Lärmschutz: Theorie und Praxis prallen aufeinander - Politiker sollen klar Position beziehen

Alles Schall und Rauch?

HEILIGENHAFEN / FEHMARN (hö) • Der Lärmschutz an der zukünftigen Autobahn auf dem „Heiligenhafener Berg“ und der drohende Wegfall der „Postkarten-Aussicht“ auf Fehmarn und den Graswarder bewegt die Gemüter auf der Insel und in Heiligenhafen.

Die Bezirkshandwerkerschaft hat bereits eine Unterschriftenaktion für eine Glaswand initiiert, jetzt hat der pensionierte Physiklehrer Harry Mielke seine Idee einer kostengünstigen Lärmreduktion interessierten Bürgern sowie Vertretern der hiesigen Parteien vorgestellt. Allerdings machte Bürgermeister Heiko Müller dem Tüftler kaum Hoffnung auf eine Umsetzung seiner Idee. Vielmehr gehe Mielkes Aktion in Richtung „Erfindermesse“, gleichwohl zollte er Mielkes Engagement Respekt, denn er finde „es gut, wenn sich Leute Gedanken machen“.

Mielkes Grundidee ist denkbar einfach: Der offene Raum zwischen Leitplanke und Fahrbahn wird geschlossen, sodass die Abrollgeräusche des Reifens, nach Mielkes Angaben die größte Lärmquelle, nicht mehr unter der Leitplanke hindurchgelangen. Selbst mit einer Schichtholzplatte, versehen mit einer Lärmschutzmatte, ließe sich laut Mielke eine Schallreduzierung um mehr als 40 Dezibel erreichen.

Rund 30 Bürger waren zur Ecke Höhenweg / Neuratjensdorfer Weg gekommen, um sich Mielkes Demonstrationsversuch mit Signalhorn, Holzplatte und Messgerät anzuschauen. Es gab auch artigen Applaus für die Überlegungen des Physiklehrers, doch die Skepsis überwog – wie so oft, wenn Theorie und Praxis aufeinandertreffen.

• Schon 2 000 • Unterschriften • gesammelt

„Einfach etwas an die Leitplanke nageln, das wird nicht gehen“, dachte Müller an die Realität mit „Tausenden von Vorschriften“, die gerade beim Autobahnbau umzusetzen seien. Über die Idee könne man durchaus diskutieren, so Müller, der diesbezüglich auf ein anstehendes Gespräch zwischen Stadtverwaltung und zuständigen Ingenieuren verwies.

   Ein erstes Fazit ihrer vor einem Monat gestarteten Unterschriftenaktion zog jetzt die Bezirkshandwerkerschaft. Ihr 1. Vorsitzender Heiner Wilcken sprach schon jetzt von einem großen Erfolg der Aktion „...und wir wollen den Durchblick“.

2 000 Unterstützerunterschriften habe man bislang sammeln können.

Ziel der Bezirkshandwerkerschaft ist es, entlang des geplanten 1,7 Kilometer langen Lärmschutzwalles in Höhe der beiden neu zu erstellenden Brücken durchsichtige Lärmschutzwände aufzustellen, um den einmaligen Blick auf Heiligenhafen und den Graswarder sowie die Ostsee und Fehmarn zu erhalten. Jeweils 250 Meter in Höhe der Brücken über den Neuratjensdorfer Weg und den Rosseer Weg sollten nach Ansicht der Bezirkshandwerker ausreichend sein, um den die A 1 benutzenden Pkw-Fahrern den malerischen Ausblick zumindest teilweise erhalten zu können.

• Aktion noch • bis zum • 21. Januar

 Die Unterschriftenaktion wird nach Angaben von Heiner Wilcken und Joachim Knorr fortgesetzt bis zum 21. Januar (Mittwoch). Am 24. Januar (Sonnabend) findet dann auf dem Heiligenhafener Marktplatz eine große Abschlussveranstaltung statt, zu der zahlreiche Politiker aus dem Bundes-, Land- und Kreistag sowie der Stadtvertretung eingeladen werden sollen.

 „Wir fordern die Politiker auf, zu diesem Thema Stellung zu nehmen“, erwartet Heiner Wilcken eine klare Position der Politik. Gegenüber der Presse zeigte sich der Vorsitzende der Bezirkshandwerkerschaft überzeugt, dass die Errichtung einer Glaswand noch realisierbar ist, wenn Heiligenhafens Politiker bereit sind, einen Eigenanteil der Mehrkosten für die durchsichtige Wand zu leisten. Mit  100 000 bis 200  000 Euro müsste sich die Stadt Heiligenhafen an den Mehrkosten beteiligen, so Wilcken, denn er weiß: „Ohne einen solchen Eigenbetrag haben alle weiteren Bemühungen keine Erfolgsaussichten.“ Auch auf Fehmarn, so Joachim Knorr, sei die Resonanz auf die Aktion der Bezirkshandwerkerschaft groß. Rund 500 Unterschriften hätten allein auf der Insel gesammelt werden können.

Für viele Reisende sei der Blick vom Heiligenhafener Berg auf den Graswarder und Fehmarn der erste freie Blick auf die Ostsee, „es ist Sünde, wenn das verschwinden sollte“, kann Wilcken sich nur schwer vorstellen, dass der geplante Lärmschutzwall in Zukunft den einmaligen Ausblick auf die Ostsee versperren wird.

ft-online/lokales vom 14. Januar 2009

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.