Mirko Schönfeldt zeigt in seinem Büro den ersten Vertrag, den Baltic FS mit einem Baukonsortium abschließen konnte
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Mirko Schönfeldt, Geschäftsführer von Baltic FS, zeigt in der Geschäftsstelle in Beusloe stolz den ersten Vertrag, den Baltic FS mit einem Baukonsortium abschließen konnte.

Baltic FS hat erstes Etappenziel erreicht

Partizipation am Tunnelbau: Neunjähriges Geduldsspiel

  • Manuel Büchner
    vonManuel Büchner
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  • Andreas Höppner
    Andreas Höppner
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Der Bau der Festen Fehmarnbeltquerung beginnt bald auf deutscher Seite. Baltic FS und seine Unternehmen wollen daran partizipieren. UPDATE: Die Initiative „Bewahrt Fehmarn“ kritisiert Äußerungen von Baltic FS.

  • Baltic FS führt 22 mittelständische Unternehmen unter einem Dach zusammen.
  • 15 Prozent der Kosten für den Fehmarnbelttunnel werden auf deutscher Seite verbaut.
  • Industrieareal zwischen Puttgarden und Marienleuchte wieder aufleben lassen. Aussage sorgt für Kritik

Fehmarn/Beusloe – Der 3. November 2020 und der 4. Januar 2021 dürften für Mirko Schönfeldt, Geschäftsführer von Baltic Facility Solutions (Baltic FS), für immer einen besonderen Platz in den Erinnerungen behalten. Im November wies das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig sämtliche Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss für den Fehmarnbelttunnel ab, während vor zwei Wochen auf dänischer Seite – wenn auch nur virtuell – der offizielle erste Spatenstich für den Bau des Tunnels erfolgte. Auf deutscher Seite wird damit für 2022 gerechnet.

Unter dem Dach von Baltic FS sind 22 mittelständische Unternehmen aus der Region zusammengefasst, die am Bau des europäischen Großprojekts partizipieren möchten. „Wir wollen in der Bauzeit dabei sein, um nachher gut dazustehen“, so Mirko Schönfeldt zur Zielsetzung und fasst zusammen: „Von 7,1 Milliarden Euro, die der Tunnel kostet, werden 15 Prozent auf deutscher Seite verbaut. Von dieser einen Milliarde Euro fließt einiges ins Bauwerk, doch einiges wird auch hier bleiben.“

Ersten Vertrag für Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Tasche

Und Baltic FS ist schon jetzt dabei. Stolz verweist Schönfeldt auf einen ersten Vertrag, der für den im Arbeits- und Gesundheitsschutz tätigen Lübecker Partnerbetrieb FCK Consult mit dem Baukonsortium FLC (Femern Link Constructors) abgeschlossen werden konnte. Dass der Vertrag die Nummer eins trägt, sei ein gutes Zeichen und unterstreiche das Vertrauen, das die großen Baukonsortien in die Unternehmen vor Ort setzten, so seine Einordnung.

Vom „Geduldsmanagement“ zum „Erwartungsmanagement“

Der erste Vertrag ist also fix, doch man habe langen Atem beweisen müssen, blickt der Geschäftsführer von Baltic FS zurück, insbesondere auch die vier Gesellschafter Gollan, Grothe Bau, das Lübecker Wachunternehmen Dr. Kleinfeldt und Metallbau Grebien von Fehmarn. Es sei schon eine „gewisse Herausforderung, über neun Jahre Geld und Zeit in ein Projekt zu stecken, das so weit weg ist“, sagt Schönfeldt. Im Prinzip sei über neun Jahre „Geduldsmanagement“ erforderlich gewesen. „Und jetzt ist es in ein Erwartungsmanagement umgeschlagen“, folgt für den 46-jährigen Juristen der nächste Schritt, um die 22 Partnerunternehmen von Baltic FS mit „mehr als 10000 Angestellten aus der Region und einem Jahresumsatz von über 1,4 Milliarden Euro“ mit den Baukonsortien in Kontakt zu bringen. Angebote in Höhe von rund 200 Millionen Euro seien den Baukonsortien bereits unterbreitet worden, berichtet Schönfeldt.

Abgesehen von einigen Vorarbeiten, so Schönfeldts Einschätzung, werden die Bauarbeiten auf deutscher Seite erst im kommenden Jahr richtig in Fahrt kommen, sodass auch in diesem Jahr noch etwas Geduld gefragt sein wird.

Mut, Vision und Durchhaltevermögen bewiesen.

Mirko Schönfeldt, Geschäftsführer von Baltic Facility Solutions (Baltic FS)

Doch sämtliche Unternehmen hätten „Mut, Vision und Durchhaltevermögen bewiesen“, lobt Schönfeldt, der schätzt, dass die Baltic FS-Betriebe bislang „locker über zwei Millionen Euro investiert“ haben in die Chance, am Tunnelbau überhaupt beteiligt sein zu können.

Chance, die wirtschaftliche Entwicklung an der Trasse in Ostholstein voranzutreiben

Der 46-Jährige wird nicht müde zu wiederholen, dass die Feste Fehmarnbeltquerung die große Chance für Fehmarn und die Region sei, die wirtschaftliche Entwicklung an der Trasse voranzutreiben. Bereits jetzt stelle die Kommune Lolland große Flächen für Gewerbeansiedlungen entlang der Trasse zur Verfügung, hat Schönfeldt eine große Aufbruchstimmung auf dänischer Seite ausgemacht. Und: Die von Vorhabenträger Femern A/S im vergangenen Jahr gestarteten Arbeiten am Arbeitshafen östlich Rødbyhavn machten große Fortschritte. Man habe bereits mit der Westmole angefangen und sei den Planungen etwa drei Monate voraus, ergänzt Schönfeldt.

Auch in Deutschland lassen die Bagger nicht mehr lange auf sich warten

In Deutschland geht‘s noch etwas langsamer, aber auch hier lassen die Bagger nicht mehr allzu lange auf sich warten. Femern A/S muss die Baustelle einrichten, will einen Arbeitshafen und anschließend die Tunnelportale sowie Zufahrten bauen. Und da möchte Baltic FS ganz nah dran sein am Ort des Geschehens. Am besten mit der 15 Hektar großen Fläche zwischen Puttgarden und Marienleuchte. Ein Sondergebiet, das zeitlich begrenzt auf die Bauphase ausgewiesen und genutzt werden soll. Vor sechs Jahren war das bereits ein Thema gewesen. Im März 2015 war mithilfe eines Bürgerentscheids der Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan jedoch gekippt worden. Seitdem ruht das Projekt.

Mit Sonderfläche Baustelle einkapseln

Doch Mirko Schönfeldt ist weiterhin davon überzeugt, „das unsere Fläche die Rettung für die Insel ist“. Denn nur so könne „die Baustelle“ eng begrenzt „eingekapselt werden“. Andernfalls würde sich der Baustellenverkehr noch weiter über die Insel ausdehnen, so seine Einschätzung. Gut möglich also, dass das Thema temporäres Sondergebiet bald wieder in der politischen Diskussion auftaucht. Da nun auch auf deutscher Seite Baurecht besteht, haben sich die Rahmenbedingungen ein wenig geändert.

Pfeift Baltic FS auf das Ergebnis?

Die Initiative „Bewahrt Fehmarn“ reagiert mit Unverständnis auf die Ankündigung von Baltic FS, im Zusammenhang mit dem Bau der Festen Fehmarnbeltquerung auf Fehmarn erneut ein Industrieareal ins Gespräch zu bringen. Dr. Angelika Wenner-Binding, Sprecherin der Initiative: „Das Votum der Fehmaraner im Bürgerentscheid war 2015 deutlich und bindend.“ Zwei Drittel hätten gegen das Industrieareal gestimmt und es damit abgeschmettert.

Industrieareal auf Fehmarn ist überflüssig

Die Politik habe anschließend deutlich zu verstehen gegeben, sich diesem Ergebnis dauerhaft verpflichtet zu fühlen, so Wenner-Binding weiter. „Dass der Geschäftsführer von Baltic FS jetzt auf das deutliche Ergebnis zu pfeifen scheint, zeugt unserer Meinung nach von einem zweifelhaften Demokratieverständnis.“ Die Initiative betont, dass ein solches Sonderareal auf Fehmarn weiterhin nicht gebraucht werde, da die Baustellen-Logistik nach den Plänen von Femern A/S vor allem über das Meer erfolgen werde.

„Schon im Vorfeld des Bürgerentscheides hatte Femern A/S bekundet, dass ein zusätzliches Industrieareal nicht erforderlich ist“, so Wenner-Binding. Die Initiative betrachtet etwaige Pläne von Baltic FS daher als Versuch „eines spekulativen Investments von Festland-Unternehmen, das vor allem zu Lasten Fehmarns gehen wird“.

Bürgerentscheid muss akzeptiert werden

Das Areal wäre eine zusätzliche Belastung parallel zu den ohnehin drohenden Baustellen. „Im Vorfeld der Bürgermeisterwahl müssten die Parteien jetzt klar Stellung beziehen. „Werden Ergebnisse von Bürgerentscheiden nicht nachhaltig akzeptiert, tritt man den Wählerwillen mit Füßen“, ergänzt Rainer Ackermann, ebenfalls Sprecher der Initiative.

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