Die Amalienhofer Brücke auf der B207
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Die Amalienhofer Brücke wird zum neuralgischen Punkt beim Ausbau.

Verfahren vor dem Oberwaltungsgericht

B207-Ausbau auf Fehmarn rückt näher

  • Andreas Höppner
    vonAndreas Höppner
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Der Ausbau der B207 wurde am Freitag und am Montag vor dem Oberverwaltungsgericht Schleswig verhandelt. Der NABU schloss einen Vergleich, das Aktionsbündnis gegen eine Feste Fehmarnbeltquerung nahm die Klage zurück.

  • Verhandlung der Klage der Reederei Scandlines steht noch aus.
  • Land und NABU bewerten Vergleich positiv.
  • Aktionsbündnis beklagt unfaire Verhandlungsführung.

Fehmarn/Schleswig – Der Ausbau der B207 über Heiligenhafen hinaus bis nach Puttgarden rückt näher. Vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig steht nur noch die Verhandlung der Klage der Reederei Scandlines aus. 

Am Montag sah sich das Aktionsbündnis gegen eine Feste Fehmarnbeltquerung schon am ersten Verhandlungstag gezwungen, die Klage zurückzuziehen und sich zähneknirschend mit einem Kompromiss zufriedenzugeben. Schon am Freitag war die Klage des NABU in einen Vergleich mit dem Land gemündet, die Klagen der Stadt Fehmarn und der Gemeinde Großenbrode waren bereits im Februar 2020 abgewiesen worden.

Aktionsbündnis vom Ergebnis enttäuscht

Während Land und NABU ihren außergerichtlichen Vergleich unterm Strich positiv bewerteten, spricht das Aktionsbündnis von einem enttäuschenden Ergebnis. Bündnissprecher Hendrick Kerlen nahm kein Blatt vor den Mund und beklagte „eine äußerst unfair empfundene Verhandlungsführung durch den Vorsitzenden des Senats“. So sei schon im Verlauf des ersten Verhandlungstages klar gewesen, dass „für das Gericht nur eine Klageabweisung in Betracht kam“. Deshalb habe sich das Aktionsbündnis dazu entschlossen, die „mageren Zusicherungen“ des Landes als „Spatz in der Hand“ zu nehmen und im Gegenzug die Klage zurückzuziehen, bedauert Kerlen.

Abgerungen werden konnte dem Land hingegen eine Verbesserung des Entwässerungskonzeptes, indem Retentionsbodenfilter statt Regenrückhaltebecken die Reinigung des Oberflächenwassers übernehmen sollen. Zugestanden worden sei auch der Bau eines Wildschutzzaunes auf Fehmarn auf der Westseite der B207, sofern die Deutsche Bahn auf der Ostseite einen Wildschutzzaun errichtet. „Und darauf werden wir hinwirken“, machte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) deutlich.

Kaum Bewegung gab es hingegen bei der Planung für den Neubau der Amalienhofer Brücke. An der für die Kreuzung vorgesehenen Ampellösung während der Bauphase werde festgehalten, so Kerlen, der bedauert, dass „das absehbar noch verstärkte Verkehrschaos zwischen Landkirchen und Burg“ vom Land „billigend in Kauf genommen“ werde. Zugesichert worden sei nur, dass der Umbau erst nach Fertigstellung der Anschlussstelle Avendorf erfolge und die B207 über die K49 erreichbar bleibe. 

Das ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Hinterlandanbindung des Belttunnels.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP)

Weitaus besser ist die Stimmungslage beim NABU über „freiwillige zusätzliche Naturschutzmaßnahmen“ des Landes beim Ausbau der B207. Davon profitierten unter anderem Amphibien, Watvögel, Reptilien, sowie der vom Aussterben bedrohte Kriechende Scheiberich, so Minister Buchholz und NABU-Verkehrsexperte Malte Siegert. „Das ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Hinterlandanbindung des Belttunnels“, frohlockt Buchholz. Siegert schränkt hingegen ein: „Wir bleiben grundsätzlich besonders wegen des enormen Anteils der Straße beim Fehmarnbeltquerungsvorhaben nicht überzeugt. Mit dem Vergleich werden aber zumindest wesentliche Forderungen des NABU für einen naturverträglicheren Bau der Hinterlandanbindung erfüllt.“

Um den Vergleich umzusetzen, wird das Land nach Angaben von Buchholz bei Großenbrode eine weitere Kompensationsfläche von 4,25 Hektar erwerben, die dauerhaft dem Naturschutz gewidmet wird. Zudem werden auf bereits vorgesehenen Ausgleichsflächen von 15,6 Hektar zusätzliche Aufwertungen vorgenommen.

Auf diese Weise können Lärm und Stickstoffemissionen verringert und ein schnellerer Erfolg der Naturschutzmaßnahmen erreicht werden

NABU-Verkehrsexperte Malte Siegert

Neben den ökologischen Aufwertungen wurde auch eine Vereinbarung zum Bauablauf getroffen, um angesichts der noch nicht endgültigen Planung der Fehmarnsundquerung einen Rückbau möglichst zu verhindern. Darüber hinaus will das Land auf eine befristete Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km/h auf einem 2,5 Kilometer langen Abschnitt auf Höhe des Fehmarnsundes hinwirken. „Auf diese Weise können Lärm und Stickstoffemissionen verringert und ein schnellerer Erfolg der Naturschutzmaßnahmen erreicht werden“, sagte Siegert.

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