Bank Brill Bürgervorsteherin Kommunalpolitik
+
Übergabe der Sitzbank in kleinem Kreis. Brigitte und Reimund Brill hatten Siegfried Göller (h.l.) stellvertretend für Fehmarns Bürger, Bürgermeister Jörg Weber und den stellvertretenden Bauhofleiter Kevin Kühl in den Stadtpark geladen.

40 Jahre für die Menschen da: Fehmarns Bürgervorsteherin zieht sich zurück

  • Andreas Höppner
    VonAndreas Höppner
    schließen

Nach 40 Jahren in der Kommunalpolitik legt Brigitte Brill am Ende des Monats ihre Ämter nieder und zieht sich zurück. Ein offenes Ohr für die Bewohner der Insel will sie aber weiterhin haben.

  • Start in die Kommunalpolitik: Brill wurde im April 1982 Stadtvertreterin in Burg – zahlreiche Stationen folgen.
  • Fehmarns Bürgervorsteherin seit 2013.
  • Brill erhält im Dezember 2019 die Freiherr-vom-Stein-Verdienstmedaille für ihre herausragende kommunalpolitische Tätigkeit.

Fehmarn – Fehmarns Bürgervorsteherin Brigitte Brill (SPD) zieht sich nach 40 Jahren aus der Kommunalpolitik zurück. Zum Ende des Monats legt sie ihr Mandat als Stadtvertreterin nieder und gibt somit auch das Amt der Bürgervorsteherin ab, das sie mit großem Engagement und viel Freude seit Juni 2013 ausübt. 

„Ende des Monats ist Schluss mit der Politik, es geht leider nicht mehr“, sagte sie mit stockender Stimme bei der offiziellen Übergabe einer von ihr gestifteten Sitzbank, die ihren Platz im Rosenrondell im Stadtpark gefunden hat. Die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen, doch nachdem sie sie nun getroffen habe, sei sie auch ein wenig erleichtert, gibt die 71-Jährige zu. Sie stemmt sich mit Macht gegen eine schwere Erkrankung und weiß dabei ihren Mann Reimund an der Seite, der ihr eine wichtige Stütze ist und bei der Einweihung der Sitzbank nicht fehlen durfte. 

Ohne dich würde ich hier nicht stehen.

Bürgermeister Jörg Weber

Auch Bürgermeister Jörg Weber (SPD) ließ es sich nehmen, an diesem offiziellen Part in kleiner Runde teilzunehmen. „Die Bank ist dein politisches Abschiedsgeschenk“, bedankte sich Weber bei der Bürgervorsteherin und ergänzte: „Ohne dich würde ich nicht als Bürgermeister hier stehen.“ Eine im ersten Moment überraschende Aussage. Weber erinnerte aber daran, dass er als er relativ frisch Zugereister zum traditionellen Matjesessen der SPD Fehmarn eingeladen war und Brigitte Brill ihn zur Kandidatur überredete. Dankbar sei er immer auch für ihre Kritik gewesen, die sie nie öffentlich, sondern immer intern im direkten Gespräch geäußert habe.

„Es war eine tolle Zusammenarbeit, jetzt hast du es verdient, zur Ruhe zu kommen“, so Weber in seiner kurzen Ansprache. „Ich bin ja nicht weg, ich bleibe präsent in der Öffentlichkeit“, machte Brigitte Brill deutlich, dass sie weiterhin den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Fehmarn halten wolle und am öffentlichen Leben teilnehmen werde.

Bürgervorsteherin Brigitte Brill zieht sich Ende März nach 40 Jahren aus der Kommunalpolitik zurück.

Ich bin in die Politik gegangen, um etwas für meine Mitmenschen zu bewirken und für sie da zu sein.

Brigitte Brill

„Ich bin in die Politik gegangen, um etwas für meine Mitmenschen zu bewirken und für sie da zu sein“, so die Bürgervorsteherin gegenüber dem FT und erinnerte an ihre Anfänge als ehrenamtliche Stadtvertreterin in Burg im April 1982. Vor allem in sozialen Bereichen hat sie sich über vier Jahrzehnte eingebracht. Zunächst als Mitglied unter anderem im Sport-, Jugend- und Kulturausschuss, ab 1986 auch als Vorsitzende des Sozialausschusses. Bei den Seniorenfahrten war sie als Begleitung dabei, und im Rahmen des Weihnachtshilfswerks hat sie sich für hilfsbedürftige Personen eingesetzt, aber auch jahrelang die Ferienpassaktionen der Kinder aktiv unterstützt.

Sie war ab April 1990 erste Stadträtin in dem bis dahin nur von Männern besetzten Magistrat der Stadt Burg. Nach Abschaffung des Magistrats übernahm sie im April 1998 den Vorsitz im neu entstandenen Hauptausschuss und wurde stellvertretende Bürgervorsteherin.

Verleihung der Verdienstmedaille

Gerne erinnert sich Brigitte Brill auch an die Anfänge der Städtepartnerschaft mit Neringa zurück, die sie gemeinsam mit dem früheren Bürgervorsteher Uwe Hardt und dem damaligen Bürgermeister Klaus Tscheuschner zur Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung nach Litauen führte. „Eine wunderschöne Landschaft und ganz herzliche Menschen“, schwärmt sie.

Nach der Fusion der Stadt Burg mit den Landgemeinden wurde Brigitte Brill zur Ehrenstadtvertreterin ernannt, 2003 dann zur 2. stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Fehmarn gewählt. Von 2008 bis 2013 wirkte sie als bürgerliches Mitglied im Tourismusausschuss mit, bevor sie sich entschloss, erneut für die Stadtvertretung zu kandidieren. Seitdem ist sie fast neun Jahre am Stück als Bürgervorsteherin ehrenamtlich engagiert. „Ich bin stolz darauf, dieses Amt ausüben zu dürfen“, so Brigitte Brill, die es liebt, „nah am Menschen“ zu sein, sich für die Belange aller einsetzen zu dürfen und „ehrlich und menschlich mit jedem umzugehen“. So kommt es nicht von ungefähr, dass der engagierten Bürgervorsteherin im Dezember 2019 die Freiherr-vom-Stein-Verdienstmedaille, mit der eine herausragende ehrenamtliche kommunalpolitische Tätigkeit gewürdigt wird, verliehen wurde.  

Und auch in ihrer nun zu Ende gehenden Zeit als Bürgervorsteherin lässt sie nicht locker. In Anbetracht der katastrophalen Lage in der vom Krieg heimgesuchten Ukraine und der zahlreichen Flüchtlinge, die auch in Deutschland Schutz suchen, bittet sie darum, auch auf Fehmarn Unterkünfte herzurichten und sie den geflüchteten Menschen zur Verfügung zu stellen. „Öffnen wir unsere Herzen und heißen sie willkommen“, hofft die Bürgervorsteherin auf die Hilfsbereitschaft der Inselbewohner.

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.