Hussein Sharq und drei Mitstreiter gegen Diskriminierung und Gewalt in ihrer Heimat

Appell an die Menschlichkeit

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Hussein Sharq (l.) organisierte mit seinen drei Mitstreitern (r.) den „Long Walk to Justice for Hazaras“.

FEHMARN -wa- Sonnabend, spät am Abend, klingelte bei Gesine Hansen vom Kirchengemeinderat der evangelischen St.-Nikolai-Kirche das Telefon. Vier Menschen, die von Norden kommen, brauchen eine Schlafgelegenheit. Kein Problem. Sie können im Gemeindehaus übernachten.

Am nächsten Tag stehen sie Rede und Antwort und berichten über ihren „Long Walk to Justice for Hazaras“, dem langen Weg, auf dem sie auf die seit mehr als Hundert Jahren anhaltende Unterdrückung und Diskriminierung der in Afghanistan lebenden ethnischen Minderheit der Hazara aufmerksam machen wollen.

Am vergangenen Mittwoch haben sich der gebürtige Afghane Hussein Sharq, der seit langem in Schweden lebt und dort zwei Unternehmen erfolgreich aufgebaut hat, sowie drei weitere gebürtige Afghanen, die aufgrund der Militärattacken durch die Taliban ihre Heimat schon vor Jahren verlassen haben, auf den langen Weg von Malmö nach Brüssel gemacht. Dort wollen sie am 29. November ganz groß mit vielen Unterstützern aus aller Herren Länder vor dem EU-Parlament gegen die Unterdrückung und Verfolgung von ethnischen Minderheiten auf der ganzen Welt demonstrieren. Vorher aber müssen sie noch rund 750 Kilometer zurücklegen und planen auch eine Demo in Hamburg.

Hussein und Karima, die heute in Oslo lebt, erzählen von den Grausamkeiten und dem Völkermord an den Hazara in den Jahren 1890 bis 1919, dem 63 Prozent ihres Volkes zum Opfer fielen. „1998 gab es einen weiteren Völkermord, den die Taliban zu verantworten haben. Dabei sind etwa 8000 Menschen ums Leben gekommen“, berichtet Hussein traurig. Und das sei noch lange nicht das Ende. Die Taliban hätten versprochen, Afghanistan in die Demokratie zu führen. Aber das, was dort abliefe, sei in keinster Weise demokratisch. Die Regierung würde nur sehr spärlich und sehr spät Hilfe leisten. Systematisch würden die Hazara und andere ethnische Minderheiten diskriminiert, gedemütigt und getötet.

Immer wieder gibt es Taliban-Angriffe in Ghazni, der Heimat der überwiegend schiitischen Hazara. Am 28. Oktober zum Beispiel in Uruzgan, Jaghori und Malistan. Viele Tausende sind auf der Flucht und die Regierung schaut zu. Präsident Ashraf Ghani selbst gehört der gleichen Volksgruppe an wie die Taliban und nimmt deren Tun stillschweigend hin.

Aber auch kleinere Diskriminierungen sind an der Tagesordnung. So habe vor Kurzem etwa eine elektrische Leitung von Turkmenistan in den Westen Afghanistans verlegt werden sollen. Der kürzeste Weg wäre durch Ghazni verlaufen und für die Haraza von Vorteil gewesen. Die Regierung hätte dann die Route der Leitung verändert und sie um das Gebiet der Harzara im Zentrum Afghanistans herum gelegt. „Das ist nur eines der vielen Beispiele, wie die Hazara auch im Kleinen gedemütigt werden“, lässt Hussein wissen.

„Die Welt denkt, dass Afghanistan eine Demokratie ist“, sagt Karima Nabi. „Aber das ist überhaupt nicht so. Wir haben uns auf den rund 1000 Kilometer langen Weg von Schweden nach Belgien gemacht, um der Welt zu zeigen, welche schrecklichen Zustände in unserer Heimat immer noch herrschen“, sagt sie mit Tränen in den Augen. „Das muss ein Ende haben“, sind sich alle einig. „Wir wollen der Welt bewusst machen, welchen Ungerechtigkeiten und Attacken unser Volk ausgesetzt ist und unsere Solidarität mit den wehrlosen Menschen in Hazarajat zeigen“, sagt Hussein, der auch nicht mit Kritik am Ausland spart. So seien es ja schließlich die USA und die EU-Regierungen, die mit den hart erwirtschafteten Steuergeldern ihrer Bürger die Taliban unterstützen.

Weitere Informationen zum „Long Walk to Justice for Hazaras“ gibt es auf Facebook unter „LWJ4HAZARAS“.

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