Hendrick Kerlen: Der Kampf geht weiter

Auch mit 80 unbequem und streitbar

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Beste Stimmung bei Hendrick und Jutta Kerlen auf dem Fährschiff „Schleswig-Holstein“. Die Überraschungs-Geburtstagsparty hätte nicht besser gelingen können.

FEHMARN -hö- Geht es um den geplanten milliardenschweren Fehmarnbelttunnel, ist Hendrick Kerlen, 1. Vorsitzender des Aktionsbündnisses gegen eine Feste Fehmarnbeltquerung (FFBQ), stets bestens informiert. Am Montag wusste er von nichts, gar nichts. Da ging es allerdings um ihn persönlich. Denn anlässlich seines 80. Geburtstages am 30. September hatten Mitstreiter des Aktionsbündnisses nur für ihn eine Überraschungsfeier an Bord der Scandlinesfähre „Schleswig-Holstein“ ausgerichtet.

Und als Kerlen, der unter einem Vorwand von Scand-lines-Konzernbetriebsratschef Bernd Friedrichs auf die Fähre „gelockt“ worden war, den Veranstaltungsraum betrat und ihm ein „Happy Birthday“ aus rund 40 Kehlen entgegenschallte, war die Überraschung perfekt. Selbst eine mit zahlreichen blauen Protestkreuzen versehene Gangway hatte ihn zuvor nicht stutzig werden lassen.

Kerlen – auf Fehmarn das Gesicht des Widerstands gegen den Fehmarnbelttunnel – war gerührt und rang nach Fassung, als er die zahlreichen Mitstreiter und engen Weggefährten sah. Alle hatten dichtgehalten, selbst Ehefrau Jutta hatte mitgespielt.

Christine Albert und Bernd Friedrichs würdigten die Verdienste Hendrick Kerlens.

Christine Albert, stellvertretende Vorsitzende des Aktionsbündnisses, charakterisierte Hendrick Kerlen als „wunderbaren Menschen mit Ecken und Kanten“, immer „streitbar, unbequem, klar und offen“ und ein „Gewinn für die Gesellschaft und das Leben“. Mit der Feier wolle man ihn ehren, aber nicht sein Alter, sondern „sein Schaffen, sein Lebenswerk“.

Hierzu zählt ohne Zweifel sein großes Engagement für das Aktionsbündnis, das er seit 2012 als Nachfolger von Malte Siegert, den es beruflich bedingt zum NABU nach Hamburg verschlug, als Vorsitzender führt. Im letzten Winter hatte Kerlen zwar schon einmal damit geliebäugelt, etwas kürzer treten zu wollen, doch auf dem Fährschiff gab er sich kämpferisch und voller Tatendrang.

Kerlen: Nächstes Jahr wird äußerst spannend

„Nächstes Jahr wird äußerst spannend“, so Kerlen, der an den erwarteten Planfeststellungsbeschluss für den Fehmarnbelttunnel, das Klageverfahren gegen den Ausbau der B 207 und das Planfeststellungsverfahren der Deutschen Bahn für die einzelnen Abschnitte der Hinterlandanbindung erinnerte.

„Geht es nach der Sterbetafel, kann ich noch acht Jahre weitermachen“, rief er seinen Mitstreitern zu. Und diese applaudierten dann lautstark, als Kerlen versprach: „Der Kampf geht weiter.“

Es sei das Ziel, „auf jeden Fall den Absenktunnel zu versenken. Und wenn es nicht anders geht, dann muss es ein Bohrtunnel werden“, sagte Kerlen. Doch auch mit einem Bohrtunnel bliebe „der wirtschaftliche Unfug bestehen“, so der Vorsitzende des Aktionsbündnisses.

„Das Aktionsbündnis und deine Familie sind dein Jungbrunnen“, befand Bernd Friedrichs, der den Jubilar ermutigte, mit ungebremster Energie weiterzumachen. „Wir brauchen dich, das gilt für mich und auch für die Scandlines-Mitarbeiter“, so Friedrichs, der Kerlen seinen Dank für das bisherige Engagement aussprach und auch „seinen wichtigsten Mitstreiter Dr. Wilhelm Mecklenburg“ nicht unerwähnt ließ.

Für die Allianz gegen die Feste Fehmarnbeltquerung, in der die Bürgerinitiativen entlang der geplanten Schienenanbindung zusammengeschlossen sind, sagte Susanne Brelowski, „ohne deine Hilfe wären wir untergegangen“. Gleichzeitig ermutigte sie Hendrick Kerlen, „weiter mit uns am Ball zu bleiben“.

Für Bernd Friedrichs steht das außer Frage, denn er kündigte an: „Deinen 90. Geburtstag feiern wir wieder auf dem Fährschiff.“

Aber schon im kommenden Jahr gibt es für das Aktionsbündnis einen würdigen Anlass zu feiern – das 25-jährige Bestehen.

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