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Alternative Wohnformen auf Fehmarn: Tiny Houses – reif für die Insel?

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Von: Manuel Büchner

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Tiny Houses Bauwagen Fehmarn
Tiny Houses, wie dieser Bauwagen der Firma Mangala Wagenleben, sind auf Fehmarn bisher noch selten anzutreffen. © Privat

Tiny Houses – bisher ist der Trend noch nicht nach Fehmarn geschwappt. Die entscheidende Frage: Können die Minihäuser gegen die Wohnungsnot der Insel helfen? Katrin Neugebohren meint Ja.

Fehmarn – Katrin Neugebohren wohnt in einem Reihenhaus in Dänschendorf zur Miete. Wenn es nach der 58-Jährigen geht, soll sich das schnell ändern. Lieber heute als morgen möchte sie in einem Tiny House wohnen. „Ich lebe alleine, brauche nicht so viel Platz“, beschreibt sich die Wahlfehmaranerin als Minimalistin. „Ein bis zwei Zimmer reichen mir.“ Nicht zuletzt sei sie flexibler, denn ihr neues Zuhause hätte Räder.

Die gebürtige Niedersächsin spielt schon länger mit dem Gedanken, auf ein Tiny House umzusatteln. Sozusagen Platz machen für andere, die mehr Platz brauchen. „Auf Fehmarn gibt es einen Mangel an Wohnraum“, sagt sie und sieht Tiny Houses als einen konstruktiven Beitrag zur Lösung des Problems. Längst ist der Trend aus den USA bei uns angekommen. Die alternative Wohnform ist ein Beitrag zur Vielfalt, für mehr bedarfsgerechtes Wohnen.

Nicht so schnell: Tiny House trifft auf Baurecht

Also ganz klar: viele Tiny Houses auf Fehmarn. So schnell geht es nicht, das wurde im jüngsten Bau- und Umweltausschuss deutlich, als die 58-Jährige ihren Wunsch in der Einwohnerfragestunde vortrug. Sie könne ihr Tiny House auf den Campingplatz Johannisberg stellen, jedoch hätten ihr die Inhaber gesagt, dass es dafür vom Bauamt keine Genehmigung geben würde.

Tiny House Fehmarn
Katrin Neugebohren sucht auf Fehmarn ein Grundstück, auf dem sie ein Tiny House stellen kann. © Manuel Büchner

„Es kommt auf das Grundstück an“, so Bauamtsleiter Benjamin May. Stehe dies zur Verfügung, müsse ein Bauantrag gestellt werden, um zu wissen, um was es konkret geht. Über die Erfolgsaussichten eines Bauantrags, so May, könne auch die Bauherrenberatung bei der Stadt Aufschluss geben. May empfahl, Details im Einzelgespräch zu klären.

Tiny House – wohnen auf kleinem Raum

Für Tiny Houses (tiny = sehr klein) gibt es keine festgelegte Mindest- oder Maximalgröße. In der Regel sind es Minihäuser zwischen 15 und 45 m2, auf Rädern oder feststehend. Der Tiny-House-Begriff stammt aus den USA. Dort haben sich im Nachgang der Immobilienkrise viele Menschen dazu entschlossen, nach alternativen und günstigeren Möglichkeiten des Wohnens zu suchen. Zentraler Gedanke ist die Rückbesinnung auf das Wesent-
liche und Wichtige im Leben, auch fernab von materiellem Wohlstand.

Katrin Neugebohren bat darum, Vorschriften zu vereinfachen, Abläufe zu verschlanken, Kosten zu reduzieren. „Einfacher und schneller“, damit „Fehmarn modern und fortschrittlich handeln kann“. Sie wünsche sich, dass die Politik Voraussetzungen schafft, „die es schnell und unkompliziert ermöglichen, Tiny Houses aufzustellen“, so Neugebohren gegenüber dem FT.

Der Ausschussvorsitzende Andreas Herkommer (SPD) grätschte kurz dazwischen und warnte vor drohendem Wildwuchs. „Wir wünschen uns nicht, dass Grundstückseigentümer einfach entscheiden, was sie bauen dürfen.“ Wenngleich schlankere Prozesse natürlich zielführend seien. Marco Eberle (Grüne) regte an, sich darüber Gedanken zu machen, wo eine Tiny-House-Siedlung auf Fehmarn möglich ist.

Tiny House Inneneinrichtung Fehmarn
Zwar kleiner, aber es fehlt an nichts: Tiny-House-Bewohner müssen bei der Inneneinrichtung keine Abstriche machen. © Privat

„Ein erster Schritt in ein neues Thema“, schlug Jörg Josef Wohlmann (SPD) vor, dass sich die Verwaltung schlaumachen könne, um die Politik zu informieren. Zusage vom Chef des Bauamtes. „Eigentlich nichts Neues“, meinte Kai Schumacher (F³), denn in der Bauleitplanung wolle man sich doch mit alternativen Bauformen beschäftigen.

Bleibe auf vier Rädern in drei Monaten gebaut

Bekommt die 58-Jährige grünes Licht für einen Standort, ist der Schritt zum neuen Eigenheim „absolut unkompliziert“. Acht Meter lang, 2,5 Meter breit, aus hellem Holz. Voilà – ein nagelneuer Bauwagen für etwa 30000 Euro. Wenn der Auftrag für den Bau raus ist, könnte die Bleibe auf Rädern nach rund drei Monaten an ihren vorgesehenen Platz rollen, erklärt Neugebohren, die bereits bis in die Altmark nach Sachsen-Anhalt gefahren ist, um Kontakt aufzunehmen mit Nico Syahruddin, dessen Firma Mangala Wagenleben Wohnbauwagen nach individuellen Wünschen herstellt. „Die Bauwagen können mit einer kompletten Inneneinrichtung versehen oder auch im Rohzustand bestellt werden“, so Syahruddin. Verwendet werden würden weitestgehend ökologisch nachhaltige Baustoffe.

In ihre jetzige Wohnung ist Katrin Neugebohren vor rund zwei Jahren gezogen, weil sie auf Fehmarn nichts anderes gefunden hat. Nicht nur, dass sie mehr Platz hat, als sie braucht. Über ihr ist eine Ferienwohnung. In dem hellhörigen Holzhaus sei es so laut, dass man kaum zur Ruhe kommen könne. Aufgeben kommt für die 58-Jährige nicht infrage. Sie wird das Gespräch mit dem Bauamt suchen. Im Vorwege hatte sie bereits alle Fraktionen angeschrieben. Eine Antwort habe sie aber nur vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Heinz Jürgen Fendt erhalten.

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