Mord in Gremersdorf: Prozessauftakt in Lübeck / Angeklagter schweigt

34-mal zugestochen

+

Lübeck/Gremersdorf – Von Manuel Büchner Rund sechs Monate nach der Ermordung einer 28-Jährigen in einem Feldweg zwischen Gremersdorf und Heiligenhafen hat am Mittwoch am Landgericht Lübeck der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen.

Am 18. Februar wurde gegen den jetzt 23-jährigen Oldenburger ein Haftbefehl erlassen, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Die Anklage der Staatsanwaltschaft wurde am 12. Juni erhoben und rund einem Monat später auch zugelassen. Staatsanwältin Ann-Sofie Portius verlas am Mittwoch zunächst die Anklage. Dem gebürtigen Iraker wird ein heimtückischer Mord aus niedrigen Beweggründen zur Last gelegt. Die anschließende Schilderung der Abläufe hatte es in sich.

In einer dreimonatigen Liebesbeziehung habe sich der Iraker mit seiner Freundin zum Tatzeitpunkt befunden, so Portius: „Er wollte heiraten, sie ihre Freiheit genießen.“ In der Beziehung überwachte und verfolgte der mutmaßliche Täter die 28-Jährige, was zu Streitigkeiten zwischen beiden führte. „Er sah sie als seinen Besitz an“, so die Staatsanwältin.

Auch am Abend vor dem Mord überwachte der Iraker seine Freundin, die sich mit einem anderen Mann traf, mit dem sie ein geheimes Verhältnis hatte. Nach dem Treffen brachte dieser Mann die 28-Jährige bis zu ihrer Haustür in Oldenburg, wo beide den Angeklagten bemerkten, woraufhin dieser sich in seinem Auto entfernte.

Wenig später, um 0.32 Uhr, hatte der Angeklagte die Frau von zu Hause abgeholt – unter dem Vorwand eines klärenden Gespräches. „Der Plan, die Frau zu töten, stand zu diesem Zeitpunkt bereits fest“, behauptete Portius. So führte der mutmaßliche Täter ein Messer mit einer 15 Zentimeter langen Klinge mit sich, als er sein Fahrzeug in einen Feldweg zwischen Heiligenhafen und Gremersdorf lenkte. Beide seien dann ausgestiegen – dann habe der 23-Jährige angefangen, sein Opfer zu würgen und auf sie einzustechen.

Todesursache Ersticken und hoher Blutverlust

Von 34 Stich- und Schnittverletzungen sprach die Staatsanwältin gestern im Landgericht. Zwischendurch soll der mutmaßliche Täter die Frau 15 Meter weit auf dem Boden entlanggezogen und dann weiter gewürgt und vor allem in Hals, Nacken und Oberkörper gestochen haben, wo erhebliche Verletzungen festgestellt wurden, so die Staatsanwältin, die die Todesursache als eine Kombination aus Ersticken und hohem Blutverlust benannte.

Der Angeklagte machte keine Angaben. Lediglich 15 Minuten dauerte zudem der Prozessauftakt, bevor der Vorsitzende Richter Christian Singelmann den Prozesstag beendete. Grund dafür: Der psychiatrische Gutachter Dr. Thomas Bachmann hatte abgesagt. Die Aufgabe des Fachmannes ist es, den ganzen Prozess mitzubekommen, um die Verfassung des Angeklagten zu bewerten. Zu guter Letzt hatte die Nebenklägerin nicht rechtzeitig ein Visum bekommen und war daher nicht anwesend.

Das Gericht hat insgesamt neun Hauptverhandlungstage anberaumt und 25 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Der zweite Verhandlungstag soll am 19. August (Montag) sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.