Zero Emission Fähre Scandlines Fehmarn
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Die in Auftrag gegebene neue Frachtfähre der Reederei Scandlines. Ab 2024 soll sie auf dem Fehmarnbelt zwischen Puttgarden und Rødby verkehren.

80 bis 90 Millionen Euro Investitionen

Ab 2024 im Einsatz: Reederei Scandlines bestellt batteriebetriebene Frachtfähre für Puttgarden-Rødby

  • Andreas Höppner
    VonAndreas Höppner
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Der Traum vom emissionsfreien Antrieb in der Schifffahrt: Die Reederei Scandlines will dies Wirklichkeit werden lassen und hat eine batteriebetriebene Frachtfähre geordert. Inbetriebnahme 2024.

  • Scandlines gibt batteriebetriebene Frachtfähre in Auftrag für die Strecke Puttgarden-Rødby.
  • Neue Fähre wird höhere Frachtkapazität haben.
  • Strom „tanken“ wird die Fähre wohl zunächst nur auf dänischer Seite.

Fehmarn – Aus einer Vision ist zumindest schon einmal auf dem Papier Realität geworden. So hat die Reederei Scandlines jetzt den Bau einer emissionsfreien Frachtfähre für die Strecke Puttgarden-Rødby in Auftrag gegeben. Vertragspartner ist die türkische Werft Cemre (Istanbul). 2024 soll die neue Fähre ihren Betrieb aufnehmen und die nächste Schiffsgeneration auf der Route einleiten. Die mit Schiffsdiesel betriebenen Frachtfähren „Holger Danske“ und „Kronprins Frederik“ werden dann außer Dienst gestellt.    

Neubau kostet bis zu 90 Millionen Euro

„Der Fährneubau hat ein Investitionsvolumen von 80 bis 90 Millionen Euro“, teilt Scandlines-Pressesprecherin Anette Ustrup Svendsen mit. Zusätzlich werden weitere Investitionen notwendig für den Umbau der Fährbetten 1 in Puttgarden und 3 in Rødby sowie am Lkw-Terminal in Puttgarden.

Scandlines erhöht Frachtkapazität

Mit dem Einsatz der neuen Fähre, die 66 Frachteinheiten transportieren kann, werde die Frachtkapazität um 23 Prozent erhöht, so Scandlines. „Mit der größeren Kapazität sind wir in der Lage, dem steigenden Bedarf an Frachtkunden nachzukommen. Allein im Jahr 2021 ist die Anzahl der Frachteinheiten um zwölf Prozent gestiegen“, berichtet der neue Scandlines-CEO Carsten Nørland.

2020 transportierte Scandlines auf der Route Puttgarden-Rødby 494276 Frachteinheiten, vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019 waren es 529341 Frachteinheiten. In diesem Jahr liegen die Frachtzahlen demnach über denen vor der Pandemie, was die Investitionsentscheidung gestützt haben dürfte.

Dem Traum eines emissionsfreien Fährverkehrs näherkommen

Dem Reederei-Traum von einem emissionsfreien Fährverkehr ist Scandlines nun ein großes Stück nähergekommen. Zero-Emission-Überlegungen gibt es bereits seit einem Jahrzehnt, seit 2011 sei „Zero Emission ein zentraler Bestandteil“ der Unternehmensstrategie, so Ustrup Svendsen. 

Auf dem Weg zum emissionsfreien Fährverkehr wurden in einem ersten Schritt die auf dem Fehmarnbelt sowie zwischen Rostock und Gedser verkehrenden Fähren auf Hybrid-Betrieb umgerüstet, teilweise zusätzlich auch mit einem Rotorsegel (Rostock-Gedser)  ausgestattet worden. 

Bei Scandlines liegt der Fokus schon lange auf dem ganzen Bereich Nachhaltigkeit.

Vagn Sørensen, Aufsichtsratsvorsitzender von Scandlines

„Bei Scandlines liegt der Fokus schon lange auf dem ganzen Bereich Nachhaltigkeit. Das Hybridsystem war ein Quantensprung im grünen Fährbetrieb. Scandlines hat nicht nur die weltgrößte Flotte an Hybridfähren, sondern unser System wird auch weltweit kopiert und ist ein gigantischer Erfolg. Jetzt sind wir bereit, den nächsten Schritt zu machen und die erste emissionsfreie Fähre einzusetzen. Damit steht die nächste Generation bereit, Puttgarden-Rødby zu übernehmen“, so Vagn Sørensen, Aufsichtsratsvorsitzender von Scandlines.

Flexibilität spielt für die Reederei eine wichtige Rolle

Bei der Nutzung der neuen Frachtfähre kommt der Eigenschaft Flexibilität eine wichtige Rolle zu. So soll eine emissionsfreie Überfahrt 60 Minuten dauern. Im Hybridbetrieb kann es aber auch 15 Minuten schneller gehen, wenn die neue Frachtfähre beispielsweise als Ersatz für eine der vier Doppelendfähren eingesetzt wird, sollten für diese Werftliegezeiten anstehen.

Infrastruktur fürs laden der Akkus zunächst auf dänsicher Seite

Mit Strom „betankt“ wird die neue Fähre in Rødby, wo Scandlines bereits vor zwei Jahren ein 50-kV-Stromkabel hat verlegen lassen. Nun erfolgt die Verlängerung bis zu den Fährbetten sowie der Bau eines Transformators und einer Ladestation. Sobald es auch auf deutscher Seite eine gute Lösung gebe für den „Einkauf grüner Energie“, soll laut Scandlines auch in Puttgarden ein Anschluss installiert werden. 

NABU lobt die Entscheidung der Reederei

„Der NABU begrüßt diesen weiteren großen Schritt der Reederei Scandlines auf dem Weg zur emissionsfreien Schifffahrt ausdrücklich. Scandlines senkt nicht nur die eigenen Emissionen erheblich und beweist, dass auch größere Schiffe schon heute komplett ohne Treibhausgas- und Luftschadstoffemissionen fahren können, sondern ebnet mit seiner Pionierrolle auch den Weg für die klimaneutrale Schifffahrt. Wir sind dankbar für diesen mutigen Schritt“, reagiert Sönke Diesener, Verkehrsreferent vom NABU.

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