Promenade am Südstrand auf Fehmarn
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Auf der Promenade am Südstrand in Burgtiefe wird ab dem 17. Mai wieder deutlich mehr los sein

„Alle sind am Rotieren“

Aufbau eines Testregimes auf Fehmarn für Tourismus-Restart am 17. Mai

  • Manuel Büchner
    vonManuel Büchner
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Jetzt muss es schnell gehen. Ab 17. Mai kehrt in ganz Schleswig-Holstein der Tourismus zurück. Auch Fehmarn krempelt die Ärmel hoch, damit in anderthalb Wochen alles startklar ist.

  • Testregime auf Fehmarn mit bis zu 15000 Tests pro Woche.
  • Unternehmen ist beauftragt, Konzept wird dem Kreisgesundheitsamt Montag (10. Mai) vorgelegt.
  • Keine Kosten für Stadt oder Getestete – der Bund übernimmt.

Fehmarn – Quasi von jetzt auf gleich öffnet Schleswig-Holstein ab dem 17. Mai (Montag) Tür und Tor für den Tourismus. So dürfen Geimpfte, Genesene und Getestete unter strengen Vorgaben landesweit Restaurants auch in Innenräumen aufsuchen und in Beherbergungsbetrieben übernachten, wie Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Mittwoch (7. Mai) bekannt gab. Die damit verbundenen Öffnungsschritte werden derzeit in eine neue Verordnung eingearbeitet, die in der kommenden Woche beschlossen wird, teilte Peter Höver, Regierungssprecher in der Staatskanzlei in Kiel, heute (7. Mai) mit.

Fehmarns Tourismusdirektor Oliver Behncke sprach von „Aufbruchstimmung“ gegenüber dem FT. Er verspüre eine große Erleichterung auf allen Ebenen. „Die Not ist riesig, deshalb sind wir bereit, alle Vorgaben ohne Wenn und Aber auf uns zu nehmen.“

Erster und wichtigster Schritt ist seit Mittwoch der Aufbau eines Testnetzes auf Fehmarn. „Wir sind im Dialog mit einem beauftragten Anbieter, das Ordnungsamt ist federführend eingebunden, und beim Kreisgesundheitsamt haben wir im Eilverfahren eine Genehmigung für Testzentren beantragt“, zählte Behncke die ersten Schritte auf, die unmittelbar nach der Pressekonferenz in die Wege geleitet wurden.

Fehmarn soll für eine sinnvolle Verteilung der Standorte in Sektoren aufgeteilt werden, teilte Behncke gestern Abend (6. Mai) in der Stadtvertretersitzung mit. Immerhin gehe es aktuell um bis zu 14000 Betten und etwas mehr als 18000 Schlafgelegenheiten auf Campingplätzen. Zehn Parkplätze seien vorgesehen, die wiederum gestern begutachtet wurden. „Der Anbieter will mit Containern arbeiten, um die Testung schnell abzuarbeiten.“ „Die Wege müssen wir kurz halten, damit die Infrastruktur nicht zu sehr belastet wird“, war für Behncke klar.

Im Idealfall 60 Personen pro Stunde und Standort

Der Abstrich soll in der Nase erfolgen. Wenn es optimal laufe, könnten 60 Personen pro Stunde an einem Standort getestet werden, so Behncke, wofür es eine Onlineregistrierung bräuchte und man eine entsprechende Datenschutzerklärung bei der Hand haben müsse.

Die Stadt hat für ein Buchungssystem mit fehmarn-schnelltest.de eine Webseite einrichten lassen, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, schließlich gehe man von bis zu 15000 Tests pro Woche aus, so der Touristiker. Die Seite soll innerhalb der nächsten Woche scharfgeschaltet sein.

Bis zu 30 Mitarbeiter werden gebraucht

Nicht nur der nahende 17. Mai sorgt für Druck, sondern auch die steigenden Preise für Container, führte Behncke weiter aus. Man stehe im Dialog mit einer Fachfirma aus Hamburg. Seit gestern werden zudem 25 bis 30 Mitarbeiter gesucht. Die Stellenausschreibungen sind raus. Ein Arzt wird am 16. Mai die Mitarbeiter schulen. Beabsichtigt ist, einen Container für PCR-Tests einzurichten, um die Ärzte vor Ort zu entlasten. Wer übrigens kein Smartphone hat, muss sich voraussichtlich zu einer zentralen Stelle begeben, wo die Daten analog aufgenommen werden.

Der Bund zahlt: Keine Kosten für Getestete oder die Stadt

„Die Abrechnung ist geklärt. Alles bleibt kostenfrei – selbst dann, wenn eine Person jeden Tag zum Testen käme“, erklärte der Tourismusdirektor. „Der Anbieter geht in enorme Vorleistung, der Bund zahlt erst nach 90 Tagen.“ Auch der Stadt würden keine Kosten anfallen. Einsätze der beiden Bauhöfe würden in Rechnung gestellt, so Behncke.

„Alle sind am Rotieren, es ist eine Herausforderung“, weiß der Tourismusdirektor. Jetzt sei es allerdings positiver Stress, wohingegen die Branche zuletzt verständlicherweise spürbar gereizt gewesen sei. Dass es gegenüber der Modellregion Innere Lübecker Bucht nun nur eine Woche später losgehe, sei ein gutes Zeichen. Bei aller Euphorie bleiben noch viele offene Fragen. „Es gibt noch keine Landesverordnung, sodass wir bei Details noch im nebulösen Raum stochern“, gestand Behncke. Gleiches gilt für die konkrete Umsetzung des Testregimes auf Fehmarn.

Wir müssen sehen, dass wir jetzt unsere Hausaufgaben machen.

Jörn Henning Kohlhoff, Vereinsvorsitzender Campingparadies Fehmarn

Tourismus auf Fehmarn generiert sich zu einem Drittel über Camping. Der Vorsitzende vom Verein Campingparadies Fehmarn, dem Zusammenschluss aller Campingplätze der Insel, Jörn Henning Kohlhoff, äußerte sich gestern optimistisch. „Wir müssen sehen, dass wir jetzt unsere Hausaufgaben machen.“ Sehnlichst warte man auf den Landeserlass, um Detailfragen klären zu können. Was den Aufbau des Testnetzes anbelangt, stehe man im regen Austausch mit dem Tourismus-Service. Er könne sich beispielsweise gut vorstellen, mobile Testzentren von Platz zu Platz fahren zu lassen. Oberstes Ziel des Vereinsvorsitzenden: „Wir müssen alles dafür tun, dass die Inzidenzen möglichst niedrig bleiben.“

Der Urlauber muss doch wissen, unter welchen Bedingungen er bucht.

IFA-Chefin Jutta Zimmermann

Abseits Camping ist das IFA Fehmarn Hotel & Ferien-Centrum der größte Beherbergungsbetrieb auf der Insel. Chefin Jutta Zimmermann blickt mit gemischten Gefühlen auf die Entscheidung aus Kiel. „Es ist gut, aber zu schnell.“ Sie hätte sich mehr Vorlauf für eine bessere Vorbereitung und mehr Planungssicherheit gewünscht – gerade für große Betriebe. „Jetzt machen wir es holterdiepolter.“ Zudem seien ohne Landesverordnung noch viele Details offen. Details, die konkrete Aussagen gegenüber den Gästen unmöglich machen. „Der Urlauber muss doch wissen, unter welchen Bedingungen er bucht.“

Nach sieben Monaten alles wieder hochfahren

Peter Wolf, Ortsverbandsvorsitzender des DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) auf Fehmarn, in Großenbrode und Heiligenhafen, zeigte sich von der Entscheidung aus Kiel überrascht. „Dass es so schnell geht, damit haben wir nicht gerechnet.“ Dessen ungeachtet sei die Freude groß. Nun gehe es darum, nach sieben Monaten alles wieder hochzufahren auf ein normales Level – Mitarbeiter müssten aktiviert werden, und auch die Industrie müsse nun schnell reagieren, so der Hotelier und Restaurantchef der Burg-Klause.

Gäste müssen sich an die Vorgaben halten

Für Wolf gehe es nun um ein Zusammenspiel von erprobten Hygienekonzepten der Branche und einem funktionierenden Testsystem. „Wir werden Gas geben, aber alle müssen mitspielen“, führte er, verbunden mit einer Bitte, eine weitere wichtige Variable ins Feld. Die Gäste, die glücklicherweise kommen würden, müssten sich auch in ihrer Urlaubseuphorie bewusst sein, wie wichtig es ist, sich an alle Vorgaben zu halten. „Das ist ein gemeinsames Spiel“, betonte Wolf gegenüber dem FT.

Weitere Stellungnahmen der Verkehrsvereine Fehmarns und einer Restaurantbetreiberin gibt es in der heutigen Freitagsausgabe des Fehmarnschen Tageblattes.

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