Kinder machen einen Handstand auf dem Spielplatz auf dem Klinikgelände
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Auf dem Klinikgelände ist vor zwei Jahren ein großer Spielplatz errichtet worden. Hier können die Kinder nach Herzenslust spielen, toben und sogar Handstand üben.

30 Jahre Therapeutikum Westfehmarn: Klinik mit Bullerbü-Atmosphäre

  • Andreas Höppner
    VonAndreas Höppner
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Das Therapeutikum Westfehmarn kann auf eine 30-jährige Geschichte zurückblicken.

  • Therapeutikum plant großen Tag der offen Tür im September.
  • 75 Familien mit fünf oder mehr Kindern verbrachten 2021 ihre dreiwöchige Kur in Petersdorf.
  • Klinik habe sich gut auf die Coronapandemie eingestellt.

Fehmarn – Das Therapeutikum Westfehmarn in Petersdorf kann mittlerweile auf eine 30-jährige Geschichte zurückblicken. Was unter dem Arzt Dr. Peter Liffler am 20. Februar 1992 mit der Errichtung einer Tagesklinik für ambulante Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen begann, hat sich über die Jahre hinweg gewandelt zu einer Klinik für Familiengesundheit, geleitet von Oliver Kettner (57). Mit einem großen Tag der offenen Tür soll der runde Geburtstag im September gefeiert werden, wenn die Wetter- und Coronabedingungen vermutlich besser sind als gegenwärtig.

Bei Großfamilien eine Institution

Zum Kur- beziehungsweise Rehaaufenthalt in den Inselwesten kommen Familien, in denen Eltern an psychovegetativer Erschöpfung leiden, berichtet der Klinikleiter. Das Besondere am Therapeutikum Westfehmarn sei dabei, dass hier gerade Großfamilien ideale Bedingungen vorfinden und diese zum Therapieerfolg beitragen würden. Wegen der ungewöhnlich geräumigen Unterkünfte, in der Regel 70 bis 100 Quadratmeter große Wohnungen, sei das Therapeutikum bundesweit „vor allem bei Großfamilien zu einer Institution geworden. Schließlich können hier auch Familien mit bis zu zehn Kindern ihre Kur gemeinsam verbringen“, heißt es vonseiten der Klinik. Den Vätern werde es zudem ermöglicht, als Begleitperson mit nach Fehmarn zu kommen, so Kettner. So habe sich herausgestellt, dass dies ein wichtiger Aspekt sei, der zum Therapieerfolg beitrage.  

Wie beliebt das Therapeutikum bei den Familien ist, zeigt sich in der Belegungsstatistik. So verbrachten im vergangenen Jahr 75 Familien mit fünf oder mehr Kindern, davon drei mit acht Kindern, ihre dreiwöchige Kur in Petersdorf. Und die Nachfrage für dieses Angebot steigt. Statistisch gesehen habe sich die Kinderzahl in den vergangenen Jahren stetig um 0,2 erhöht. Bei einer Belegungszeit von 51 Wochen schlage sich dies schon spürbar nieder, so Kettner. Selbst weite Anreisen seien kein Problem, „im letzten Jahr kamen mehr als 200 Familien aus Bayern und Baden-Württemberg“. In der Spitze seien bis zu 180 Kinder auf dem Gelände des Therapeutikums, so Kettner.

Viele sagen, es war wie in Bullerbü, alles ohne Zäune.

Klinikleiter Oliver Kettner

Der Klinikleiter spricht von idealen Bedingungen auf dem rund vier Hektar großen Gelände mit Unterkünften, die über eine eigene Küche verfügten, Funktionsgebäude für Ärztinnen und Ärzte, Physiotherapie, Verwaltung, Küche mit Speisesaal sowie das Café Westwind mit Konferenzraum. Zusätzlich stehen zwei Kinderhäuser, ein großer Spielplatz und eine Scheune mit Bewegungsraum zur Verfügung. Nach Beendigung der Kur würden „viele sagen, es war wie in Bullerbü, alles ohne Zäune“, berichtet Kettner.

Bevor die Familien mit neuen Erkenntnissen und möglichst erholt in Richtung Heimat fahren und dabei im Idealfall an Bullerbü denken, haben sie allerdings ein Kur- beziehungsweise Rehaprogramm zu bewältigen, zu dem rund 100 Mitarbeiter des Therapeutikums ihren Beitrag leisten. Die Klinik sei einer der größten Arbeitgeber auf der Insel, berichtet Kettner, wobei die Mitarbeiter in rund zwei Dutzend Berufsbildern tätig seien.

Kohortenbildung in der Klinik

Stichwort Corona: Auf die Herausforderungen, die die Pandemie an den Betrieb einer Klinik stellt, habe sich das Therapeutikum gut eingestellt, so der Klinikleiter, denn ähnlich wie in Schulen seien Kohorten, unterteilt in vier Farben, gebildet worden. So wohne ein Teil der Familien beispielsweise in Appartements im gelben Bereich, andere im blauen. In Gemeinschaftsräumen wie dem Café Westwind oder auf dem großen Spielplatz gebe es dann Nutzungszeiten, untergliedert nach Farben. Aus therapeutischer Sicht habe das den Vorteil, dass sich Familien, aber auch die Kinder untereinander schnell Netzwerke aufbauen könnten, so Kettner, der verkündet: „Das geschlossene Gruppensystem in der Therapie wollen wir beibehalten.“

Nichtsdestotrotz sehnen sicherlich alle Mitarbeiter und Familien die kommenden Wochen und Monate herbei, in denen auf dem Klinikgelände Coronalockerungen durchgeführt werden können und auf dem geplanten Jubiläumsfest im September wieder ein ungezwungeneres Miteinander möglich ist.

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