräfte? Können letztendlich zehn Ortswehren mit zehnmal Führungspersonal aufrechterhalten werden?

Es fehlen auf Fehmarn Arbeitsplätze. Die jungen Menschen verlassen die Insel teilweise nach der Ausbildung. Das ist unser Hauptproblem. Zurzeit kann ich mir allerdings nicht vorstellen, dass es Zusammenlegungen von Ortswehren gibt. In der Zukunft wird das sicherlich passieren, weil die Struktur in sich zusammenfällt. Das Problem wächst von unten heran. Wenn wir keinen Nachwuchs gewinnen können, fehlt später das Führungspersonal.

Aber die Nachwuchsarbeit auf Fehmarn ist doch vorbildlich: vier Jugendfeuerwehren und eine Kinderwehr. Im letzten Jahr das groß angelegte Werben in der Bevölkerung für den aktiven Dienst.

Kinder- und Jugendfeuerwehren sind der Grundstock unserer Einsatzabteilungen, daraus rekrutieren wir. Auf Fehmarn sind es etwa 80 Jugendliche und 30 Kinder. Aber – wie gesagt – wenn sie später keine Arbeit auf der Insel finden, sind sie weg. Das Werben fürs Ehrenamt Feuerwehr im letzten Jahr kann man fast als Flop bezeichnen. Den Bürger dafür zu sensibilisieren, dass wir ihn brauchen, bleibt schwierig.

Wenn ich mich für das Abenteuer Feuerwehr entscheide, gehört dann auch die Wasserrettung auf der Ostsee dazu? Diesbezüglich ist Fehmarn seit geraumer Zeit auf Heiligenhafen angewiesen.

Die Zuständigkeit der Feuerwehr endet am Spülsaum. Wir sind nur für Gewässer zweiter Ordnung – Teiche, Tümpel, Binnenseen – zuständig. Nicht für die Ostsee. Seitdem das Schlauchboot (RTB 1) in Burg defekt ist, hat die Leitstelle die Feuerwehr in Heiligenhafen alarmiert, obwohl die auch nicht zuständig ist. Das Problem hat das Innenministerium erkannt und bereits Gespräche mit den Seenotrettern (DGzRS) geführt, die ja wiederum eigentlich für Seenotfälle zuständig sind und nicht für die normale Wasserrettung. Unser Kreiswehrführer ist in die Problemlösung eingebunden. Wie lange es noch dauert, vermag ich nicht zu sagen. Ein neues RTB 1 wird es geben, aber die Burger Kameraden werden damit nicht auf die Ostsee fahren und sich in Lebensgefahr bringen.

Apropos Zuständigkeiten: Mit dem geplanten Baubeginn der Festen Fehmarnbeltquerung ist Fehmarn für den Brandschutz auf der Baustelle beziehungsweise im Tunnel zuständig. Dafür wurde der Feuerwehrbedarfsplan überarbeitet. Wie ist der Stand der Dinge?

Der Plan mit der Erweiterung um den Tunnel ist im Dezember vorgestellt worden. Es wird keine Berufsfeuerwehr geben, sondern eine hauptamtliche Wachabteilung geschaffen, wenngleich die Kameraden eine Berufsfeuerwehrausbildung haben werden, mit einer zusätz- lichen Ausbildung für die Tunnelbrandbekämpfung. Die Wache soll östlich der B207 Höhe Landkirchen entstehen. Zudem sind wir dabei, einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit dem Innenministerium auszuarbeiten. Wir werden von Kiel nicht alleingelassen. Hoffentlich wissen wir Ende des Jahres, wohin die Reise geht.

An welcher Stelle ordnet sich die hauptamtliche Wachabteilung ein?

Als eine Abteilung der Gemeindefeuerwehr Fehmarn. Die Weisungsbefugnis hat der Gemeindewehrführer.

Ehrenamt und Haupt-amt Seite an Seite – wird das gut gehen?

Das wird sich ergänzen. Davon bin ich überzeugt. Zudem wird Femern A/S auf beiden Seiten des Tunnels rund um die Uhr eine Taskforce (schnelle Eingreiftruppe) stellen und als Erstes reagieren – dann kommen die Hauptamtlichen dazu.

Ist die hauptamtliche Wachabteilung auch 24 Stunden im Dienst?

Nein, wahrscheinlich wird die Wache von 6 bis 18 Uhr besetzt sein. Danach übernimmt das Ehrenamt, weil dann die Verfügbarkeit höher ist. Die müssen allerdings auch eine zusätzliche Tunnelausbildung absolvieren. Geplant ist, dass wir in Rødby zusammen mit den dänischen Kollegen von Femern A/S ein Tunnelelement zu Übungszwecken bekommen.

Das ist eine Mehrbelastung fürs Ehrenamt – gibt es auch Entlastung?

Ja. Die Hauptamtlichen werden Aufgaben übernehmen wie beispielsweise Gerätewartung. Auch kleinere Einsätze auf der Insel werden sie sicherlich tagsüber mitfahren.

Woher sollen eigentlich die hauptamtlichen Kameraden kommen?

Das ist eine spannende Frage. Wir werden für Fehmarn werben müssen. Der eine oder andere Kamerad aus dem Ehrenamt wird sich sicherlich auch zu einer entsprechenden Ausbildung entscheiden.

Herr Delfskamp, im nächsten Jahr endet Ihre zweite Amtszeit. Treten Sie wieder an?

Die Arbeit ist vielseitig und macht Spaß – auch wenn es manchmal stressig ist. Ich habe aber eine lange Zeit auch familiär verzichtet. Daher ist 2021 für mich Schluss. Ich werde nicht wieder antreten.

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