Leistungen vergüten, statt Ausfälle kompensieren / Bauern interessiert

Anreize für Landwirte

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Diskutierten auf dem Hof der Alten Schule (v.l.): Sönke Beckmann, Marlies Fritzen, Klaus-Dieter Blanck und Jens Alpers.

Fehmarn – mb – Die Landwirtschaft steht zwischen Massentierhaltung und Monokulturen seit geraumer Zeit unter Beschuss aus der Gesellschaft. Darüber hinaus besteht bisher keine Einigung bezüglich der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) nach 2020. Das EU-Agrarsubventionsprogramm besteht aus zwei Säulen: Direktzahlungen als Flächenprämien und andererseits Geld für Programme, die nachhaltige Landwirtschaft fördern, aber „entweder passen, oder nicht passen“, so Sönke Beckmann vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL), der am Sonnabend, bei einer Veranstaltung des Grünen-Ortsverbandes auf dem Hof der Alten Schule in Petersdorf die sogenannte Gemeinwohlprämie vorstellte. Ein Vorschlag zur „effektiven Honorierung landwirtschaftlicher Klimaschutzleistungen innerhalb der Ökoregelungen in der GAP nach 2020“, wie das Bewertungssystem für insgesamt 19 Maßnahmen auf Acker, Grünland und Sonderkulturen sowie Stickstoff- und Phosphor-Bilanzen vom DVL bezeichnet wird.

Kein größerer Bürokratieaufwand, basiert auf Freiwilligkeit, bietet ein breites Baukastensystem für unterschiedliche Betriebstypen, sodass der Landwirt flexibel und passgenau selbst entscheiden kann, was er machen will, zählt Beckmann auf und sagt: „Es soll betriebswirtschaftliche Denke und Ökologie zusammenzubringen.“ Was als Idee seien Ursprung in Schleswig-Holstein hatte, ist ein über Jahre entwickeltes Modell – wissenschaftlich, aber immer mit Realitätscheck in mittlerweile 200 Betrieben mit unterschiedlichsten Strukturen.

Das Ziel sei letztendlich ein Systemwechsel, so Beckmann: weg von der Entschädigung pro Hektar, „eine Abhängigkeit ohne Alternative“, hin zur Bezahlung von Leistungen. Die Landtagsabgeordnete der Grünen und umweltpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, Marlies Fritzen, fasste den Reiz des Modells folgendermaßen zusammen: „Wir wollen nicht mehr Ausfälle kompensieren, sondern erbrachte Leistungen vergüten.“

Naturschutz werde nicht honoriert, sondern es gebe einen Nachteilsausgleich und nur ganz selten Anreize, mahnte Klaus-Dieter Blanck. So gehe es für die Landwirte um ihre Einkommenssicherung. „Wir sind von staatlicher Seite angehalten worden, billig zu produzieren.“ Da seien, so der Bojendorfer Landwirt a.D., Biodiversität und Naturschutz teilweise auf der Stecke geblieben. Es müsse finanzielle Anreize geben, und die Gesellschaft müsse bereit sein, dies zu honorieren, dann „wird es zum Selbstläufer“. Auch der zweite stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Jens Alpers, zeigte sich gesprächsbereit. Der Gremersdorfer erinnerte aber zugleich: „Wir sind Unternehmer und produzieren das, was gekauft wird.“

Landwirt Detlef Scheel war ebenfalls interessiert. „Ich würde als Unternehmer gerne Biodiversitätsleistungen erbringen.“ Allerdings habe er die Sorge, dass diese Diversität von Fehmarn als landwirtschaftlicher Gunststandort abwandern werde. Blanck entgegnete: „Auch auf Fehmarn hat jeder eine Ecke, die landwirtschaftlich nicht viel bringt, aber für Naturschutz eine Menge bringen würde.“ Es gehe nicht um riesige Fläche, aber um naturschutzfachliche Ideen, die es ja zuhauf gebe. „Das ist der Weg, den wir gehen müssen“, so Blanck.

Am Rande der Veranstaltung äußerte sich Fritzen gegenüber dem FT auch zu den Riff-Strukturen im Fehmarnbelt. Diese Funde würden nochmals unterstreichen, dass das Tunnel-Vorhaben ökologisch verheerend sei. Riffe seien stark geschützt. Auch eine Sandbank habe man mittlerweile gefunden, die ebenfalls zu den geschützten Biotopen gehöre.

Wie geht es weiter? „Der Vorhabenträger muss eine Ausnahmegenehmigung beantragen, um bauen zu können.“ Ob sie erteilt werde, sei abzuwarten. Ausgleichsverpflichtungen würden noch mal viel Geld kosten. Es sei nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch „ein völlig unsinniges und überflüssiges Projekt“, so die Landtagsabgeordnete.

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