Wirtschaftsminister nannte seine wichtigsten Programmziele im Zuge des Baus der Beltbrücke

Austermann sieht Chancen für „Fehmarnbelt-Region“

Minister Austermann träumt von einer wirtschaftsstarken Fehmarnbelt-Region Hamburg-Kopenhagen.

RØDBY (wi/ra) • Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) ging in seiner Rede auf der dänisch-deutschen Tagung im Lalandia auf die Grenzpendler ein, die es heute schon gebe. Sein Ziel ist es, eine Fehmarnbelt-Region zu schaffen.

Austermann sieht mit dem Bau der Fehmarnbeltbrücke sehr eng die Entwicklung der Fehmarnbelt-Region zu einem gemeinsamen, grenzüberschreitenden Wirtschafts- und Arbeitsraum verknüpft. Inzwischen bestehe die Fehmarnbelt-Region aus Sjælland auf dänischer Seite und aus dem Kreis Ostholstein, der Hansestadt Lübeck und dem Kreis Plön auf deutscher Seite. „Eine norwegische Reederei will bis zur Fertigstellung der Brücke eine zweite Fährlinie einführen. Die Argumente des Nabu, dass es bei den Kapazitäten keine weiteren Bedürfnisse gibt, stimmen also nicht“, erklärte Minister Austermann, der sich besonders bei der abschließenden Diskussionsrunde immer wieder mit kritischen Äußerungen seitens des Nabu konfrontiert sah.

• 12000 • Grenzpendler • schon heute

Fachleute schätzen, dass sich die Zahl der Grenzpendler in der deutsch-dänischen Grenzregion seit dem Jahre 2000 etwa verfünffacht hat. Jetzt dürften es etwa 12 000 insgesamt sein – zu 90 Prozent Deutsche mit Job in Dänemark und zu 10 Prozent Dänen, die nach Deutschland pendeln. Eine sehr nützliche Rolle spiele laut Austermann dabei das Info-Center an der Grenze in Padborg. Es berate Arbeitnehmer in allen Fragen des Grenzpendelns und helfe vor allem, die bürokratischen Hürden zu nehmen. Diese Beratung sei ein wichtiger Beitrag zu mehr Mobilität auf dem Arbeitsmarkt. „Weitere Impulse erwarte ich von dem Deutsch-Dänischen Arbeitsmarkt-Forum, das sich Ende 2007 gebildet hat. Das Zukunftsprogramm Arbeit des Landes Schleswig-Holstein setzt ebenfalls einen Akzent auf die Integration des Arbeitsmarktes über die deutsch-dänische Grenze hinweg“, so Austermann wörtlich. Es seien aber nicht nur die Arbeitnehmer, die über die Grenze gingen. Austermann: „Auch kleine Unternehmen wagen immer öfter diesen Schritt. Ein Indiz liefert die Außenwirtschaftsberatung, die die Handwerkskammern Flensburg und Lübeck mit Hilfe des Landes und der EU anbieten. Seit dem Start im Herbst 2007 bis Mitte Februar 2008 zählten die Kammern 237 Beratungen.“ Wichtig sei es, die Sprachkenntnisse zu verbessern. „Viel zu wenige Deutsche sprechen Dänisch. Erfreulicherweise können zwar mehr Dänen Deutsch, aber auf beiden Seiten ist die Zweisprachigkeit leider weiter auf dem Rückzug“, sagte Austermann.

„Wenn Dänen zum Konzert gehen ...“

Die Mentalität spiele immer noch eine Rolle. Austermanns Vergleich: „Wenn Dänen zum Konzert gehen, wollen sie nicht nur Musik hören, sondern auch einen netten Abend erleben. Deutsche dagegen suchen den strengen Kunstgenuss. Dänen fehlt bei unseren Konzerten das soziale Erlebnis; das Drumherum bei dänischen Veranstaltungen verwässert den Deutschen das Musikerlebnis.“

Ein deutscher Unternehmer sage: Das ist zu teuer. Er meine: Verhandeln wir. Bei seinem dänischen Kollegen komme das als definitive Absage an, und er lasse das nächste Treffen platzen. Auch die unterschiedlichen Verhältnisse spielten eine Rolle. „Nehmen Sie die Gebietsstruktur: Die deutschen Kommunen sind klein. In Dänemark haben sie es mit Großgemeinden zu tun. Da sind passende Projektpartner nicht immer leicht zu finden“, erläuterte Austermann. Für die Fehmarnbelt-Region gehe es um den Aufbau eines gemeinsamen Regionalbewusstseins nach innen und nach außen. Austermanns Ziele: Entwicklung der Region zu einem gemeinsamen, grenzüberschreitenden Wirtschafts- und Arbeitsraum. Mehr Zusammenarbeit in den Bereichen Kultur, Wirtschaftsförderung, Arbeitsmarkt, Infrastruktur und Logistik, Hochschulkooperation, Energie, Tourismus, Gesundheit, Landesplanung und Bildung. Aber auch die Fehmarnbeltregion fange in Sachen Kooperation nicht bei Null an, wenn „in ein paar Jahren“ die feste Querung des Fehmarnbelts komme. Einige ältere Mitbürger erinnerten sich bestimmt noch an die Deutsch-Dänische Woche 1977, ging Austermann in die Historie zurück. Das Amt Storstrøms und der Kreis Ostholstein hätten damals mit zahlreichen Veranstaltungen 100 000 Menschen aus beiden Ländern auf die Beine gebracht. „Das war die Initialzündung für viele kommunale Partnerschaften und andere Beziehungen über den Fehmarnbelt hinweg“, so Austermann. 1989 verabschiedeten Ostholstein und Storstrøm eine gemeinsame Resolution, in der sie die Entwicklung einer grenzüberschreitenden gemeinsamen Region proklamierten. Im Dezember 1991 bewilligte die EU-Kommission die ersten 500 000 Euro aus Interreg-Eins-Mitteln für die ersten gemeinsamen Projekte der Region. Die Fehmarnbelt-Region, so Austermann, bilde einen Brückenpfeiler zwischen den beiden europäischen Metropolregionen Hamburg und Kopenhagen/Malmö und habe vor wenigen Wochen gerade 23 Millionen Euro aus Interreg-IV-A bewilligt bekommen. Das zu Grunde liegende Programm folgt der Vision einer „funktionierenden maritimen Region im Ostseeraum“ und strebt dazu vier Ziele an. Austermann legte gestern diese Ziele der FT-Redaktion vor: Programmziel 1: Wirtschaftliche Positionierung der Region entlang der Achse Hamburg – Kopenhagen/Malmö. Programmziel 2: Verbesserung der Attraktivität der Fehmarnbelt-Region. Programmziel 3: Mehr Information und Wissen für die Bevölkerung der Region. Programmziel 4: Förderung der Integration.

Austermann wörtlich: „Ich bin sicher, dass die Fehmarnbelt-Region weiter zusammen wachsen wird. Entscheidend sind der Wille und die Beharrlichkeit, die Zusammenarbeit in der konkreten Situation immer wieder weiter zu treiben. Die Brücke bringt Dänemark und Deutschland noch einmal näher zusammen. Das ist gut für Europa und vor allem eine riesige Chance für die Fehmarnbelt-Region.“

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