"Pimp my island" - Politik zum Anfassen - Wo liegt eigentlich "Gold"?

"68er" der Inselschule beschlossen Wasserski-Anlage

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Reichlich Wortmeldungen im Jugendparlament der Insel. 68 Schüler machten Vorschläge, wie man die Insel verbessern könnte.

FEHMARN - Von Nicole Rochell - Von wegen „Politik ist doof, ist trocken und versteh‘ ich sowieso nicht“. Für die Schülerinnen und Schüler der drei 8. Klassen der Inselschule Fehmarn stand eine Projektwoche lang nichts anderes auf dem Stundenplan. In Theorie und Praxis bereiteten sie sich, nicht zuletzt mit Hilfe echter Kommunalpolitiker, auf das gestrige Planspiel „Pimp my Island“vor. Eine Simulation der Realität: Die Mädchen und Jungen schlüpften in die Rolle von Stadtvertretern und arbeiteten unter Vorsitz von Bürgervorsteherin Margit Maaß am Nachmittag eine 18 Tagesordnungspunkte umfassende Stadtvertretersitzung ab.

68 Stadtvertreter (fünf hatten sich vor der Sitzung ordnungsgemäß krank gemeldet), so viel wie für eine 650 000 Einwohner zählende Stadt politisch aktiv sein würden, waren in der Mensa der Inselschule zusammengekommen.

Der altehrwürdige Sitzungssaal des Burger Rathauses, das die Mädchen und Jungen im Rahmen der Projektwoche ebenfalls besucht hatten, wäre auch aus allen Nähten geplatzt.

Selbst Fehmarns 23-köpfige Stadtvertretung tagt nicht dort, sondern bekanntlich im Senator-Thomsen-Haus.

Spannende Themen

Spannende Themen hatten die Mädchen und Jungen zuvor in Ausschusssitzungen (Bau/Verkehr/Umwelt, Schule/Kultur/Sport und Jugend/Soziales/Tourismus) am gestrigen Planspieltag erarbeitet. Die Stadtvertreter Marianne Unger (SPD), Josef Meyer (CDU) und Gunnar Mehnert (SPD) gaben den Schülern, die später klassenweise je eine Fraktion bildeten, Tipps und plauderten ein wenig aus dem echten kommunalpolitischen Nähkästchen.

Drei Fraktionen? Pardon. Es hatte sich in der 8 d eine Abspaltung ergeben. Statt weiter bei ihren Klassenkameraden zu sein oder sich der 8 c oder 8 e anzuschließen, bildeten Ole und Lennart ihre eigene Fraktion. Die Ole-Lennart-Partei Deutschland, die OLPD. Als solche brachten sie auch den Tagesordnungspunkt durch, einen City-Markt nach Lübecker Vorbild auf Fehmarn zu errichten.

Fördergelder für Jugendvereine abgelehnt

Die 14- bis 16-Jährigen hatten jede Menge Ideen für die Zukunft Fehmarns. So setzten sie „Fördergelder für Jugendvereine“ auf die Tagesordnung. Damit die Jugendvereine, wenn sie in höheren Ligen spielten, die Insel bekannter machten und damit den Tourismus förderten, sei eine größere Förderung nötig, fand die 8c.

Der Antrag wurde abgelehnt.

Angenommen wurde der Antrag der 8e, Spinte für jeden Schüler der Inselschule anzuschaffen. Die Schließfächer, die gemietet werden könnten, beugten Rückenschmerzen vor und seien auch „gut für die Kinder und Jugendlichen mit Vergesslichkeit“.

Grünes Licht für den Antrag der 8c, in Gold eine Wasserskianlage zu installieren. Auch wenn einige der jungen Stadtvertreter nicht genau wussten, wo Gold denn eigentlich liegt, fand das Projekt dennoch Zustimmung. „Die Anlage würde viele Touristen anlocken und wäre auch für die Inselbewohner eine Attraktion. Für die Anlage benötigt man nur ein paar Boote und Wasserskier.“

Disco genehmigt

Eine Disco für Jugendliche Die Stadtvertreter winkten auch den Antrag der 8 d durch, eine Disco für Jugendliche anzubieten. „Wir würden gerne eine Disco für Jugendliche haben, denn es gibt ja nur Discos für Erwachsene, und dann natürlich auch Alkohol, aber wir wollen eine Disco ohne Alkohol“, hieß es im Antrag.

Und in der Begründung dazu: „Dass die Jugendlichen auch mal weg können und dass dann nicht irgendwo im Stadtpark oder an der Halfpipe oder auch am Gym nicht mehr Alkohol getrunken wird, sondern alkoholfreie Cocktails in der Disco.“

Klasse Leistung: Petra Carbuhn aus Dänschendorf holte die Aktion "Politik zum Anfassen" in die Inselschule. Sie begeisterte die Lehrerschaft und die Stadtvertretung dafür.

Dem Antrag der Fraktion 8 e, das Internet zu erweitern und die Leitungen zu verbessern, wurde stattgegeben. „Das Internet ist sehr langsam, wir wollen eine schnellere Internet-Verbindung auf der Insel Fehmarn, damit die Schüler und Schülerinnen besser und schneller arbeiten können.“

Keine Schuluniformen für die Inselschule Nicht immer war die Antrag stellende Fraktion einer Meinung. Wie die 8 d beim Thema „Schuluniform für die Inselschule“. Jeder könne und solle das tragen, was er möchte, war die einhellige Meinung der jungen Stadtvertreter, die der Schuluniform in fiktiver Sitzung den Garaus machten. Viele interessante Themen waren dabei, wie „Mehr und bessere Laternen in den Dörfern“ (angenommen) oder „Wir brauchen eine große Mauer, um Graffiti zu sprayen“ (abgelehnt). Dem Bau eines Freilichttheaters in Burgstaaken wurde in gestriger Stadtvertretersitzung ebenso zugestimmt, wie dem Bau eines Jugendhauses in Petersdorf.

Die Sitzung war spannend, weil oftmals kontrovers diskutiert wurde und sich die 68 Stadtvertreter lediglich bei einem einzigen Tagesordnungspunkt einig waren: beim Essen der Schulmensa. Es soll nur noch frisches und gesundes Essen in der Schulmensa serviert werden und es soll mehr geben, damit jeder essen kann, hieß es im Antrag. Detailliertere Begründungen wie „einige Schüler bekommen Bauchschmerzen und ihnen ist übel vom Essen“, wie es im Antrag der 8 d hieß, ließ Bürgervorsteherin Maaß gestern Nachmittag nicht zu. Sie hatte auch so verstanden:

Das Thema, das alle Fraktionen beschäftigt hatte, lasse sich in der Stadtvertretersitzung nicht klären. Es müssten weiterführende Gespräche mit der Schulleitung, der Stadt, den Betreibern und dem Catering geführt werden, so Maaß. Politik auf dem Stundenplan Politik auf dem Stundenplan. Das hatte der Verein „Politik zum Anfassen“ aus Hannover ermöglicht. Er hat bereits mehrfach erfolgreich das politische Planspiel unter dem Titel „Pimp your Town“ im Rathaus in Hannover durchgeführt und in diesem Jahr als „City-Upgrade“ in Hildesheim. Es wurde zusammen mit der Stadt Hannover als einer der „Orte im Land der Ideen 2011“ ausgezeichnet.

Das Projekt hat übrigens Oberstufenschülerin Petra Carbuhn aus Dänschendorf nach Fehmarn geholt.

Sie hatte die Vorbereitungen zum Planspiel in Hannover im Rahmen eines zweiwöchigen Schülerpraktikums beim Verein „Politik zum Anfassen“ kennengelernt.

Für sie war sofort klar, dass dieses Projekt auch an der Inselschule durchgeführt werden müsse. Statt „Pimp my Town“ war schnell der passende Titel „Pimp my Island“ gefunden.

Die echte Bürgervorsteherin, Margit Maaß (Mitte) ließ es sich nicht nehmen, an der Sitzung des Jugendparlamentes teilzunehmen.

Bei der Schulleitung, der WiPo-Fachschaft und der Stadt wurde Petra Carbuhn vorstellig, und konnte alle von ihrer Idee begeistern. Auch die Geldgeber, die Stadt, das Projekt „Stark für ein besseres Miteinander“ und der Förderverein der Schule, die je ein Drittel der Kosten für das erstmals auf Fehmarn durchgeführte Projekt übernahmen, waren schnell gefunden. Petra Carbuhn wirkte gestern auch in der Presseklasse des 13. Jahrgangs mit, die als „Journalisten“ die Arbeit der Achtklässler begleitete und ein Magazin und einen Film über das Planspiel produziert.

Übrigens: Die Mappe mit den insgesamt 47 Tagesordnungspunkten, von denen 18 in gestriger Sitzung diskutiert und über die abgestimmt wurde, wird den Stadtvertretern ausgehändigt.

„Erfahrungsgemäß ist es so, dass etwa jede vierte Idee aufgegriffen wird“, so Projektleiter Gregor Dehmel, der gemeinsam mit seiner Frau und Team das Projekt durchführte.

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