Frühere Fähre 2007 umgebaut – Heute „Helix Producer“ und Hoffnung im Kampf gegen Katastrophe

Die alte „Karl Carstens“ im Öl-Einsatz im Golf von Mexiko

Die „Helix Producer“ soll im Golf von Mexiko gegen die Ölkatastrophe eingesetzt werden. Früher verkehrte sie als „Karl Carstens“ auf der Vogelfluglinie zwischen Puttgarden und Rødby.

Fehmarn - FEHMARN (wi) · Bei der verheerenden Ölkatastrophe im Golf von Mexiko setzen die US-Krisenkoordinatoren ihre Hoffnungen jetzt auch auf das Spezialschiff „Helix Producer“. Die Experten gehen davon aus, dass mit ihm doppelt soviel Öl abgesaugt werden kann. Die „Helix Producer“, siehe da, ist den Fehmaranern, vielen Urlaubsgästen und Skandinavien-Reisenden sehr gut bekannt. Es handelt sich um das Fährschiff „Karl Carstens“, das ab 2007 zum Ölplattformschiff umgebaut worden ist.

Am 20. April war die Ölförderplattform „Deepwater Horizon“ explodiert, elf Arbeiter kamen ums Leben. Seither breitet sich ein riesiger Ölteppich aus. Es sind nach Schätzungen von Experten fast 500 Millionen Liter Öl ins Meer gedrungen. Da sich das Bohrloch in 1500 Metern Tiefe befindet, ist es bislang nicht gelungen, das Bohrloch zu schließen. Insgesamt 2 700 Schiffe versuchen, die Katastrophe wenigstens in Grenzen zu halten. 36 000 Menschen kämpfen laut „Spiegel online“ darum, das Öl von der Küste fernzuhalten.

Aufgrund des Sturms „Alex“ hat sich die Ankunft der „Helix Producer“ um eine knappe Woche verzögert. Das Schiff könne wegen der Ausläufer des zu einem Tropensturm heruntergestuften Hurrikans „Alex“ erst nächste Woche auslaufen, sagte US-Krisenkoordinator Thad Allen. Sobald „Helix Producer“ im Einsatz sei, könne doppelt soviel Öl aus dem lecken Bohrloch aufgefangen werden wie bisher.

Aus dem Bohrloch der untergegangenen Ölplattform „Deepwater Horizon“ des britischen Ölkonzerns BP strömen zwischen 35 000 und 60 000 Barrel Öl täglich in den Golf von Mexiko. Die beiden bisher eingesetzten Containerschiffe saugen trotz sieben Meter hoher Wellen täglich bis zu 25 000 Barrel Öl ab; mit dem dritten Schiff, der „Helix Producer“ könnten es bis zu 53 000 Barrel Öl pro Tag sein.

Das Fährschiff „Karl Carstens“, die heutige „Helix Producer“, wurde ab 2007 auf der Viktor Lenac Werft Rijeka in Kroatien zu einem Ölförderplattform-Schiff umgebaut. Die Endausrüstung erfolgte in Corpus Christi in Texas.

Am 2. Mai 1986 lief die „Karl Carstens“ bei der Kieler HDW-Werft vom Stapel. Sie war nur ganze zwölf Jahre auf der Vogelfluglinie zwischen Puttgarden und Lolland im Einsatz. Private dänische Investoren kauften die Fähre und legten sie unter dem Namen „Karl“ 2004 in Nakskov auf.

Im „Golf von Mexiko“ war nicht nur die „Helix Producer“ vom Sturm „Alex“ betroffen. Er behinderte auch die weiteren Arbeiten. Die unzähligen kleinen Schiffe, die Öl aus dem Wasser abschöpfen oder kontrolliert abfackeln, sollen ab Samstag wieder eingesetzt werden. Bis dann soll sich der Wellengang beruhigen. Die Schiffe sollen nur auslaufen, wenn die Wellen nicht höher als vier Meter hoch schlagen. Die Helfer warten zudem weiter auf den Einsatz des Riesentankers „Wal“ (A whale“), der in großen Mengen Öl aus dem Meer abschöpfen soll. Allerdings prüfen die Behörden und BP laut US-Küstenwache derzeit noch, ob das Schiff für den Einsatz wirklich geeignet ist.

Derweil zwingt das Öl die Tierschützer zu einer bisher einmaligen Rettungsaktion für Meeresschildkröten. Tausende Eier sollen in den nächsten Tagen an Stränden am Golf von Mexiko ausgegraben und nach Cape Canaveral (Florida) geflogen werden. Dort sollen die Babys in einem Lagerhaus schlüpfen und dann an verschiedenen Orten in die Natur entlassen werden – dort, wo sie sicher vor dem Öl sind.

Die zuständige US-Behörde zum Schutz von Leben in der Wildnis macht nach Angaben der „Los Angeles Times“ auch bereits Pläne zur Hilfe für die Millionen von Zugvögeln, die sich schon bald auf die Reise machen werden. In den Marschen an den Küsten, aber auch weiter im Inland sollen „Migrations-Stationen“ entstehen – Orte, an denen die Vögel geschützt vor der giftigen, rostbraunen Schmiere fressen können.

Die alte „Karl Carstens“. FT-Archiv

Heute ist die Explosion auf der später gesunkenen Bohrinsel „Deepwater Horizon“ genau elf Wochen her. Am Sonntag wurde in den USA der Unabhängigkeitstag (4. Juli) begangen, der große jährliche nationale Feiertag der Amerikaner mit Picknicks, Barbecues und Feuerwerken. Aber diesmal waren von Louisiana bis Florida wegen der Ölverschmutzung viele Strände leer, und das an einem der wichtigsten Wochenenden für die Tourismusbranche. Viele Hotels und Ferienanlagen hatten eigens die Preise gesenkt und lockten mit Attraktionen wie Freiluftkonzerten fernab vom Öl.

BP hat nach eigenen Angaben inzwischen 3,12 Milliarden Dollar (2,48 Milliarden Euro) für die Eindämmung der Ölpest im Golf von Mexiko und die Entschädigung von Betroffenen gezahlt. Das berichtet die Nachrichtenagentur ap.

Einer neuen Prognose zufolge wird das Öl wahrscheinlich auch Florida verschmutzen, es drohe in dem US-Bundesstaat beliebte Touristenziele wie die Florida Keys oder die Strände von Miami zu erreichen, heißt es in einer veröffentlichten Studie der US-amerikanischen Wetterbehörde NOAA. Florida ist eines der Haupttouristenziele der USA. Dort kamen im vergangenen Jahr 80 Millionen Besucher, die Tourismusindustrie nimmt pro Jahr etwa 48 Milliarden Euro ein.

Keine Frage, die alte Fähre „Karl Carstens“ hat also noch einmal eine wichtige Mission.

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