Ulrike Krieger, Willi Weidenstraß und Klaus Bischoff
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Auf der Mitgliederversammlung der JSG Fehmarn erhielt Willi Weidenstraß (M.) durch Ulrike Krieger und Klaus Bischoff den DFB-Ehrenamtspreis 2020.

Hohe Auszeichnung für Trainerlegende

58 Jahre im Ehrenamt: Willi Weidenstraß erhält DFB-Ehrenamtspreis 2020

  • Lars Braesch
    VonLars Braesch
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Willi Weidenstraß erhält den DFB-Ehrenamtspreis 2020. Auf der Mitgliederversammlung der JSG Fehmarn wurde der 82-Jährige ausgezeichnet.

  • Von einem Facebook-User für den Preis vorgeschlagen.
  • Fußballerische Karriere begann mit zehn Jahren 1949.
  • Schwere Verletzung stoppt Karriere als Fußballer.

Fehmarn – Auf der Insel ist Willi Weidenstraß bekannt wie ein bunter Hund. Der 82-Jährige aus Dänschendorf ist fußballverrückt. Sein Fußballwissen vermittelt Weidenstraß gern an den Nachwuchs. Sei es bei der JSG Fehmarn als Trainer oder in „Willis kleiner Fußballschule“ auf dem Dänschendorfer Sportplatz in den Sommerferien. Mit großen Augen und vollkommen auf ihren „Willi“ fokussiert saugen die Kinder und Jugendlichen jedes Wort der Trainerlegende förmlich auf.  

Nach einem Besuch eines NDR-Filmteams im Juli 2019 wurde Willi Weidenstraß für den DFB-Ehrenamtspreis von einem Facebook-User vorgeschlagen. Seine Frau Monika musste erst einmal googeln, was der DFB-Ehrenamtspreis genau ist. Da nur Vereine jemanden für den Preis vorschlagen können und keine Privatpersonen, wendete sich Monika Weidenstraß per Mail an den JSG-Vorsitzenden Sebastian Wagener. Die Jugendsportgemeinschaft leitete den Vorschlag an den Kreisfußballverband (KFV) Ostholstein weiter, der einmal im Jahr seine Kreissieger im Ehrenamt kürt. Hier kam an Willi Weidenstraß kein Ehrenamtler vorbei. Im Uwe-Seeler-Fußballpark in Malente trafen sich die elf Kreissieger zu einem Dankeschön-Wochenende. 

Kürzlich auf der Mitgliederversammlung der JSG wurde der 82-Jährige, der auf unglaubliche 58 Jahre im Ehrenamt zurückblickt, mit dem DFB-Ehrenamtspreis 2020 überrascht. Die Vorsitzende des SHFV-Ausschusses für Ehrenamt- und Freiwilligenmanagement, Ulrike Krieger, hatte die Ehrung gemeinsam mit dem KFV-Vorsitzenden Klaus Bischoff vorgenommen. 

Für mich ist Willi Weidenstraß ein lebendes Ehrenamt.

Ulrike Krieger, Vorsitzende des SHFV-Ausschusses für Ehrenamt- und Freiwilligenmanagement

„Für mich ist Willi Weidenstraß ein lebendes Ehrenamt“, erklärte Ulrike Krieger auf Nachfrage. Im hohen Alter könne Weidenstraß seine Begeisterung für Fußball schnell weitergeben. „Auch vergisst Willi Weidenstraß dabei seine Frau nicht, denn ein Ehrenamtler ist nur so stark, wie es der Partner zulässt“, so Krieger. Weiterhin wurde der DFB-Ehrenamtspreisträger zusammen mit Bianca Freytag (Eichholzer SV) und Kai Petersen (FC Burg) für ein Jahr in den „Club 100“ aufgenommen. Mit dem „Club 100“ würdigt der DFB das Engagement seiner Ehrenamtlichen aus den Landesverbänden. „Die Aufnahme in den ,Club 100‘ ist eigentlich immer mit einem Länderspiel verbunden“, so Krieger. Bekanntlich waren während der Corona-Pandemie keine Länderspiele mit Zuschauern erlaubt, der DFB hat sich deshalb etwas anderes einfallen lassen.  

Essen mit hochrangiger Fußball-Prominenz

Die offizielle Aufnahme in den „Club 100“ soll nun am 16. Oktober im DFB-Museum in Dortmund nachgeholt werden. Dort gibt es dann auch ein Essen mit hochrangiger Fußball-Prominenz.

Nach dem 2. Weltkrieg, 1949, begann für Willi Weidenstraß im Alter von zehn Jahren die fußballerische Karriere beim BC Noithausen. „Damals gab es noch keine E-Jugend, man musste als kleiner Knirps in der C-Jugend anfangen“, berichtete Willi Weidenstraß. 

Im Spiel BC Noithausen gegen den VfB Gindorf schoss Willi Weidenstraß alle fünf Tore. BC gewann mit 5:1. „Vier Tore habe ich dem Gegner einschenken können, ein Freistoß habe ich als Brillenträger ins eigene Tor abgefälscht“, so Weidenstraß. Zu Hause gab es Ärger, da Brillen damals sehr teuer waren. Was, wenn sie kaputtgegangen wäre? Seitdem stand Weidenstraß nie wieder in einer Mauer.

1964 eine D-Jugend übernommen

Als Willi Weidenstraß in die Herrenmannschaft kam, wechselte er zum TuS Grevenbroich. Dort spielte er zwei Jahre, bevor es zum BC zurück ging. 1964 übernahm Weidenstraß erstmals eine D-Jugend als Coach. 

1971 stieg Trainer Weidenstraß mit der A-Jugend des TuS Grevenbroich in die Niederrhein-Liga auf. In Duisburg erwarb der glühende Schalke-Fan 1972 die B-Lizenz als Trainer. Ein Jahr später wurde die Karriere von einer schweren Verletzung überschattet. 

In einem Freundschaftsspiel zog sich Willi Weidenstraß einen Schienbeinkopfbruch im linken Bein zu. Zudem waren alle Bänder gerissen. Rund eineinhalb Jahre dauerte es, bis Willi Weidenstraß mit einer Gipsröhre als Trainer auf den Fußballplatz zurückkehrte. Die Karriere als Fußballer war aufgrund der Verletzung vorbei. 

1992 erster Urlaub  auf Fehmarn

Nach einer Operation wegen eines Magendurchbruchs verbrachte Willi Weidenstraß gemeinsam mit seiner Frau Monika 1992 den ersten Urlaub auf Fehmarn. Die erste Amtshandlung beim Vermieter in Altenteil: Willi Weidenstraß erkundigte sich damals nach einem Fußballverein. 

Monika und Willi Weidenstraß mit den Urkunden „Club 100“ und DFB-Ehrenamtspreis

„Uns wurde der FC Dänschendorf empfohlen, der damals ein Pokalspiel hatte. Da unser Zimmer noch nicht frei war, machten wir einen Spaziergang durch Dänschendorf. Dort war ein Haus zu verkaufen. Das machte uns neugierig“, blickten die Eheleute zurück. 1999 zog das Ehepaar dann von Grevenbroich nach Fehmarn. 

Auf der Insel ist Willi Weidenstraß der erste Trainer, der die Viererkette erfolgreich etablieren konnte.                 

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