Rathaus der Stadt Fehmarn
+
Die WUW hat ihre alternative Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl abgesagt. Jetzt soll der Sundfunk übernehmen.

Kommentar zum alternativen Talkangebot

Alternativer Bürgermeisterkandidaten-Talk Fehmarn: WUW übergibt Veranstaltung

  • Andreas Höppner
    vonAndreas Höppner
    schließen

Die WUW Fehmarn hat ihre Vorstellungsrunde der Bürgermeisterkandidaten für Fehmarn gestern (5. Februar) abgesagt. Ein Live-Format soll es dennoch geben, nun in Eigenregie durch einen Veranstalter von Fehmarn.

  • Absage des WUW-Talks für den 10. Februar, da nur zwei der fünf Kandidaten zugesagt hatten.
  • Bisher eingereichte Fragen werden an Sundfunk GmbH übergeben.
  • Sundfunk-Veranstaltung soll unabhängig von Parteien und Organisationen sein.
  • KOMMENTAR zum alternativen Kandidaten-Talk.

Fehmarn – Die von der WUW Fehmarn am 10. Februar (Mittwoch) geplante Vorstellungsrunde der Bürgermeisterkandidaten, zu der nur zwei der fünf Bewerber um das Bürgermeisteramt zusagten – die von der WUW unterstützte parteilose Doris Klemptner und FDP-Kandidat Manuel von Schalscha-Ehrenfeld, der wiederum für die offizielle Kandidatenrunde der Stadt Fehmarn absagte, (wir berichteten) –, findet nicht statt. Das teilte gestern Florian Rietzrau, 1. Vorsitzender der WUW Fehmarn, mit.

WUW tritt Veranstaltung an die Sundfunk GmbH ab

Trotzdem werde es ein Live-Format mit allen Kandidaten geben, blickte Rietzrau voraus. Die WUW habe mit der Sundfunk GmbH verhandelt und die gesamte Veranstaltung an diese abgetreten. 

Neuer Termin ein paar Tage nach dem 10. Februar geplant

Wohl Anfang der Woche würden Details zu der neuen Veranstaltung bekannt gegeben, da der Sundfunk noch in Abstimmung mit allen Kandidaten sei. Der 10. Februar sei aber wohl nicht zu halten, vielleicht dann ein paar Tage später, so Rietzrau. Die bislang bei ihm im Bus-Stop eingegangenen Fragen der Bürger seien dennoch nicht umsonst eingereicht worden. Sie würden allesamt dem neuen Veranstalter übergeben. Bis zum 9. Februar würden auch noch weitere Fragen im Bus-Stop angenommen.

Das ist transparent, das ist das, was wir wollen.

Florian Rietzrau, 1. Vorsitzender der WUW Fehmarn, über ein Live-Format

„Die Vorarbeiten der WUW haben dazu geführt, dass eine Live-Veranstaltung mit allen Kandidaten stattfinden kann“, ist Rietzrau nicht traurig, dass seine Bürgergemeinschaft nun nicht mehr als Veranstalter auftritt. Vor allem, dass die Veranstaltung als Live-Format läuft und nicht aufgezeichnet wird, wie die städtische Vorstellungsrunde am 20. Februar, stuft er als „positiv für die Insel“ ein. „Das ist transparent, das ist das, was wir wollen.“

WUW nicht ganz unbeteiligt

Die WUW Fehmarn tritt nun zwar nicht mehr als Veranstalter der Kandidatenrunde auf, doch ganz unbeteiligt ist sie dennoch nicht, wenn die Sundfunk GmbH übernimmt. So zählen einige WUW-Mitglieder zu den zehn Gesellschaftern des Unternehmens. Auf die Frage des FT, ob diesbezüglich nicht auch etwas Transparenz erforderlich gewesen wäre, sagte Rietzrau gelassen, dass er die Namen der Gesellschafter nicht kenne.

Sundfunk-Geschäftsführer Dennis Angenendt teilte dem FT gestern Nachmittag mit, dass er eine Veranstaltung plane, die sich vom Konzept her von der städtischen unterscheide und er in Gesprächen mit allen Kandidaten sei. Die Jugend solle bei dieser Veranstaltung mehr angesprochen werden, das könne er schon sagen. Und: „Dies geschieht unabhängig von Parteien oder Organisationen“, versicherte Angenendt.

KOMMENTAR zum alternativen Bürgermeisterkandidaten-Talk (von Manuel Büchner)

Die Fehmaraner haben am 7. März die Wahl zwischen fünf Bürgermeisterkandidaten. Fünf Personen, fünf Wahlprogramme und Visionen für die Insel. Zugegeben: Die Themen und Absichtserklärungen sind ziemlich ähnlich. Umso wichtiger ist es, dem unentschiedenen Wähler eine Entscheidungsstütze durch Vergleichbarkeit anzubieten – immer mit dem Ziel, möglichst viele Wahlberechtigte zur Stimmabgabe zu bewegen, um Gewinnerin oder Gewinner mit möglichst großer Legitimation ins Amt zu schicken.

Allen Kandidaten gemeinsam eine unabhängige Bühne zu geben, die ihnen gleiche Voraussetzungen bietet, aber auch Gleiches abverlangt, kann ein gutes Rezept sein, diesem Ziel, transparent und bürgernah, näher zu kommen.

Die Stadt Fehmarn bietet durch die Aufzeichnung eines Kandidaten-Talks am 20. Februar, der kurz darauf für jeden im Internet abrufbar ist, eine Plattform, die diese Vorgaben erfüllt: Neutraler Moderator, Vorstellungsrunde, drei vorgegebene Themengebiete, vorher eingereichte Fragen der Fehmaraner, die der Moderator sammelt und die von den Kandidaten aus dem Stand beantwortet werden müssen. Fertig gekocht. Nicht ganz.

Parallel dazu wollte bis gestern die Wählervereinigung WUW, die eine Kandidatin der fünf Bewerber unterstützt, eine eigene Vorstellungsrunde live per Zoom-Meeting auf den Weg bringen. Gründe: Ein Live-Format soll die spontane und kreative Seite der Kandidaten zeigen. Dazu ein lokaler Veranstalter, der das Format auf die Beine stellt und weniger Kosten für die Stadtkasse verursacht. Das Geld bleibt zudem auf der Insel, denn die Durchführung sollte die Sundfunk GmbH, die auf Fehmarn ansässig ist, übernehmen. So weit, so gut.

Dass die WUW sich aufschwingt, einen parallelen Kandidaten-Talk anzubieten, könnte den einen oder anderen Wähler vielleicht nachdenklich stimmen. Egal, denn gestern ist die Wählervereinigung zurückgerudert, nachdem drei der fünf Kandidaten abgesagt hatten. Stattdessen soll die Sundfunk GmbH in Eigenregie übernehmen – unabhängig von Parteien und Organisationen, wie deren Geschäftsführer versichert.

Fakt ist aber: Vier der zehn Gesellschafter des Sundfunks sind entweder WUW-Stadtvertreter oder bürgerliche Mitglieder und zum Teil im Vorstand der Wählergemeinschaft. Auch der bereits ins Spiel gebrachte Moderator ist Gesellschafter, ebenso ein Familienmitglied der Kandidatin, die von der WUW unterstützt wird. Das sollte den Wähler auf jeden Fall nachdenklich stimmen.

Es gibt gute Gründe, warum landauf, landab auf allen politischen Ebenen vor Wahlen für politische Ämter oder hauptamtliche Bürgermeister keine Parteien oder Wählervereinigungen das Heft – direkt oder indirekt – in die Hand nehmen, um über alle Bewerber zu informieren. Dem Ansinnen, eine Entscheidungsstütze anzubieten, erweist die WUW einen Bärendienst.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.