Das historische Gebäude in Burg ist Geschichte – Kühl: "Unverständlich"

"Alter Knast" abgerissen

Am Montag begann der Inselbauhof mit dem Abriss des „Alten Knasts“ im Burger Stadtpark.

BURG (pl) • Am Montag wurde mit dem Abriss des „Alten Knasts“ im Burger Stadtpark durch den Inselbauhof begonnen. Den Auftrag erteilte Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt.

Er folgte damit einem Beschluss der Stadtvertretung  vom  Juni 2007. Der sah vor, das historische Gebäude abzureißen, sollte sich kein Investor finden. Unter anderem der Kirchner-Verein und auch die Drogenhilfe „Lichtblick“ waren interessiert, zum Vertragsabschluss kam es aber nie. Denn der Käufer hätte viel Geld zur Sanierung des Gebäudes in die Hand nehmen müssen. „Wir wollten ein Schulungszentrum und ein drogenfreies Jugendcafé einrichten. Die Sanierung hätte aber 300 000 Euro gekostet, viel zu viel für uns“, sagte gestern die 1. Vorsitzende von „Lichtblick“, Margit Maaß.

Die Stadt war nun nicht mehr bereit, die laufenden Kosten für das verfallene Gebäude weiter aufzubringen. Der jetzige Termin des Abrisses erklärt sich aber noch anders: So soll die Zufahrt des benachbarten Kindergartens noch in diesen Herbstferien neu gepflastert werden (12 000 Euro). Die Kommunalaufsicht ordnete an, den „Alten Knast“ erst abzureißen, um Schäden an der neuen Zufahrt durch einen späteren Abriss zu vermeiden, gab Bauamtschef Burkhard Naß Auskunft.

„Nicht prioritär“

Die Arbeiten sollen bereits am Dienstag abgeschlossen sein. Was nun mit dem Grundstück, das ja der Stadt gehört, passiert, ist noch unklar. Es könne verkauft werden oder aber „zur Optimierung der städtischen Liegenschaften“ genutzt werden, so Naß. Das Thema sei aber „kein prioritäres Projekt“ für die Verwaltung und bedürfe darüber hinaus einer erneuten politischen Diskussion, so Naß weiter.

Gescheitert sind damit die Stadtarchivare und Heimatforscher Heino Kühl und Karl-Wilhelm Klahn, die sich seit Jahren für den Erhalt des Backsteingebäudes engagiert hatten. „Es ist unverständlich, dass Beschlüsse der Stadt Burg nicht respektiert werden“, sagte Kühl. Er spielt damit auf die letzte Sitzung des Burger Parlaments im Dezember 2002 an. Damals stand zur Diskussion, den „Alten Knast“ abzureißen und an seiner Stelle den Kindergarten zu bauen. Der Beschluss sah allerdings lediglich vor, den Kindergarten „wenn möglich“ an einer anderen Stelle zu bauen, was ja auch geschehen ist.

Zur Historie

Als „Alten Knast“ bezeichnen die Fehmaraner die 1856 / ‘57 im heutigen Burger Stadtpark erbaute ehemalige dänisch-preußische Strafanstalt. Mit dem Haus im Stadtpark und dem Gebäude der Stadtbücherei bildete der „Alte Knast“ bis gestern einen in Schleswig-Holstein einzigartigen Dreiklang an historischen Gebäuden des 19. Jahrhunderts.

1856 / ‘57 erbaute der damalige dänische Amtmann auf Fehmarn, Broder Knudsen, sein Amtmannshaus am alten Stadtgraben – heute das Haus im Stadtpark. Zum Westen hin wurde gleichzeitig ein massives Scheunengebäude für das Vieh und die Kutsche des Amtmannes errichtet.

1859 wurden in die Scheune zwei Gefängsniszellen eingebaut – der „Alte Knast“ entstand. Am 15. März 1864 eroberten die Preußen Fehmarn.

In Knudsens Haus zog am 1. September 1867 der preußische Amtsrichter Conrad Sarauw ein. Er ließ 1882 eine Wohnung für den Gefängniswärter im „Alten Knast“ einrichten und sorgte außerdem mit dem Bau des Königlichen Amtsgerichtes – heute das Gebäude der Stadtbücherei – im Jahre 1895 für die Vervollständigung des historischen Gebäude-Trios im Burger Stadtpark.

Noch bis in die 1950er-Jahre wurden Kleinkriminelle im „Alten Knast“ inhaftiert. Danach wurde nur noch das Gefängnis in Oldenburg genutzt.

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