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Bauausschuss kippt Wohnhaus mit WC in Orth

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Von: Andreas Höppner

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Fehmarn Orth WC
Wo jetzt die Garagen stehen auf der Ostseite des Orther Hafens, werden sie auch in Zukunft stehen und den Charme der 1970er-Jahre versprühen. © Andreas Höppner

Das Wohnhaus mit WC in Orth ist vom Tisch. Der Bauausschuss kippte das Projekt knapp mit 6:5 Stimmen.

Fehmarn – Im Orther Hafenbereich wird vorerst kein öffentliches WC errichtet. Der Bau- und Umweltausschuss entschied sich dafür, wenn auch knapp mit 6:5 Stimmen, das auf der Ostseite des Hafens seit fünf Jahren geplante Projekt nicht weiterzuverfolgen. Das Besondere an dem Vorhaben: Ein privater Investor errichtet das Gebäude, in diesem Fall ein Wohnhaus mit einer Dauerwohnung, das ein öffentliches WC vorhält, das wiederum an den Tourismus-Service Fehmarn (TSF) weiterverpachtet wird.

Vor einem Monat war im Bau- und Umweltausschuss eine Entscheidung vertagt worden. Ralf Sippel, direkter Anwohner und Wortführer zahlreicher Kritiker, die das Projekt auch hat, war mit einem neben dem ehemaligen Piratennest gelegenen Alternativstandort (wir berichteten) an den Ausschuss herangetreten, der die Verwaltung um Prüfung bat.

Nach Mitteilung von Benjamin May, Fachbereichsleiter Bauen und Häfen, habe deshalb gemeinsam mit Tourismusdirektor Oliver Behncke ein Termin vor Ort stattgefunden. Das Ergebnis: Der Eigentümer der Fläche könnte diese zur Verfügung stellen, auch hier müsste der B-Plan geändert werden, man fängt bei null an.   

Es wird dort nichts Hässliches entstehen.

Investor Lars Carstensen

In der Einwohnerfragestunde hatte der private Bauherr Lars Carstensen zuvor noch einmal für sein Vorhaben geworben, aber auch verdeutlicht, dass der TSF im Frühjahr 2017 auf ihn zugekommen sei und angefragt habe, ob Interesse bestehe, solch ein Projekt umzusetzen. Das Gebäude wäre zum Großteil auf seinem Grundstück, wo jetzt Garagen stehen, errichtet worden. Nur ein kleiner Teil des Areals befindet sich im Eigentum der Stadt. 

In den vergangenen fünf Jahren habe er alle Wünsche der Stadt umgesetzt, er habe auch einem einseitigen Sonderkündigungsrecht des TSF nach zehn Jahren zugestimmt, so Carstensen. „Es wird dort nichts Hässliches entstehen“, versicherte er, und verwies beispielsweise auf Klinkerbauweise. Im Sinne von „Verlässlichkeit und Fairness“ gegenüber einem Investor hoffe er auf eine positive Entscheidung, bat Carstensen um Zustimmung. Diese kam letztendlich aber nicht zustande.

Remling erbost über „Hü und Hott“

In der Diskussion hatte Jörg Josef Wohlmann (SPD) noch einmal an die Situation erinnert, dass das Projekt bereits vier Mal im Tourismusausschuss positiv beschieden worden sei, der Bau- und Umweltausschuss die Angelegenheit jedoch fast jedes Mal wieder zurückverwiesen habe. Regelrecht erbost über das „Hü und Hott“ zeigte sich Bernd Remling (SPD). Mit diesem Verhalten würde die Politik „die Verwaltung beschäftigen“ und sich „im Anschluss darüber beschweren, dass nichts vorangeht“, monierte er. „Das ist mit ein Grund, dass ich keine Lust mehr habe auf Politik.“ Dirk Frohberg (FWV) bemängelte, dass an dem Alternativstandort weitere Fläche versiegelt werden müsse, am vorgesehenen Standort nicht. Und eine Neuplanung würde „weitere zwei bis drei Jahre kosten“.

Wir brauchen dort eine Toilette, kein Wohngebäude.

Hinnerk Haltermann (CDU)

Marco Eberle (Grüne) hielt beide Standorte für nicht vertretbar, während Hinnerk Haltermann (CDU), der die Sitzung für den abwesenden Andreas Herkommer (SPD) leitete, sagte: „Wir brauchen dort eine Toilette, kein Wohngebäude.“ Und auch Rolf Möller (FDP-WUW) äußerte Kritik. So würde er den zentraler gelegenen Alternativstandort favorisieren, weil dort die Touristen entlangliefen und auch die Radfahrer auf dem Deich vorbeifahren würden.Tourismusdirektor Oliver Behncke erinnerte im Ausschuss daran, dass der TSF in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht habe mit der Anpachtung von Toiletten, wie beispielsweise in Teichhof, Gollendorf oder Fehmarnsund. Bei dem Alternativstandort in Orth müsste der TSF selbst bauen, so Behncke. 

Bezüglich des von der Behindertenbeauftragten Elwine Sievers-Tilsen vorgebrachten Einwands, dass der vorgesehene Standort des WC für Behinderte nur schwer erreichbar sei und eigentlich der ganze „Ort Orth“ für Behinderte eine „absolute Katastrophe“ sei, sagte Behncke, dass der TSF seit Jahren inklusiv plane. Mittlerweile sei es auch so, dass Barrierefreiheit oft auch Denkmalschutzbelange schlage, nährte der Tourismuschef die Hoffnung, mögliche Auflagen des Denkmalschutzes erfüllen zu können.

Doch alles Werben Behnckes für das Projekt verpuffte. Mit den Stimmen von CDU (3), Grünen (1), F³ (1) und FDP-WUW (1) wurde der Entwurfs- und Auslegungsbeschluss der B-Plan-Änderung nicht gefasst. SPD (3) und FWV (2) konnten sich nicht durchsetzen.

Ich nehme den Beschluss zur Kenntnis, er dient als Arbeitsauftrag, eine Alternative zu finden.

Tourismusdirektor Oliver Behncke

„Ich nehme den Beschluss zur Kenntnis, er dient als Arbeitsauftrag, eine Alternative zu finden“, so Oliver Behncke am Freitag gegenüber dem FT. Vorerst bleibt es nun bei der bisherigen Vereinbarung mit der Hafen Orth GmbH, die das alte Sanitärgebäude auf der Westseite des Hafens dem TSF von April bis Oktober kostenpflichtig zur Verfügung stellt. Der Pachtvertrag kann jährlich verlängert werden. Allerdings gibt es zwischen der Hafen Orth GmbH und der Stadt Fehmarn eine vertragliche Vereinbarung, dass die Stadt auf der Ostseite des Hafens ein öffentliches WC zu errichten hat.    

Lars Carstensen ist tief enttäuscht. Er habe immer transparent kommuniziert, auch das Kreisbauamt habe Zustimmung signalisiert. Und ebenso seien die alteingesessenen Orther an seiner Seite, dokumentiert durch Unterschriften, die er vorgelegt habe. In Vertrauen auf die ersten Beschlüsse im Tourismusausschuss und auch mit dem im Bau- und Umweltausschuss gefassten Aufstellungsbeschluss zur B-Plan-Änderung habe er das Projekt vorangetrieben, so Carstensen gegenüber dem FT. Nun bleibe er auf den Kosten von mehreren Tausend Euro sitzen. „Ich weiß gar nicht, womit ich das verdient habe“, sitzt bei ihm der Frust tief.

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