Fehmarn Greenpeace Protest Ölimporte
+
Greenpeace-Protest im Fehmarnbelt: Aktivisten malten Schriftzüge an die Bordwand des Tankers „Stamos“, um gegen Ölimporte aus Russland zu protestieren, mit denen Putin seine Kriegskasse füllt.

Greenpeace-Attacke auf Tanker: Aktivisten bemalen Tanker im Fehmarnbelt

  • Andreas Höppner
    VonAndreas Höppner
    schließen

20 Umweltaktivisten haben heute (23. März) vor Fehmarn gegen Ölimporte aus Russland protestiert.

  • Seit Kriegsbeginn haben 237 Tanker Russland mit Öl und Gas Richtung Europa verlassen.
  • Tanker musste Kurs ändern, da Aktivisten im Fahrwasser schwammen.
  • Strafanzeige wegen Gefährdung des Schiffsverkehrs

Fehmarn – In Schlauchbooten und im Wasser haben am Mittwochvormittag 20 Umweltaktivisten von Greenpeace vor Fehmarn gegen Ölimporte aus Russland protestiert. Mit gelber Farbe malten sie in rund 1,5 Meter großen Buchstaben „Oil fuels war“ (etwa: Öl heizt Krieg an) an die Wand des 100000 Tonnen Rohöl fassenden Tankers „Stamos“, der Öl aus dem russischen Ostseehafen Ust-Luga nach Rotterdam transportiert. „Mit den Exporten von Öl, Kohle und Gas finanziert Putin den Krieg in der Ukraine“, so der Greenpeace-Ölexperte Manfred Santen in einer ersten Stellungnahme.

Die Umweltschützer fordern, dass die Transporte von Millionen Tonnen fossiler Energieträger täglich über die Ostsee in westeuropäische Häfen schnellstmöglich ausgesetzt werden. Greenpeace zählte nach eigenen Angaben seit Kriegsbeginn 237 Tanker, die Russland mit Öl und Gas verließen – viele von ihnen mit dem Ziel Europa.

„Oil fuels war“ – Öl heizt Krieg an. Vom Schlauchboot aus versehen die Aktivisten die Schiffswand mit Schriftzügen.

Nach Mitteilung von Wulf Winterhoff, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt, bemalten die Aktivisten nicht nur die Außenwand des Öltankers, sie schwammen auch im Fahrwasser des Tankschiffes, sodass dieses aufstoppen und den Kurs ändern musste. Seinen Angaben zufolge haben die Aktivisten mit einer Strafanzeige wegen Gefährdung des Schiffsverkehrs zu rechnen.   

Greenpeace-Aktivisten protestieren seit Wochen in Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union (EU), zuletzt auf der Ostsee vor Dänemark, gegen die Importe.

Energieimporte füllen Putins Kriegskasse

Die Einfuhr von Gas, Öl und Kohle aus Russland bleibt trotz weitreichender EU-Sanktionen wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine weiter möglich, weil Länder wie Deutschland die Energieversorgung der EU ohne die Lieferungen für nicht gesichert halten. Greenpeace fordert eine Umstellung auf erneuerbare Energien und einen Importstopp für Gas, Öl und Kohle aus Russland.

Der EU-Gipfel an diesem Donnerstag muss dringend Beschlüsse für ein schnelles Energieembargo gegen Russland fassen

Martin Kaiser, Greenpeace-Geschäftsführer Deutschland

„Der EU-Gipfel an diesem Donnerstag muss dringend Beschlüsse für ein schnelles Energieembargo gegen Russland fassen“, sagte der deutsche Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser in Berlin. Es sei nicht zu verantworten, dass die EU-Staaten mit ihren Zahlungen für Energielieferungen täglich Hunderte Millionen Euro in Putins Kriegskasse spülten.   

Nach Mitteilung von Winterhoff war die Bundespolizei mit einem Einsatzschiff und einem Polizeihubschrauber im Fehmarnbelt vor Ort, die Wasserschutzpolizei mit ihren Küstenbooten „Falshöft“ und „Staberhuk“ im Einsatz. Das Greenpeace-Schiff „Beluga II“ wurde aufgefordert, Heiligenhafen anzulaufen und durch die Bundespolizei begleitet. Zur Beweissicherung wurden die durch Greenpeace eingesetzten Schlauchboote, die in Burgstaaken festmachten, beschlagnahmt und in beiden Häfen die Identitäten der Personen festgestellt.

Konkrete Gefährdung der Schifffahrt.

Wulf Winterhoff, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt

Aus Sicht der Bundespolizei habe Greenpeace mit der Protestaktion eine erhebliche Gefahr für den Schiffsverkehr, die Umwelt sowie die eigenen Aktivisten heraufbeschworen. Der Fahrweg nördlich Fehmarn sei schwierig zu befahren, ein Ausweichmanöver gefährlich und ein unmittelbares Anhalten eines Schiffes in dieser Größe nicht möglich. „Durch dieses vorsätzlich erzwungene Manöver bestand eine konkrete Gefährdung der Schifffahrt – auch mit einhergehenden erheblichen Gefahren für die Umwelt im Falle einer Havarie“, kritisiert die Bundespolizei in ihrer Pressenotiz.

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.