Politiker und Akteure des Tourismus vor dem Strandhotel am Weissenhäuser Strand
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Ingo Gädechens (r.) lud Akteure der Tourismusbranche und Politiker zum Gespräch an den Weissenhäuser Strand ein. Es diskutierten miteinander Ralph Brinkhaus (v.l), David Depenau, Reinhard Sager, Hans-Peter Wolf sowie Christoph Andreas Leicht und Claudia Leicht

Diskussion am Weissenhäuser Strand

Erfahrung im Tourismus unter Corona-Bedingungen

  • Hans-Jörg Meckes
    VonHans-Jörg Meckes
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Auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Ingo Gädechens diskutierte die Tourismusbranche am Weissenhäuser Strand mit der Politik. Unter anderen waren die CDU-Politiker Ralph Brinkhaus und Landrat Reinhard Sager zu Gast.

  • Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, und Ostholsteins Landrat Reinhard Sager nahmen an der Diskussion teil.
  • Brinkhaus äußerte, dass politische Prozesse beschleunigt werden müssten.
  • Bei den Akteuren der Tourismusbranche wird der Arbeitskräftemangel immer größer.

Weissenhäuser Strand – Der Tourismus ist eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine in Schleswig-Holstein und zugleich eine der am stärksten betroffenen Branchen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens hatte Akteure der örtlichen Tourismusbranche und Politiker wie den Vorsitzenden der CDU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, sowie Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) zum Gespräch eingeladen. Die Teilnehmer diskutierten über die Erfahrungen im Tourismus unter Corona-Bedingungen und die Notwendigkeit einer Modernisierung des Staates.

Die Modernisierung unseres Staatswesens ist wichtig

Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion

Auf die kam Ralph Brinkhaus gleich zu Beginn zu sprechen: „Die Modernisierung unseres Staatswesens ist wichtig. Wir sind in vielen Sachen zu langsam.“ Bis eine Idee, die in der Politik entwickelt werde, auf der Straße ankomme, dauere es viel zu lange. Zum einen müssten viele Prozesse weiter digitalisiert werden, zum anderen seien die einzelnen Behörden in Deutschland viel zu wenig miteinander vernetzt, führte Brinkhaus weiter aus. Er sei aber froh, wenn die Prozesse zunächst so gehalten werden könnten, wie sie momentan ablaufen, denn in Zukunft würden noch weitere bürokratische Hürden hinzukommen.

Für David Depenau, in dessen Hotel die Talkrunde stattfand, war diese Erklärung nicht ausreichend. „Ich kann gerade nicht im Ansatz erkennen, dass es schon so vernetzt ist.“ Depenau bezog sich dabei auf die Schwierigkeiten, Anträge zu stellen oder Betrug zu vermeiden. „Die Politik bastelt die gesetzliche Grundlage.“

Politik habe laut Landrat Reinhard Sager auch vieles richtig gemacht

Ostholsteins Landrat Reinhard Sager meinte, die Länder und der Bund hätten in der Pandemie-Bewältigung vieles richtig gemacht. Im Mai sei noch diskutiert worden, ob es eingehalten werden könne, dass jedem im Sommer ein Impfangebot gemacht wird. „Jetzt haben wir mehr Angebote als Nachfragen“, betonte Sager. Eine zu starke Zentralisierung der Bürokratie befürwortete der Landrat nicht. Er favorisiere stattdessen eine gute Kooperation zwischen den politischen Ebenen.

Die Unternehmer Christoph Andreas und Claudia Leicht, die den Hansa-Park in Sierksdorf betreiben, äußerten ihre Sorgen über den weiteren Umgang mit der Pandemie. „Wir sehen die Bundestagswahl als Familienunternehmer als Richtungswahl“, sagte Christoph Andreas Leicht. Für ihn sei es wichtig, dass die Stellschrauben bei den Themen Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer nach der Wahl nicht verändert würden. Das Ehepaar Leicht sorge sich darum, dass es Parteien gebe, die den Unternehmern zu viel Geld über diese Wege nehmen wollen. „Wenn man der großen Katze die Mäuse wegnimmt und sie an die kleinen Kätzchen verteilt, dann hat die große Katze irgendwann keine Lust mehr, zu mausen“, drückte es der Chef des Hansa-Parks aus. Die Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer seien für sie deshalb wichtig bei der Vermögensplanung, äußerte Christoph Andreas Leicht, der die Familienunternehmer als Träger des ländlichen Raumes bezeichnete.

Wenn ich sehe, wo wir stehen, ist das ein jämmerliches Bild

Hans-Peter Wolf, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes

Ein Problem, mit dem alle anwesenden Akteure der Tourismusbranche derzeit zu kämpfen haben, betrifft das Finden von Arbeitskräften. Der Hotelier von Fehmarn und Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbandes, Hans-Peter Wolf, sei mit den finanziellen Hilfen aus der Politik bislang einigermaßen gut durch die Pandemie gekommen. Jedoch sorge er sich sehr um seine Mitarbeiter, denn es sei immer schwieriger, geeignete Arbeitskräfte zu finden. „Wenn ich sehe, wo wir stehen, ist das ein jämmerliches Bild. Die Leute können nicht mehr. Wir machen sehr viel, dass es wirklich funktioniert, aber warum müssen die Mitarbeiter, die schon geimpft sind, immer noch einen Mundschutz tragen?“, fragte Wolf. Ein Mitarbeiter sei bereits einmal kollabiert. Zudem komme derzeit immer mehr das Problem auf, die richtigen Arbeitskräfte zu finden. Das bestätigte auch Depenau: „Wir haben dieses Jahr erstmals Öffnungszeiten einschränken müssen.“

Hans-Peter Wolf

Arbeitskräftemangel im Hansa-Park wird zum Problem

Christoph Andreas Leicht schilderte die Situation im Hansa-Park: „Wir haben die Parkreiniger, aber natürlich haben wir auch die Ingenieure. Es muss möglich sein, Menschen zu beschäftigen, die auch den Park reinigen. Wie können wir das langfristig mit europäischen Arbeitskräften bewerkstelligen? „Das Problem ist, wir bekommen keine Auszubildenden mehr, es gibt immer mehr, die studieren“, ergänzte Claudia Leicht.

Brinkhaus erklärte: „Ich verstehe, wenn Gastronomen sagen, sie brauchen helfende Hände.“ Er machte aber auch deutlich, dass es Schwierigkeiten dabei gebe, Arbeitskräfte aus dem europäischen Ausland anzuwerben. Die Potenziale müssten mehr ausgeschöpft werden. So erklärte er, dass Integration in erster Linie über die Arbeit erfolgen müsse und ein Sprachkurs erst danach Priorität hätte.

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