Große Demo gegen geplantes Angelverbot mit anschließendem Trauermarsch

Abschied vom Angeltourismus

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Der Sensenmann mit der Barbara-Hendricks-Maske führte Sonnabend den Trauermarsch durch die Heiligenhafener Innenstadt an.

Von Patrick Rahlf und Laura Oswald-Jüttner FEHMARN/HEILIGENHAFEN - Um gegen das vom Bundesumweltministerium geplante Freizeitangelverbot in Teilen der Nord- und Ostsee, auch im Fehmarnbelt, zu demonstrieren, haben die Organisatoren der Anglerdemo 2.0 am Sonnabend in Heiligenhafen schwere Geschütze aufgefahren. Der Angeltourismus wurde während eines Trauermarsches durch die Innenstadt zu Grabe getragen, wenig später fand die Seebestattung im Fehmarnsund statt. Im Vorfeld geizten die Organisatoren nicht mit schärfster Kritik in Richtung der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

Auch wenn die Ministerin erwartungsgemäß nicht den Weg in die Warderstadt gefunden hatte, so war sie dennoch präsent. Ein schwarz gekleideter Sensenmann trug eine Maske mit dem Gesicht Hendricks‘ und führte später auch den Trauermarsch an, an dem sich mehrere Hundert Menschen beteiligt hatten – der Widerstand in der Region wächst spürbar.

Mitveranstalter Lars Wernicke fand schon in seiner Eröffnungsrede, die symbolträchtig um fünf vor zwölf begann, deutliche Worte: „Die ganzen Verbotspläne haben keine wissenschaftliche Grundlage. Hier wird anglerfeindliche Politik ohne jegliche Argumente betrieben.“ Politiker hätten ihm in den vergangenen Monaten und Jahren häufig „stumpf ins Gesicht gelogen“, die Leidtragenden seien alle Freizeitfischer und jene Menschen, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Große Frachter, Sportboote und die gewerbliche Fischerei seien im Fehmarnbelt aktiv, hinzu komme noch der geplante Belttunnel. „Und dann sind wir es – die Freizeitangler mit ihren Gummifischen –, die alles kaputtmachen sollen? Das ist ein Skandal.“

So gut das Wetter Sonnabend auch war, der angeschlagene Ton war rau. Holger Ortel, Präsident des Deutschen Fischerei-Verbandes, sprach von einem grün-verseuchten Berlin und machte deutlich: „Wer so mit den Menschen umgeht, bekommt die Quittung und wird abgewählt.“

Für Heiligenhafens Touristikleiter Manfred Wohnrade gehören die Angelfahrten zur Warderstadt wie die Stadtkirche oder die Gilde. „In diesem Jahr hat es bereits einen Fahrgastrückgang von 60 Prozent bei unseren Betrieben vor Ort gegeben. Es herrscht ein komplettes Chaos, weil viele Angler denken, sie seien hier nicht mehr willkommen.“ Claus-Hartwig Kölln brachte es anschließend auf den Punkt: „Die Betriebe sind an ihre Standorte gebunden, die Angler werden hingegen nach Skandinavien weiterziehen.“ In Deutschland gebe es 1,5 Millionen organisierte Angler, was einen riesigen Wirtschaftszweig bedeute.

Nach Angabe von Demo-Mitorganisator Lars Wernicke müsse die Politik sofort reagieren, um das Angelverbot noch zu stoppen. „Bislang sind wir mit Worten nicht weitergekommen, deshalb mobilisieren wir die Öffentlichkeit und hoffen, dass davon etwas in Berlin ankommt. Solange es keine wissenschaftliche Begründung für die Verbotspläne gibt, machen wir weiter.“

Pünktlich um 14.30 Uhr stachen von Burgstaaken aus die „Silverland“, die „Südwind“, die „Karoline“ und einige kleinere Boote in See mit Kurs auf den Fehmarnsund. Bald schon gesellten sich die Kollegen aus Heiligenhafen hinzu, sodass am Ende mehr als 50 Kutter und Boote Richtung Fehmarnsundbrücke unterwegs waren. Auch einige Segelschiffe verstärkten den Tross noch.

Der Sensenmann bestattete die Urne in der Ostsee.

Die „Seho“ aus Heiligenhafen fuhr stets vorweg, da sie der Mittelpunkt der Demo war. An Bord befand sich neben dem Sensenmann auch eine Urne, die den Angetourismus symbolisierte und im Sund versenkt werden sollte.

In Höhe der Bootswerft Martin am Sund gingen die Boote in Stellung. Geplant war eigentlich, in Reihe zu liegen, doch das klappte nicht. Also bildeten die Kutter und größeren Boote einen Kreis um die „Seho, während die kleineren hin und her fuhren.

Auftritt des Sensenmanns: Er hielt die Urne mit der symbolischen Asche in die Höhe, während die Besatzung des Schiffes Blumen ins Wasser warf und Klagegesänge anstimmte. Bedächtig verschwand die Urne in der Ostsee, die Seebestattung für den Angeltourismus war vollzogen.

Kurz darauf ließen alle umliegenden Schiffe ihre Signalhörner aufheulen, um den „Verstorbenen“ zu betrauern. Aus Solidarität machten auch Schiffe, die nicht an der Demonstration teilgenommen hatten, auf sich aufmerksam.

Auf dem Weg zurück nach Burgstaaken wurde hitzig über das Angelverbot diskutiert. Obwohl die meisten Gäste an Bord der „Karoline“ keine passionierten Angler waren, konnten sie das Anliegen der Demonstranten verstehen. „Ein Angelverbot zum Umweltschutz ist an dieser Stelle ein komplett falscher Ansatz“, ereiferte sich ein Gast und führte weiterhin aus, er finde es „hirnrissig“, auf der einen Seite ein Angelverbot mit Umweltschutz zu rechtfertigen, auf der anderen Seite aber einen Tunnel durch den Belt bauen zu wollen. „Solange Menschen entscheiden, die keine Ahnung haben, gibt es solche Verbote immer wieder“, war sich eine Urlauberin sicher.

Die Teilnehmer der Bootsdemo hoffen, dass sie zumindest weitere Menschen für das Thema sensibilisieren konnten. Schließlich geht es für einige um die Existenz, wenn das Angelverbot durchgesetzt wird.

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