Bürgerbusfahrer Fehmarn
+
Bürgerbusfahrer – ein abwechslungsreiches Ehrenamt, für das der Bürgerbusverein weitere engagierte Personen sucht.

Wer hat Lust, mitzumachen?

Auf Fehmarn werden Bürgerbusfahrer dringend gesucht

  • Nicole Rochell
    VonNicole Rochell
    schließen

Der Bürgerbusverein Fehmarn sucht dringend Fahrer, um das Angebot aufrechtzuerhalten. Momentan darf wirklich niemand ausfallen – einige müssen sogar doppelt fahren.

  • Busse sind da, Fahrerteam ist bestenfalls auf Kante genäht.
  • Im Herbst Werbeaktion geplant.
  • Angebot soll auf jeden Fall weiterhin ehrenamtlich gestemmt werden.

Fehmarn – Wenn die Bettdecke zu kurz ist, kann man machen, was man will – irgendwo fehlt immer ein Stück. Das Decken-Prinzip beschreibt die derzeit personelle Situation bei Fehmarns Bürgerbusverein. Dessen Fahrerteam braucht dringend Verstärkung. Fahrerplanerin Renate Niß fragt sich jeden Tag erneut, ob sich wohl wieder auf dem Plan alle Lücken schließen beziehungsweise für alle Touren Fahrer finden lassen werden. 

Ees ist eine einfache Rechnung

Es ist ein einfaches Rechenbeispiel: 24 ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer engagieren sich aktuell für den Bürgerbusverein. Davon sind drei krank und werden in diesem Jahr nicht mehr fahren können, so Beate Burow, seit zwei Jahren an der Spitze des insularen Bürgerbusvereins. Da waren‘s noch 21. Um das derzeitige Streckennetz mit fünf Touren, die dreimal am Tag bedient werden, plus der Wallnau-Tour, die dreimal in der Woche auf dem Fahrplan steht, aufrechterhalten zu können, werden aber mindestens 22 Fahrer benötigt. Also müssen bereits jetzt einige doppelt fahren, um den Status quo überhaupt halten zu können. Was gleichzeitig bedeutet: niemand darf krank werden, anderweitig terminlich verhindert sein, kurzum: ausfallen. 

Eigentlich braucht es mindestens fünf weitere Fahrer

Eine Ungewissheit, die stresst. Burow kennt das Gefühl, morgens noch nicht zu wissen, wer die Nachmittagstour übernimmt. Etwa 20 Jahre lang war sie für die Fahrerplanung zuständig. Beim jetzigen Angebot wären mindestens fünf neue Fahrer erforderlich, „um die Sache mal wieder auf solide Beine zu stellen und nachts wieder ruhig schlafen zu können“, sagt Burow, die, wenn der Bürgerbusverein im nächsten Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, seit ebenso vielen Jahren dabei ist. 

Burow: Bürgerbusverein ist eine Herzensangelegenheit

Der Bürgerbusverein – „das ist mir eine Herzensangelegenheit“, sagt Burow, die sich durchaus vorstellen kann, das Bürgerbus-Angebot zu attraktivieren, sprich auszubauen, sollten sich genügend ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer zur Verfügung stellen. Von einer Strecken-Erweiterung, vielleicht inklusive weiterer Campingplätze, die bis dato noch nicht angesteuert werden, bis hin zur engeren Taktung – möglich wäre das, so Burow, die sich in dem Fall vorstellen könnte, den Norden der Insel, inklusive Campingplätzen, anzusteuern ebenso wie den Südwesten Fehmarns. 

Fuhrpark gibt Erweiterung her

Wenn es momentan auch noch an Manpower für derlei Expansions-Gedanken fehlt – der Fuhrpark des Bürgerbusvereins gäbe eine Erweiterung durchaus her, listet Burow auf. Da ist der Fiat, das älteste Fahrzeug, überwiegend als Ersatzbus im Einsatz, der Ford, 2015 in Dienst gestellt, der als zusätzlicher Bus bei hohem Fahrgastaufkommen eingesetzt wird, der Opel mit Hebebühne und Rollstuhlplatz und seit Februar dieses Jahres der neue Sprinter, der über einen bequemen Einstieg verfügt und für Rollstuhlfahrer barrierefrei ist. „Und er hat ein großes Display in der Frontscheibe“, erwähnt Burow, sodass nun auch ganz professionell beim Bürgerbus das Fahrziel angezeigt werden kann. Oder auch „Sondertour“ aufblinkt, wenn der Bus in dieser Mission unterwegs sein sollte. Denn auch das kommt vor. 

Auch Sonderfahrten kommen mitunter vor

Die Fahrzeuge des Bürgerbusvereins sind von April bis Oktober (außer an Sonn- und Feiertagen) bekanntlich nicht nur im Linienverkehr unterwegs und fahren von November bis März als Anrufbus, sie können auch gemietet werden. Mit Fahrer, ohne Fahrer, wie’s beliebt. Bei größeren Gruppenfahrten kommen mitunter alle vier Busse zum Einsatz. Erst kürzlich wurde eine Hochzeitsgesellschaft gefahren, vom Südstrand zum Rathaus und nach der Trauung wieder zurück, brechen Fehmarns Senioren auf Einladung von „Haff und Huk“ am Sonntag zur Nördlichen Seeniederung auf, kommen Opel und Ford aus dem Fahrzeugbestand des Bürgerbusvereins zum Einsatz, verdeutlicht Burow. 

Möchten Sie mitfahren? – Nein, ich warte auf den Bus. Das ist der Bus, steigen Sie bitte ein, wenn Sie mit möchten. – Nein, ich warte auf den richtigen Bus! – Das ist der richtige Bus!

Beate Burow weiß von vielen kuriosen Erfahrungen

Sie hofft, dass künftig möglichst viele neue Fahrerinnen und Fahrer für den Bürgerbusverein unterwegs sein werden. „Man engagiert sich für die Allgemeinheit, und es macht einfach Spaß“, betont Burow, die ein Buch schreiben könnte über alle lustigen, skurrilen aber überwiegend positiven Erlebnisse beim Fahren des Bürgerbusses. „Wo bleiben Sie denn? Ich warte schon seit einer Stunde!“ – Ups, Zeitumstellung. Fahrgäste, die den Fahrplan nicht lesen können und solche, die an der Bushaltestelle des Bürgerbusses stehen, auf den Bürgerbus warten und, keine Ahnung was, von ihm erwarten. „Möchten Sie mitfahren?“ – „Nein, ich warte auf den Bus.“ „Das ist der Bus, steigen Sie bitte ein, wenn Sie mit möchten.“ – „Nein, ich warte auf den richtigen Bus!“ – „Das ist der richtige Bus!“ 

Nicht jeder Fahrgast hat gute Laune

Und ja, auch den ein oder anderen Fahrgast, dem die gute Laune, selbst im Urlaub, abhanden gekommen ist, gibt es; der meckert über zwei Minuten Verspätung und sich gleichermaßen über den dichten Verkehr in der Innenstadt beschwert, wenn‘s gerade wieder mal nur im Schneckentempo vorangeht. Ein kurzer Hinweis darauf, dass alle Fahrer dieses Angebots ehrenamtlich unterwegs sind, genüge jedoch in den allermeisten Fällen, um auch die größten Krittler für den Rest der Fahrt milde zu stimmen. 

Burow: Fehmarn hat noch genügend potenzielle Bürgerbus-Fahrer

„Flexibilität ist eine unserer Stärken, einmal ganz abgesehen von der absoluten Freundlichkeit unserer Fahrer“, hebt Burow hervor, die der festen Überzeugung ist, dass auf Fehmarn durchaus genügend Potenzial für noch so manchen Bürgerbus-Fahrer vorhanden ist. Vorrangig Menschen, die in Rente und hierhergezogen sind, stellt sich Burow vor, die im Herbst eine Werbeaktion plant, um zusätzliche, neue Fahrer zu gewinnen. „20 Jahre Bürgerbus fahren – das ist locker drin“, sagt sie immer. Stimmt, wirft man einen Blick auf die aktuelle Liste der Fahrerinnen und Fahrer, sitzen viele bereits seit sechs, sieben oder bereits über zehn Jahren hinter dem Steuer des Bürgerbusses. Bekanntlich eine Initiative der Bürger Fehmarns für die Bürger Fehmarns – und Gäste. Ein Angebot, das zusätzlich zum öffentlichen Nahverkehr verschiedene Ortschaften der Insel mit Burg verbindet und als Ergänzung, nicht Konkurrenz, zum ÖPNV zu verstehen sei, so Burow. Sie hält nichts davon, Fahrer anzustellen und zu bezahlen. Damit würde der Gedanke der Ehrenamtlichkeit verloren gehen, sagt sie.

Idee lebt vom ehrenamtlichen Engagement

„Die Idee des Bürgerbusses lebt vom ehrenamtlichen Engagement, insbesondere dem unserer Fahrerinnen und Fahrer“, so Beate Burow, mal abgesehen davon, dass sich im Falle einer Anstellung dann auch die Fahrpreise erhöhen würden. Nein, der Bürgerbusverein – seinerzeit hervorgegangen aus dem Mobilitätskonzept des Umweltrates Fehmarn – soll seinen ehrenamtlichen Charakter nicht verlieren, macht die Vorsitzende deutlich. Außerdem könnte man all den ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern, von denen einige seit vielen Jahren dabei sind, ja auch nur schwer begreiflich machen, warum ein anderer, der denselben Dienst erbringt, dafür bezahlt werde, erklärt Beate Burow. 

Einmal im Monat Fahrertreffen

Grundsätzlich fahren die Fahrer einmal in der Woche, einige auch zweimal, je nach Lust und Laune. Doch sie fahren nicht nur, sie sind auch gesellig. Einmal im Monat findet ein Fahrertreffen statt. Anfangs in der Teestube, dann im „Café liebevoll“, derzeit im Haus im Stadtpark kommen die Fahrerinnen und Fahrer immer am ersten Montag im Monat zusammen, um die neuesten Erlebnisse und Neuigkeiten auszutauschen. Zu diesem Treffen sind natürlich auch all jene willkommen, die sich vorstellen können, das Fahrerteam zu verstärken. 

Busse sind da – Personal ist ausbaufähig

Ganz klein angefangen, mit einem Bus, dem Fiat, die Fahrpläne wurden noch auf den Kopierer gepackt, erinnert sich Beate Burow und freut sich wie Bolle, dass aus „so einer kleinen Keimzelle“ so etwas Großes und Schönes gewachsen ist. „Wäre nur schön, wenn sich proportional zu den Bussen, die wir heute haben, auch die Zahl der Bürgerbus-Fahrer entwickelt hätte.“

Wer sollte sich angesprochen fühlen?

Also: Fahrer vor, wünscht sich der Bürgerbusverein. Angesprochen sind alle, die Spaß am Autofahren haben, mindestens 21 Jahre alt sind, einen Führerschein der alten Klasse 3 oder den entsprechenden EU-Führerschein Klasse B haben und über mindestens zwei Jahre Fahrpraxis verfügen. Zusätzlich müssen sich die Fahrerinnen und Fahrer in spe einem Gesundheitscheck unterziehen. Der Führerschein wird, sofern noch nicht geschehen, auf das neue EU-Format umgestellt. Außerdem wird die Erlaubnis zur Fahrgastbeförderung erworben. Der Verein trägt alle Kosten, die mit dem Erwerb entstehen, also für den Fahrgastbeförderungsschein, die eventuell notwendige Umstellung auf das neue EU-Format, das Führungszeugnis und den Gesundheitsscheck beim Arbeitsmedizinischen Dienst in Kiel. Weitere Informationen zum Bürgerbusverein gibt es auf buergerbus-fehmarn.de oder unter 04371 506654 bei Beate Burow. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.