Eingang der Deponie in Johannistal
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Bis zu 6000 Tonnen freigemessene AKW-Abfälle sollen bis 2022 auf die Deponie Johannistal verbracht werden.

Kritik an AKW-Bauschutt für Johannistal

AKW-Schutt: Albrecht sieht kein Informationsdefizit

  • Manuel Büchner
    vonManuel Büchner
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Am 13. Januar 2021 hatte das Umweltministerium bekannt gegeben, dass AKW-Schutt unter anderem nach Johannistal kommt. Minister Jan Philipp Albrecht widerspricht dem Vorwurf der schlechten Informationspolitik. UPDATE: Der Deponiebetreiber äußert sich zur Entscheidung.

  • Kritik an der Informationspolitik des Umweltministeriums.
  • Energiewendeminister weist Kritik vom Koalitionspartner zurück.
  • Jan Philipp Albrecht ist weiterhin gesprächsbereit.

Kiel/Gremersdorf/Schashagen – Freigemessene AKW-Abfälle aus dem im Rückbau befindlichen Atomkraftwerk Brunsbüttel sollen per Zwangszuweisung unter anderem auf die Deponie Johannistal in der Gemeinde Gremersdorf, ohne dass das Land über die Entscheidung vorab ausreichend informiert habe? Der CDU-Landtagsabgeordnete Peer Knöfler aus Großenbrode hatte genau das scharf kritisiert, sprach von einem „groben Foulspiel in der eigenen Mannschaft“.

Über die vorher ungenügende Kommunikation des Energiewendeministeriums mit den politischen Akteuren vor Ort hatten sich auch Gremersdorfs Bürgermeister Henning Pries (CDU) und der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Timo Gaarz, verwundert gezeigt.

Informationsangebote wurden nicht angenommen

Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sieht hingegen keine Kommunikationspanne. „Über die Tatsache, dass der freigemessene Abfall deponiert werden muss und auch die Deponie in Johannistal dafür geeignet ist, haben wir bereits im September 2019 schriftlich informiert.“ In diesem Zusammenhang habe er Henning Pries angeboten, umfangreich vor Ort über die mögliche Deponierung zu informieren. „Das Angebot wurde nicht angenommen“, sagte Albrecht gestern im Gespräch mit dem FT.

Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne).

Einen Tag bevor die Entscheidung in der letzten Woche öffentlich bekannt gemacht wurde, habe er mit Henning Pries telefoniert und allen Landtagsabgeordneten per Videokonferenz die Möglichkeit gegeben, umfangreiche Informationen zu bekommen und Fragen zu stellen. „Es waren auch zahlreiche Kollegen der CDU dabei“, so Albrecht, der die Informationspolitik nicht auf die Videoschalte begrenzt sah.

„Wir haben uns in den letzten vier Jahren umfangreich mit den Deponiebetreibern und den örtlich verantwortlichen Politikern über die notwendige Deponierung des Abfalls ausgetauscht.“ Es seien viele Gespräche geführt worden, widerspricht der Minister dem Eindruck, man habe nicht über die Situation informiert.

Nord-Ortsvereine der SPD Ostholstein üben Kritik

Der Erklärung des Ministers konnte die Arbeitsgemeinschaft Nord der SPD Ostholstein nicht folgen. Gabriele Freitag-Ehler, Kreistagsabgeordnete und stellvertretende Kreisvorsitzende der Sozialdemokraten, erklärte dazu: „Die Nord-Ortsvereine der SPD waren mehr als überrascht, von der Zwangszuweisung des Bauschutts durch Minister Albrecht aus der Presse zu erfahren.“ Damit seien alle Beteiligten vor vollendete Tatsachen gestellt worden, so Freitag-Ehler. Es dürfe daher niemanden wundern, dass die Sorge in den umliegenden Gemeinden um Johannistal groß sei.

Diese Abfälle sind überhaupt nicht gesundheitsgefährdend.

Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne)

Albrecht bekräftigte gestern, „weiterhin jederzeit für Informationen zur Verfügung zu stehen, um die vorhandenen Ängste und Vorbehalte abzubauen“, für die er Verständnis habe. Zugleich wiederholte er: „Diese Abfälle sind überhaupt nicht gesundheitsgefährdend und stellen kein größeres Risiko dar als jeder andere Müll, der dort deponiert und alltäglich verarbeitet wird.“

Insgesamt 50000 Tonnen Bauschutt werden aus dem AKW-Rückbauprozess in Brunsbüttel erwartet, davon sollen bis zu 6000 Tonnen nach Johannistal, wobei beim Betreiber Vattenfall noch nicht klar sei, so Albrecht, ob ein Teil des Materials noch recycelt werden könne.

Alle vier Standorte sind weiterhin geeignet

Zudem erklärte der 38-Jährige, dass mit Lübeck-Niemark und Johannistal nicht zwei Standorte übrig geblieben seien, sondern dass auch die zwei anderen Standorte in Wiershop (Kreis Herzogtum Lauenburg) und in Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg) weiterhin qualifiziert seien, um im Rahmen des Rückbauprozesses Material aufzunehmen. Dabei befinde man sich noch in der ersten Phase für Brunsbüttel. „Das steht dort teilweise schon abholbereit auf dem Hof.“

Wir wollen die Abfälle nicht. Wir haben sie schon immer abgelehnt.

Geschäftsführer Thilo Gollan

Die Betreiberin der Deponie in der Gemeinde Gremersdorf, die Abfallverwertungsgesellschaft Johannistal, die zur Gollan-Unternehmensgruppe gehört, ist mit dem Vorgehen ebenfalls nicht einverstanden. „Wir wollen die Abfälle nicht. Wir haben sie schon immer abgelehnt“, sagt Gollan-Geschäftsführer Thilo Gollan gegenüber dem FT. Es sei stets kommuniziert worden, dass das Unternehmen in diesem Fall der Entscheidung der Gemeinde folge, mit der man seit rund 35 Jahren eine gute Zusammenarbeit pflege.

Zwar seien vorab Gespräche mit dem Ministerium gelaufen, jedoch sei es nie um derart große Mengen gegangen, erklärt der Diplom-Ingenieur. Bis zu 6000 Tonnen plant das Land für die Deponie in Johannistal ein. Den Zuweisungsentwurf habe sein Unternehmen zehn Minuten vor der Bekanntgabe an die Presse per E-Mail erhalten. „Wir werden den Entwurf juristisch prüfen lassen“, so Gollan.

Das macht es emotional kontaminiert.

Geschäftsführer Thilo Gollan

Sicher würde der Bauschutt von verschiedenen Gebäuden auf dem Gelände stammen, so Gollan. Der Versender sei aber das Atomkraftwerk. „Das macht es emotional kontaminiert“, sagt der Geschäftsführer des Unternehmens, der sich mehr Aufklärung für die Menschen vor Ort gewünscht hätte. Natürlich müsse die Gesellschaft mit der Entscheidung, aus der Kernkraft auszusteigen, auch bereit sein, sich mit dem Rückbau der Anlagen auseinanderzusetzen – als gemeinschaftliche Aufgabe. Entsprechend sei es sicherlich angebracht, alle Deponien in Schleswig-Holstein bei der Aufnahme des Materials einzubinden, so Thilo Gollan.

Entsorgungsnotstand muss gelöst werden

„Die Deponie war nicht in der Lage, aktiv zu sagen, wir sind bereit, Chargen aufzunehmen“, formulierte es Albrecht diplomatisch. Wobei man sich einig sei, dass Eignung bestehe. Bleibt ein Angebot aus, kommt es zum Entsorgungsnotstand. „Und den müssen dann wir lösen“, betonte Jan Philipp Albrecht.

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