Projekt „Dialog P“ bringt Inselschüler und Landtagsabgeordnete an einen Tisch

Auf Augenhöhe diskutieren

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40 Schüler aus den Jahrgängen zehn und elf diskutierten mit fünf Landtagsabgeordneten fünf Themen, die zuvor erarbeitet wurden.

Fehmarn – Von Manuel Büchner – Fünf Landtagsabgeordnete diskutieren, tauschen Argumente zu vorgegebenen Fragestellungen aus mit Schülern aus dem zehnten und elften Jahrgang. Eher ungewöhnlich, was sich gestern in der Inselschule abspielte. Warum waren Marlies Fritzen (Grüne), Anita Klahn (FDP), Frank Brodehl (AfD), Peer Knöfler (CDU) und Kai Vogel (SPD) zurück auf der Schulbank? Verantwortlich dafür ist das Projekt „Dialog P“ (Dialog Politik) des Vereins Kumulus, bei dem Schüler mit Politikern über konkrete Themen auf Augenhöhe sprechen können. Der gemeinnützige und überparteiliche Verein ist in Berlin zu Hause und engagiert sich seit seiner Gründung 1998 mit gesellschaftspolitischen und kulturellen Projekten wie der „Juniorwahl“, das sich als größtes Schulprojekt zur politischen Bildung in Deutschland einen Namen gemacht hat.

„Dialog P“ geht in Schleswig-Holstein in seine erste Saison. Als eine von 35 weiterführenden Schulen nimmt die Inselschule teil. Beworben hatte sich Maik Güldenstern, Lehrer für Wirtschaft und Politik (WiPo), im März 2019 für seinen Kurs im Einführungsjahrgang der Oberstufe (11. Klasse) zusammen mit der 10c seines Kollegen Philipp Preus. Mit der Zusage absolvierte Güldenstern im Juni auch eine Fortbildung.

Rund ein Dreivierteljahr später sitzen fünf Schülergruppen mit jeweils einem Landtagsabgeordneten zusammen. Von den Moderatoren gab es die klare Ansage: Nicht vom Thema abschweifen, jeder soll zu Wort kommen und ausreden können, zudem soll stets ein respektvoller Umgang gewahrt werden. Es wird eifrig diskutiert – längst haben sich Schüler und Abgeordnete angenähert dank Vorstellungsrunde, Warm-up-Quiz und eines Spiels, bei dem die Politiker Satzanfänge vervollständigen mussten.

Güldenstern und sein Kollege beobachten aus dem Hintergrund – und so soll es auch sein. „Das ist ein Projekt von und für Schüler. Lehrer fungieren nur als Vermittler und Begleiter“, so Güldenstern. Beide Lehrer können „Dialog P“ viel abgewinnen. Man habe hohen Zuspruch unter den Schülern erfahren, die sich sehr engagiert gezeigt hätten, so Preus und spricht damit die eigenständige Ausgestaltung des Projektes an. Dennoch: Der Verein stellt das Gerüst zur Verfügung, worüber Güldenstein und sein Kollege sehr dankbar sind. Kontakt zu allen Fraktionen (außer SSW) herstellen, Termin abstimmen, ein Heft als Leitpfaden für die Thementische sowie ein Moderatorenheft zählen beide auf.

Seit November wurde das Projekt im WiPo-Unterricht vorbereitet, sprich ausgiebig zu den Politikern und ihren Ansichten recherchiert und vor allem die fünf Fragen erarbeitet, die dann in den fünf Gruppen zur Diskussion stehen sollten. „Das passte gut, da wir uns mit dem politischen System der Bundesrepublik beschäftigt haben“, berichtet Gülden- stern. So hätten die Schüler vieles sehr selbstständig erarbeitet, zeigte sich der WiPo-Lehrer zufrieden. Am Ende habe man aussieben müssen, denn Vorschläge habe es reichlich gegeben, so Preus. Geschafft haben es: Sollte es ein bedingungsloses Grundeinkommen geben? Plastikverbrauch komplett abschaffen? Sollten Schulen eine Mindestzulage für technische/digitale Bildung erhalten? Sollte die Fächerwahl in der Oberstufe frei sein? Sollte es bessere Busverbindungen im Nahverkehr geben?

Während die Gäste aus Kiel nach zehn Minuten zum nächsten Thementisch weiterziehen, bleiben die Schüler an Ort und Stelle als Experten einer Fragestellung. Nach der Diskussion stellen die Gruppen ein Resümee aus Pro und Kontra vor. Ein Austausch zwischen Politikern und ihren zukünftig potenziellen Wählern erfolgt letztmalig im großen Rahmen, bevor im Klassenverband die Nachbesprechung ohne die Abgeordneten stattfindet.

Kumulus-Projektreferentin Jana Wilkens freut sich über den erfolgreichen Start des Projekts im nördlichsten Bundesland. „‚Dialog P‘ ist auf große Resonanz gestoßen.“ Brandenburg, Hamburg, Berlin und Baden-Württemberg sind bereits im Boot – jetzt auch Schleswig-Holstein im Rahmen des Jahres der politischen Bildung, das Bildungsministerin Karin Prien 2019 ausrief. Während weitere Bundesländer folgen sollen, hofft Wilkens für Schleswig-Holstein auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr.

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